Erschienen in: 01/ 2016 MOTORRAD

Dauertest-Zwischenbilanz BMW R 1200 R

Bislang problemlos

Mit dem Dauertest von MOTORRAD pflegten BMW-Maschinen in der Vergangenheit eine angespann­te Beziehung. Insgesamt drei Motorschäden trüben die Gesamtbilanz. Der bislang problemlose Dauertest der BMW R 1200 R könnte das Image der Bayern in dieser ­Beziehung wieder aufpolieren.

MEHR ZU

Eingehüllt: Mit Windschild und Gepäcksystem avancierte das Naked Bike zum Lieblingstourer der Redaktion.

Bildergalerie: Dauertest-Zwischenbilanz BMW R 1200 R.   28 Bilder

IN DIESEM ARTIKEL

Artikel als PDF downloaden Alle Downloads im Überblick

6 Seiten
aus MOTORRAD 01/2016
Preis: 2,00 €

PDF JETZT KAUFEN »

BMW und der MOTORRAD-Dauertest – diese Beziehung endete in den vergangenen Jahren nicht immer glücklich. Beispiele gefällig? Die erste R 1200 GS im Jahr 2005: je ein kapitaler Defekt an Hinterradantrieb und Getriebe. Fünf Jahre später patzte die K 1300 GT mit geplatztem Kupplungskorb und Kurbelwellenschaden. Im Jahr 2014 sorgte der Dauertest der wassergekühlten R 1200 GS mit einem kapitalen Getriebeschaden für einen Eklat.

Insofern hat sie einiges gutzumachen, die neue BMW R 1200 R. Allerdings: Das Vertrauen in die Qualitäten der Münchner Konstruktionen hat die leidvolle Dauertest-Historie offensichtlich nicht geschmälert. Im Gegenteil. Mit 23,1 Prozent Marktanteil (Stand November 2015) dominiert BMW den deutschen Motorradmarkt in erdrückender Manier. Yamaha als zweitstärkste Kraft im Lande verkauft mit 11,6 Prozent nur halb so viele Maschinen.

Trotzdem: Eine 50.000-Kilometer-Distanz ohne schwerwiegende mechanische Defekte durchzustehen, wird heute von jedem Kleinwagen verlangt. Für ein Motorrad der preislichen Oberklasse sollte dies erst recht kein Problem darstellen. Denn mit immerhin 16.595 Euro (inklusive Komfort-, Touring- und Dynamik-Paket sowie Style 1-Farbgebung und Keyless Ride) lässt die BMW R 1200 R das Bankkonto kräftig zur Ader.

Feine Gasannahme und tolle Laufkultur

Technisch stellt die nackte BMW R 1200 R eine Zäsur in der jüngeren Boxer-Historie dar. Zwar ersetzte eine Upside-down-Gabel schon bei der R NineT das Telelever, die Kombination der konventionellen Front mit dem wassergekühlten Boxer findet sich aber zum ersten Mal in der R 1200 R. Zudem profitiert der Flat Twin von der Gnade seiner späten Geburt. Denn die um 1127 Gramm schwerere Kurbelwelle, die bereits im Jahr 2014 in der GS Adventure und R 1200 RT verbaut wurde, sorgt auch in der BMW R 1200 R für geschliffenere Manieren im unteren Drehzahlbereich. Und nicht nur deshalb für prompte Begeisterung für die Dauertest-BMW. Zunächst bei Markus Biebricher. „Welch beglückender Druck, was für ein glücklich machendes Bike“, notiert der Chef des Ressorts „Leben“ geradezu im Glückstaumel nach seiner Jungferntour auf der BMW R 1200 R ins Fahrtenbuch. In der Tat brilliert der präzisionsgekühlte Boxer vor allem durch feine Gasannahme und tolle Laufkultur. Kräftigeren Schub bietet er obendrein. Mindestens zehn Newtonmeter Drehmoment und bis zu 14 PS Leistung trennen den neuen, 125 PS starken Treibsatz über das ganze Drehzahlband von seinem Vorgänger.

Zu kritisieren gab’s am so geschmeidig pochenden Antrieb der BMW R 1200 R denn auch kaum etwas. Ein Thema bleibt die Schaltung. „Das Getriebe könnte geschmeidiger funktionieren“, merkt Testredakteur Jens Möller-Töllner an. Konkreter: Wie alle Boxermotoren der neuen Generation trennt die Nasskupplung nicht immer perfekt, lässt den ersten Gang gelegentlich nur mit einem unüberhörbaren Schlag einrasten. Hausmittel wie ein bis maximal zur Schauglasmitte reichender Motorölstand oder eine Gedenksekunde mit gezogenem Kupplungshebel vor dem Einlegen des Gangs wirken nur lindernd, aber nicht heilend. Am schonendsten für die Nerven – und das Getriebe – ist es, den Motor mit bereits eingelegtem ersten Gang zu starten.

Etwas Aufmerksamkeit fordert auch der Schaltassistent der BMW R 1200 R. Sportliche Naturen, die den Boxer drehen lassen, schwärmen vom kupplungslosen Schalten dank Zündunterbrecher und Zwischengasautomatik in den höchsten Tönen. Bei Konstantfahrt, niedrigen Drehzahlen und in den unteren drei Gängen steht dieser Technik jedoch die relativ große Schwungmasse des Zweizylinders im Weg. In diesen Situationen schont die glättende Hand am Kupplungshebel abermals Nerven und Material. Für Zweifler: Die Kalibrierung der Regelelektronik kann in der Werkstatt – zum Beispiel im Rahmen einer Inspektion – unkompliziert überprüft werden. Apropos Inspektion. Mit 209 Euro blieben die Kosten für die 10.000er-Durchsicht (Öl- und Bremsflüssigkeitswechsel) überschaubar.

