Dauertest-Zwischenbilanz Ducati Ducati 1098: Viva la Diva

Die Ducati 1098 ist ein glühendes Bekenntnis zum Sport-Twin, schart Verehrer und Kritiker gleichermaßen um sich. Sportliche Naturen ließen sie bislang hochleben, aber auch Kritikern lieferte die Diva Nahrung.

Die Skepsis war groß, als die 1098 im Mai 2007 in die Redaktionstiefgarage rollte. Hatte doch die Vorgängerin 999 während des Langstreckentests (MOTORRAD 26/2005) ihre Fahrer immer wieder durch größere und kleinere Unpässlichkeiten genervt. Aber man habe, so die Versicherung von Ducati damals, die qualitativen Mängel nun im Griff. Also ran an den Speck und rein ins pralle Leben. Und das führte die Rote schnurstracks zum Alpen-Masters in die Berge. Enge Kehren, kräftezehrende Bergab-Passagen, nicht gerade das ideale Terrain für die 1098 mit ihrer anstrengenden Sitzposition, der schwergängigen Kupplung, dem harten Federbein sowie der weichen Gabel in Verbindung mit den biestigen Bremsen. Und obwohl sie sich in den Alpen ehrenhaft schlug, dürften es wohl diese Charakterzüge gewesen sein, die die ersten Fahrtenbucheinträge prägten. "In der Stadt ist das die Hölle", und "die Handgelenke sind zu alt für das Bike", stand da zu lesen. Ansonsten jedoch gab es vor allem eines: mächtig Lob für den klangstarken, druckvollen Motor und für die schmale Taille. Allein, die Freude darüber blieb nicht völlig ungetrübt. Im Alltag nervten Dinge wie die völlig untauglichen Spiegel oder das umständliche Ölnachfüllen. Und das einer solchen Maschine unwürdige Sammelsurium an Schrauben unter-schiedlichster Art, das beim Abbau der Verkleidung anfällt, löste ebenfalls wenig Begeisterung aus. 916 und 999 verwöhnten hier noch mit Schnellverschlüssen, die Preis und Nimbus solcher Schönheiten eher angemessen sind.
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Dass die 1098 nur selten auf ausgedehnte Touren ging, lag indes nicht nur an ihrer ausgeprägt sportlichen Ergonomie, sondern auch an ihrem mit durchschnittlich sieben Litern ordentlichen Durst bei gleichzeitig kleinem Tankinhalt. Denn anstatt der angegebenen 15,5 Liter nimmt das Spritfass der Dauertest-Duc selbst in staubtrockenem Zustand nur 14,6 Liter auf. Zweimal war der Tank kurz vor der rettenden Zapfsäule schneller als geplant leergesaugt. Immerhin, genaues Auslitern war anschließend ohne Aufwand möglich. Auf Autobahnetappen hieß es daher stets, die Abstände zwischen den Raststätten gut im Auge zu behalten.
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Foto: Ducati

Motor, Elektrik, Fahrfreude

Ob die oftmals verblüffend niedrige Kühlwassertemperatur zum hohen Verbrauch beitrug, konnte nicht geklärt werden. So war es bei kühler Witterung problemlos möglich, den Motor auf der Landstraße kalt zu fahren, Wassertemperaturen über 55 Grad blieben eher die Ausnahme. Bei der Überprüfung des Thermostats und der Elektrik zeigten sich keinerlei Mängel. Und wie schon bei der 999 erwies sich auch bei der Dauertest-1098 die Elektrik als nicht 100-prozentig standfest. Im Winter, bei Kilometerstand 12838, fiel während der Fahrt die Beleuchtung aus. Dumm, wenn das mitten in der Nacht passiert. Der Lichthupen-Knopf musste für Erhellung sorgen, bis sicheres Anhalten möglich war. Nach dem Aus- und wieder Anschalten der Zündung funktionierte die Duc zum Glück vorerst wieder einwandfrei. Bis zum nächsten Lichtausfall. Das Auslesen des Fehlerspeichers in der Fachwerkstatt förderte allerdings keine Ursache zutage. So muss wohl das Reinigen und Besprühen der Steckverbindungen mit Kontaktspray diesen Kupferwurm ausgetrieben haben, der Fehler tauchte fortan jedenfalls nicht mehr auf.

