Yamaha YZF-R1 im MOTORRAD-Dauertest Erfahrungen über 50.000 Kilometer

Die Yamaha YZF-R1 durchläuft seit 1. Juni 2015 den MOTORRAD-Dauertest und hat seither 33.600 Kilometer gesammelt.

3.532 km: Dauertest-Begrüßung

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7.800 km: Zwischenprotokoll

Die Yamaha YZF-R1 steht erst am Anfang des MOTORRAD-Dauertests. Dass solch ein Racer im Alltag Kompromisse erfordert, war klar. Etwa das harte Sitzpolster, die sehr trockene Abstimmung des Stoßdämpfers, der diffuse Kupplungsdruckpunkt und der Durst bei schneller Fahrt, der nach spätestens 200 Kilometern das Ansteuern der nächsten Tankstelle erfordert. Aber wer soll das dem Heizeisen schon übel nehmen?

Allerdings tickt der Kilometerzähler der Yamaha YZF-R1 gerade nicht weiter. Das liegt an einem etwas optimistischen Wendemanöver eines Autofahrers, woraufhin eine Kontaktaufnahme zwischen Pkw und Motorrad nicht zu verhindern war. Die beschädigten Teile werden gerade beim Importeur ausgetauscht.

10.679 km: Herbstausfahrt 2015

13.650 km: Rückruf wegen Getriebewellen

Yamaha hat einen großen Teil der 2015 ausgelieferten R1-Modelle in die Werkstatt beordert, um das Getriebe zu tauschen. Aufgrund eines Fertigungsfehlers können im schlimmsten Fall Getrieberäder des zweiten Gangs unter hoher Belastung brechen. In Einzelfällen ist genau das bereits passiert.

Betroffen vom Rückruf ist auch die MOTORRAD-Dauertestmaschine, eine der ersten in Deutschland ausgelieferten Maschinen, die deshalb kürzlich in der Werkstatt des Yamaha-Händlers war. Ein enormer Arbeitsaufwand, weil der Motor ausgebaut und teilzerlegt werden muss.

Getauscht wurden beide Getriebewellen mit allen Zahnrädern. Der Händler benötigte dafür zwei Arbeitstage. Bei der Gelegenheit wurden auf Kulanz die Kupplungsbeläge gewechselt, da die Kupplung zuletzt hart und schlecht dosierbar einrückte.

Seitdem läuft die Maschine zwar problem-, aber nicht völlig kritiklos. Die rupfende Kupplung wird moniert, vor allem bei kaltem Motor muss zum Anfahren sehr feinfühlig dosiert werden.

23.330 km: Kupplungskorb

Bei dem Nippon-Supersportler zieht sich praktisch von Beginn an ein Thema als roter Faden durchs Fahrtenbuch: die mäßig dosierbare, rupfende Kupplung mit kurzem Schleifweg.  Wer von einem anderen Motorrad umsteigt, würgt gerne mal den Motor ab. Mittlerweile verrichten bereits die dritten Kupplungsbeläge ihren aufreibenden Dienst, der Kupplungskorb wurde bei Kilometerstand 23 330 getauscht.

26.373 km: Leistungsverlust

Für etwas tiefere Sorgenfalten sorgt derzeit die Yamaha YZF-R1. Anlässlich der anstehenden Dauertest-Zwischenbilanz sollte auf dem Prüfstand der Akrapovic-Endtopf aus dem Yamaha-Zu­behörprogramm eine Kostprobe geben. Zuvor stand eine obligatorische Leistungsmessung auf dem Programm, die mit 186 PS gegenüber den zu Beginn gemessenen 199 PS ziemlich ernüchternd ausfiel. Die Überprüfung samt Auslesen des Fehlerspeichers beim Fachhändler brachte keine neuen Erkenntnisse.

Zwei Nachmessungen förderten immerhin 193 PS zutage. Am Prüfstand lages jedenfalls nicht, der prüft exakt wie eh und je. Eine Erklärung für den Leistungsverlust haben wir bislang noch nicht gefunden, bleiben aber dran.

30.000 Kilometer: Ruckdämpfer

Zuletzt wurde das Ruckeln wieder stärker, der Händler machte dieses Mal aber eine andere Ursache aus: Verbindungsstege der Ruckdämpfer in der Hinterradnabe waren  gebrochen. Daher gab es jetzt bei der 30 000er-Inspektion neue Gummis.

Stichwort Kautschukprodukte: Die leicht undicht gewordenen Simmerringe der Upside-down-Gabel mussten ersetzt werden. Ferner wurde die Bremsflüssigkeit getauscht, was sich spürbar auswirkte: Die Vorderradbremse glänzt nun wieder mit klarem, exakt dosierbarem Druckpunkt. "Jetzt fühlt sich die R1 wieder taufrisch an", lautet kurz danach ein freudiger
Kommentar im Fahrtenbuch.

32.540 km: Die Leistungssuche geht weiter

Beim Nippon-Supersportler steht in MOTORRAD 14/2017 die Dauertest-Zwischenbilanz an. In diesem Zusammenhang fühlte die Redaktion auch Nachrüstauspuffen auf den Zahn. Dabei zeigte sich, dass die Yamaha YZF-R1 gegenüber der Eingangsmessung zu Testbeginn sechs PS verloren hatte: Nun drückt sie noch 191 statt strammer 197 PS.

Zwar traten auf dem Leistungsprüfstand Fehlermeldungen auf: Für die Bord­elektronik ist es unplausibel, dass das Hinterrad 280 fährt, während das Vorderrad stillsteht. Der Fehler konnte aber mittels Systemdiagnose beim Händler gelöscht werden. Die minimale Leistungsminderung von drei Prozent aber blieb.

Sie wirkt sich jedoch erst ab 9000/min aus, kommt also allenfalls auf Rennstrecken oder leeren Autobahnen zum Tragen. Trotzdem wurde die R1 daraufhin beim deutschen Yamaha-Importeur nochmals inspiziert und nachgemessen. Erstes Ergebnis: keine große Abweichung zwischen den beiden verschiedenen Prüfständen. Das MOTORRAD-Exemplar ist also gut geeicht. Zweites Ergebnis: Tja?!

Druckverlust- und Kompressionsmessungen des R1-Dauertestmotors zeigen gute, unauffällige Werte. Ein Verdacht: Im Rahmen des offiziellen Rückrufs erhielt die R1 ein komplett neues Getriebe – die Eingangsmessung erfolgte noch vor dem Tausch. Eventuell wirkt sich hier also erhöhte Reibung der Neuteile im zweiten Getriebe aus.

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