Sitzbank leider nicht höhenverstellbar

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die BMW R 1200 R mit Nachrüstscheibe und höherer Sitzbank (siehe "Zubehör im Test") sogar in die Herzen der Tourer-Fraktion gefahren. Sehr gut: Selbst mit der höchsten, um immerhin acht Zentimeter aufgepolsterten Nachrüstsitzbank erreichen 1,80-Meter-Piloten noch immer mit beiden Füßen sicheren Grund. Trotzdem schade, dass die Sitzbank nicht mehr wie beim Vorgängermodell höhenverstellbar ist, sondern für jede Änderung ein Neuteil für 257 Euro fällig wird.

Pudelwohl auf dem hohen Sitz fühlte sich Kristijan Ticak. Der hoch aufgeschossene Chefredakteur der kroatischen MOTORRAD-Partnerzeitschrift „Motorevija“ brummte auf einer Balkanrunde in Rekordzeit 3000 Kilometer auf den Digitaltacho der BMW R 1200 R und zeigte sich völlig begeistert (siehe "Fahrermeinung").

Gejammert auf höchstem Niveau

Dennoch brachten nicht erst die Holperpisten im kroatischen Hinterland eine Schwäche in der Abstimmung der semiaktiven Federung zutage. Während das Heck lang gezogene Wellen sauber wegdämpft, kommen Schläge von Querrinnen oder Schlaglöchern nur wenig gefiltert beim Fahrer an. Zudem fällt im Road-Modus des ESA die Dämpfung des Federbeins recht schwach aus, verleiht der Hinterhand ein diffuses Feedback und ein etwas schwammiges Fahrgefühl.

Gejammert wird in dieser Beziehung dennoch auf höchstem Niveau. Denn die Vergleichstests gegen die Ducati Monster 1200, Honda CB 1000 R oder Triumph Speed Triple hatte die BMW R 1200 R bis dahin alle gewonnen. Und Defekte gab’s auch keine – sieht man vom immer wieder abstürzenden Navi ab, das auf Garantie ersetzt wurde. Auch die 20.000er-Inspektion hielt sich finanziell mit genau 300 Euro im Rahmen (Öl in Motor und Hinterachsgetriebe gewechselt, Zündkerzen und Luftfilter getauscht, Ventilspielkontrolle).

Schadstoffausstoß unterhalb der Grenzwerte

Als im September die medialen Wogen über dem VW-Abgasskandal zusammenschlugen, musste die Dauertest-R sogar zur Ehrenrettung der Zweiradbranche ran. Gemeinsam mit der Suzuki GSX-S 1000 F stellte MOTORRAD die BMW R 1200 R auf einen Abgasprüfstand des TÜV Rheinland. Das Resultat: Sowohl im Prüfzyklus als auch bei der Simulation einer willkürlich gewählten freien Fahrt blieb der Schadstoffausstoß beider Probanden unterhalb der Grenzwerte. Zur Erinnerung: Im Jahr 2000, entlarvte MOTORRAD bei der BMW F 650 eine Prüfstandserkennung in der Software.

Insofern brummt die BMW R 1200 R mit weißer Weste und bislang ohne eine einzige technische Auffälligkeit gen Halbzeit des Dauertests. Ihre eingangs erwähnten Vorgängerinnen hatten Testwerkstatt und Vertragshändler bis zu dieser Distanz bereits kräftig auf Trab gehalten. Und weil MOTORRAD bislang auch aus den Besitzerkreisen keine Auffälligkeiten über die BMW R 1200 R gemeldet wurden, steuert sie das zerrüttete Verhältnis ihres Mutterhauses zum MOTORRAD-Dauertest derzeit auf Reha-Kurs. Zumindest solange Kollege Biebricher mit seiner zweiten Fahrtenbuchnotiz recht behält: ein tolles Motorrad – hoffentlich geht nichts kaputt.

Aktuelle Gebrauchtangebote
 

BMW R 1200 R

02/2015
30 km

8.999 EUR Anfragen

BMW R 1200 R

03/2012
17.500 km

10.990 EUR Anfragen

BMW R 1200 R

04/2011
29.640 km

8.790 EUR Anfragen

BMW R 1200 R

01/2015
6.723 km

14.500 EUR Anfragen

BMW R 1200 R

06/2008
77.793 km

5.980 EUR Anfragen

BMW R 1200 R

06/2013
39.900 km

10.500 EUR Anfragen


WEITER ZU SEITE 2: Reifenempfehlung

1 | 2 | 3 | 4 |     
23.12.2015 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

DIESEN ARTIKEL KOMMENTIEREN 


  • Marke

    Lade...

  • Modell

    Bitte Marke auswählen!

Führerscheintest
Gebrauchtmarkt
28848
 
Reifenmaße:
Geschwindigkeits-
index:
Reifenhersteller:
Reifentyp:

 

BMW R 1200 R BJ: 2012, 17500 KM
10990 €

BMW R 1200 R BJ: 2015, 30 KM
8999 €

BMW R 1200 R BJ: 2011, 29640 KM
8790 €

BMW R 1200 R BJ: 2015, 6723 KM
14500 €

Newsletter

Bleiben Sie immer auf dem laufenden und abonnieren hier den MOTORRAD-Newsletter

MOTORRAD online
MOTORRAD action team

Vorschau
Abonnieren