Ansonsten aber lief die Ducati klaglos, spulte einfach nur brav Kilometer ab. Und wie! Denn wann immer die Rote der Enge der Stadt entfliehen durfte und auf gut planierten Trassen Auslauf bekam, erwies sie sich mit ihrer Kombination aus stabilem Fahrwerk und druckvollem Motor als superbe Partnerin. So war die 1098 nicht nur bei sportlich ambitionierten Naturen ein gern genutzter Untersatz, wenn eine flotte Spritztour anstand. Und bei derlei Einsätzen erntete sie wohlverdientes Lob für das vollmundige Trommeln aus den beiden Endtöpfen und das knackige, transparente Fahrwerk. Vor allem aber für den V2, seinen energischen Antritt aus dem Drehzahlkeller, angesichts dessen viele gerne über den rappeligen Lauf bei niedrigen Drehzahlen hinwegsahen. "Ich hab‘s mir doch gedacht, zwei Zylinder sind genug", fasste Grafiker Stefan Weber seine Begeisterung in Worte.
Foto: 2Snap

"Gute-Laune-Motorrad"

"Das echte Gute-Laune-Motorrad, wild, ruppig und lebendig, da fängt der Arbeitstag optimal an", verteilte Unterwegs-Redakteurin Annette Johann ein dickes Kompliment an die Italienerin und resümierte: "Ein echtes Sommerkind, je wärmer es wird, desto besser läuft sie." Und wer der Ducati mit etwas Leidensfähigkeit begegnete, der störte sich spätestens beim genüsslichen Kurvenvernaschen und aktiven Herumturnen im Sitz auch nicht mehr an den tief montierten Stummeln. Wobei es hierfür einfache Abhilfe gibt. Die gekröpfte obere Gabelbrücke von Moto-Officina Frankenberger bringt die Stummel etwa 25 Millimeter weiter nach oben. Weil die Fußrasten ohnehin gemäßigte Kniewinkel zulassen, kommt so der Sitzkomfort nicht mehr zu kurz, und die Duc kann selbst auf längeren Etappen Dienst tun. Außerdem lässt sich der eher mäßige Windschutz mit einer höheren Scheibe, beispielsweise aus dem hauseigenen Performance-Katalog, schnell und sehr effektiv verbessern. So gerüstet, wird die Sportlerin fast schon langstreckentauglich. Auch wenn die geringe Reichweite bleibt.

In puncto Gepäckunterbringung ist allerdings wirklich Fantasie gefragt, denn darauf ist die 1098 gar nicht vorbereitet. Magnet-Tankrucksäcke halten auf dem Kunststoff-Spritfass nicht, zudem vertragen sich hoch aufragende Exemplare mit viel Fassungsvermögen schlecht mit der gebückten Sitzhaltung. Der Ventura-Gepäckträger von Fat-Cat bietet zwar Gepäckbrücken in zwei unterschiedlichen Größen, die zudem bei Nichtgebrauch gegen einen optisch unauffälligen Bügel getauscht werden können. Aber diese ragen weit über das Heck hinaus, eine dort montierte Gepäcktasche sollte also nicht allzu schwer sein. Gute Nerven waren vor allem in der kalten Jahreszeit beim Startverhalten gefragt. Scheinbar mit letzter Kraft würgt der Anlasser die Kolben über den oberen Totpunkt. Trotzdem brachte er den Twin selbst bei Minusgraden in den allermeisten Fällen aufs erste Mal zum Laufen. Einen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt bescherte der Duc bei Kilometerstand 17061 denn auch nicht der Starter, sondern ein defektes Benzinpumpenrelais.


Ansonsten sah die 1098 nur zu den Inspektionsterminen die Werkstatt. Wobei der 12000er-Termin, für den 432 Euro fällig waren, weniger für hochgezogene Augenbrauen sorgte als die rund 200 Euro, die kurz darauf für einen Satz vordere Bremsbeläge gefordert wurden. Noch kräftiger schlug die 24000er-Inspektion mit 675 Euro zu Buche, zu der außerdem ein Kettensatz mit 447 Euro (inklusive Einbau) kam. Immerhin wurden dabei korrodierte Stecker am Lufttemperatursensor als mögliche Ursache für den hohen Verbrauch und die niedrigen Kühlmitteltemperaturen entdeckt sowie der Sensor auf Garantie getauscht. Zum Überprüfen, ob es etwas geholfen hat, blieb keine Zeit mehr. Denn während der Testfahrten für die Reifenempfehlungen auf dem Nürburgring verlor die 1098 plötzlich an Leistung und ihre Lebensgeister. Betrübte Gesichter nach dem Zerlegen des Motors. Diagnose: Riss quer durch den Kolben des liegenden Zylinders. Ersatzteile sind bereits geordert, damit die Diva baldmöglichst wieder zum Leben erwacht.
Die Skepsis war groß, als die 1098 im Mai 2007 in die Redaktionstiefgarage rollte. Hatte doch die Vorgängerin 999 während des Langstreckentests (MOTORRAD 26/2005) ihre Fahrer immer wieder durch größere und kleinere Unpässlichkeiten genervt. Aber man habe, so die Versicherung von Ducati damals, die qualitativen Mängel nun im Griff.
Also ran an den Speck und rein ins pralle Leben. Und das führte die Rote schnurstracks zum Alpen-Masters in die Berge. Enge Kehren, kräftezehrende Bergab-Passagen, nicht ge-rade das ideale Terrain für die 1098 mit ihrer anstrengenden Sitzposition, der schwergängigen Kupplung, dem harten Federbein sowie der weichen Gabel in Verbindung mit den biestigen Bremsen. Und obwohl sie sich in den Alpen ehrenhaft schlug, dürften es wohl diese Charakterzüge gewesen sein, die die ersten Fahrtenbucheinträge prägten. "In der Stadt ist das die Hölle", und "die Handgelenke sind zu alt für das Bike", stand da zu lesen.
Ansonsten jedoch gab es vor allem eines: mächtig Lob für den klangstarken, druckvollen Motor und für die schmale Taille. Allein, die Freude darüber blieb nicht völlig ungetrübt. Im Alltag nervten Dinge wie die völlig untauglichen Spiegel oder das umständliche Ölnachfüllen. Und das einer solchen Maschine un-würdige Sammelsurium an Schrauben unter-schiedlichster Art, das beim Abbau der Verklei-dung anfällt, löste ebenfalls wenig Begeiste-rung aus. 916 und 999 verwöhnten hier noch mit Schnellverschlüssen, die Preis und Nimbus solcher Schönheiten eher angemessen sind.
Dass die 1098 nur selten auf ausgedehnte Touren ging, lag indes nicht nur an ihrer ausgeprägt sportlichen Ergonomie, sondern auch an ihrem mit durchschnittlich sieben Litern ordentlichen Durst bei gleichzeitig kleinem Tankinhalt. Denn anstatt der angegebenen 15,5 Liter nimmt das Spritfass der Dauertest-Duc selbst in staubtrockenem Zustand nur 14,6 Liter auf. Zweimal war der Tank kurz vor der rettenden Zapfsäule schneller als geplant leergesaugt. Immerhin, genaues Auslitern war anschließend ohne Aufwand möglich. Auf Autobahnetappen hieß es daher stets, die Abstände zwischen den Raststätten gut im Auge zu behalten.
Ob die oftmals verblüffend niedrige Kühlwassertemperatur zum hohen Verbrauch beitrug, konnte nicht geklärt werden. So war es bei kühler Witterung problemlos möglich, den Motor auf der Landstraße kalt zu fahren, Wassertemperaturen über 55 Grad blieben eher die Ausnahme. Bei der Überprüfung des Thermostats und der Elektrik zeigten sich keinerlei Mängel. Und wie schon bei der 999 erwies sich auch bei der Dauertest-1098 die Elektrik als nicht 100-prozentig standfest. Im Winter, bei Kilometerstand 12838, fiel während der Fahrt die Beleuchtung aus. Dumm, wenn das mitten in der Nacht passiert. Der Licht-hupen-Knopf musste für Erhellung sorgen, bis sicheres Anhalten möglich war. Nach dem Aus- und wieder Anschalten der Zündung funktionierte die Duc zum Glück vorerst wieder einwandfrei. Bis zum nächsten Lichtausfall. Das Auslesen des Fehlerspeichers in der Fachwerkstatt förderte allerdings keine Ursache zutage. So muss wohl das Reinigen und Besprühen der Steckverbindungen mit Kontaktspray diesen Kupferwurm ausgetrieben haben, der Fehler tauchte fortan jedenfalls nicht mehr auf.
Ansonsten aber lief die Ducati klaglos, spulte einfach nur brav Kilometer ab. Und wie! Denn wann immer die Rote der Enge der Stadt entfliehen durfte und auf gut planierten Trassen Auslauf bekam, erwies sie sich mit ihrer Kombination aus stabilem Fahrwerk und druckvollem Motor als superbe Partnerin. So war die 1098 nicht nur bei sportlich ambitionierten Naturen ein gern genutzter Untersatz, wenn eine flotte Spritztour anstand. Und bei derlei Einsätzen erntete sie wohlverdientes Lob für das vollmundige Trommeln aus den beiden Endtöpfen und das knackige, transparente Fahrwerk. Vor allem aber für den V2, seinen energischen Antritt aus dem Drehzahlkeller, angesichts dessen viele gerne über den rappeligen Lauf bei niedrigen Drehzahlen hinweg-sahen. "Ich hab‘s mir doch gedacht, zwei Zylinder sind genug", fasste Grafiker Stefan Weber seine Begeisterung in Worte.
"Das echte Gute-Laune-Motorrad, wild, ruppig und lebendig, da fängt der Arbeitstag optimal an", verteilte Unterwegs-Redakteurin Annette Johann ein dickes Kompliment an die Italienerin und resümierte: "Ein echtes Sommerkind, je wärmer es wird, desto besser läuft sie." Und wer der Ducati mit etwas Leidens-fähigkeit begegnete, der störte sich spätestens beim genüsslichen Kurvenvernaschen und aktiven Herumturnen im Sitz auch nicht mehr an den tief montierten Stummeln. Wo-bei es hierfür einfache Abhilfe gibt. Die gekröpfte obere Gabelbrücke von Moto-Officina Frankenberger (siehe Kasten "Zubehör im Test", Seite 26) bringt die Stummel etwa 25 Millimeter weiter nach oben. Weil die Fußrasten ohnehin ge-mäßigte Kniewinkel zulassen, kommt so der Sitzkomfort nicht mehr zu kurz, und die Duc kann selbst auf längeren Etappen Dienst tun. Außerdem lässt sich der eher mäßige Windschutz mit einer höheren Scheibe, beispielsweise aus dem haus-eigenen Performance-Katalog, schnell und sehr effektiv verbessern. So gerüstet, wird die Sportlerin fast schon langstreckentauglich. Auch wenn die geringe Reichweite bleibt.
In puncto Gepäckunterbringung ist allerdings wirklich Fantasie gefragt, denn darauf ist die 1098 gar nicht vorbereitet. Magnet-Tankrucksäcke halten auf dem Kunststoff-Spritfass nicht, zudem vertragen sich hoch aufragende Exemplare mit viel Fassungsvermögen schlecht mit der gebückten Sitzhaltung. Der Ventura-Gepäckträger von Fat-Cat (siehe Seite 27) bietet zwar Gepäckbrücken in zwei unterschiedlichen Größen, die zudem bei Nichtgebrauch gegen einen optisch unauffälligen Bügel getauscht werden können. Aber diese ragen weit über das Heck hinaus, eine dort montierte Gepäcktasche sollte also nicht allzu schwer sein.
Gute Nerven waren vor allem in der kalten Jahreszeit beim Startverhalten gefragt. Scheinbar mit letzter Kraft würgt der Anlasser die Kolben über den oberen Totpunkt. Trotzdem brachte er den Twin selbst bei Minusgraden in den aller-meisten Fällen aufs erste Mal zum Laufen. Einen außerplanmäßigen Werkstattauf-enthalt bescherte der Duc bei Kilometerstand 17061 denn auch nicht der Starter, sondern ein defektes Benzinpumpenrelais. Ansonsten sah die 1098 nur zu den In-spektionsterminen die Werkstatt. Wobei der 12000er-Termin, für den 432 Euro fällig waren, weniger für hochgezogene Augenbrauen sorgte als die rund 200 Euro, die kurz darauf für einen Satz vordere Bremsbeläge gefordert wurden.
Noch kräftiger schlug die 24000er-Inspektion mit 675 Euro zu Buche, zu der außerdem ein Kettensatz mit 447 Euro (inklusive Einbau) kam. Immerhin wurden dabei korrodierte Stecker am Lufttempe-ratursensor als mögliche Ursache für den hohen Verbrauch und die niedrigen Kühlmitteltemperaturen entdeckt sowie der Sensor auf Garantie getauscht.
Zum Überprüfen, ob es etwas gehol-fen hat, blieb keine Zeit mehr. Denn während der Testfahrten für die Reifenempfeh-lungen (siehe Seite 28) auf dem Nürburg-ring verlor die 1098 plötzlich an Leistung und ihre Lebensgeister. Betrübte Gesichter nach dem Zerlegen des Motors. Diagnose: Riss quer durch den Kolben des liegenden Zylinders. Ersatzteile sind bereits geordert, damit die Diva baldmöglichst wieder zum Leben erwacht.
Leistungsdiagramm: Leistung an der Kurbelwelle; Messung auf Dynojet-Rollenprüfstand 150, korrigiert nach 95/1/EG, maximal mögliche Abweichung ± 5 %

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