Dauertest-Zwischenbilanz Harley Davidson XL 1200 CA.

Dauertest-Zwischenbilanz Harley-Davidson XL 1200 CA Halbzeit im Dauertest

Harleys sind mit ihrem lässigen Wesen Eins-a-Entschleuniger, das ist bekannt. Auch im Dauertest legte die Harley Davidson XL 1200 CA diese Wirkung an den Tag, trieb aber auch manchmal den Puls der Fahrer in die Höhe.

Wir schreiben März 2015. Mit der Harley XL 1200 CA tritt nach längerer Pause wieder ein Milwaukee-Eisen unserem Dauertest-Fuhrpark bei. Sie tritt in große Fußstapfen. Denn die letzte Harley, die einen Dauertest durchlief, war 2008 die Road King. Und sie beendete ihn an der Spitze des Dauertest-Rankings. Wo sie immerhin fünf Jahre verbrachte, ehe sie von der Honda CBR 600 F auf den zweiten Platz verdrängt wurde.

Nun also die Harley-Davidson XL 1200 CA mit dem dicken 16-Zoll-Vorderrad der Custom-Modelle. Mit jungfräulichen 13 Kilometern auf dem solitär über der Gabelbrücke thronenden Tacho trat sie ihren Dienst an. Und kassierte gleich zum Start einen Kommentar von unserem Geschäftsführenden Redakteur Harry Humke. „Das ja keine Harley mehr“, notierte er über sie. Und das war durchaus als Lob gemeint. Richtig fahrbar, Kupplung und Gas leichtgängig und gut dosierbar, die Bremsen bremsen, lautete sein erster Eindruck. Um gleich darauf zu relativieren: „Ah, doch, setzt sehr früh auf.“

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Immer wieder viel Spaß mit dem Mopedchen

Vor allem die Auspuffanlage der Harley-Davidson XL 1200 CA setzt in Rechtskurven den Schräglagen ein zeitiges Limit. Wobei auch der Heizerei völlig unverdächtige Kollegen wie Online-Capo Manuel Fuchs bei artgerechter Bewegung den frühen Bodenkontakt der Abgasanlage monierten. Freilich besteht dieses Problem nur bei trockener Fahrbahn. Denn bei Nässe schwand die Lust auf Kurven rapide. Die Originalbereifung Michelin Scorcher bekam unisono in puncto Nassgrip ihr Fett weg. Von unfahrbar bis lebensgefährlich reichten die Kommentare. Mag sein, dass sie für die von Harley geforderte hohe Kilometerleistung gut sind. Dafür die Alltagstauglichkeit derart zu opfern, scheint aber mehr als fragwürdig. Weshalb nach 8.500 Kilometern auf Pirelli Night Dragon gewechselt wurde. Die bekamen zwar im Trockenen gute Noten, kamen im Nassen aber auch nicht viel besser weg. Ebenso wenig wie die anschließend montierten Michelin Commander II (siehe „Reifenempfehlung“).

Lob gab’s freilich auch. „Ich hab immer wieder viel Spaß mit dem Mopedchen“, notierte Onliner Manuel Fuchs. „Eigentlich ein nettes Moped, die Harley-Davidson XL 1200 CA“, pflichtete Grafiker Gerd Mayer bei, und Kollege Roman Kirschbauer legte noch nach: „Bei allen Harley-typischen Schwächen: geiler Ofen.“

Das galt besonders dem angenehmen Motor mit seinen good vibrations. Und zum Teil auch dem Komfortangebot, zumindest nachdem ein MRA-Windschild montiert worden war. Es erntete für seinen properen Windschutz von Fahrern unterschiedlicher Statur Lob. Lediglich FUEL-Macher Rolf Henniges senkte als Pilot ohne Gardemaß bei Fahrten mit Jethelm den Daumen über der Scheibe. Die Sitzposition auf der Harley-Davidson XL 1200 CA konnte anfangs nicht überzeugen, was vor allem an den nicht optimal platzierten Rasten lag. Doch vorverlegte Rasten aus dem Harley-eigenen Zubehörprogramm sorgten auch in dieser Hinsicht für Besserung.

1.900 Kilometer in drei Tagen

Ein allzu gefragter Begleiter für ausgedehnte Reisen war die Harley-Davidson XL 1200 CA dennoch nicht. Was vielleicht an besagter Nassschwäche, vielleicht aber auch an der begrenzten Möglichkeit zur Gepäckunterbringung gelegen haben mag. In dieser Hinsicht sorgte die kleine Fehling-Gepäckbrücke für Entspannung.

Nichtsdestotrotz spulte die Harley-Davidson XL 1200 CA brav ihre Kilometer ab. Auch über den Winter. Die längste Tour mit der Harley verbuchte Service-Mann Klaus Herder, der 1.900 Kilometer in drei Tagen abriss. Sound, Motor und vor allem die MRA-Scheibe, dank derer auch Dauertempo 160 machbar ist, strich er als Pluspunkte hervor. Kritik bekamen – mal wieder – die Reifen und die viel zu kurzen Spiegelausleger. Sie zeigen zur Hälfte nur die Oberarme, und mit dicken Handschuhen bleibt nur wenig Platz zwischen Spiegel und Lenkergriff. Da ging wohl die Optik etwas zu sehr vor der Funktionalität. Abhilfe fand sich im Louis-Sortiment in Form der Magazi-Spiegel für 44,95 Euro. Einziger Defekt auf dieser Tour und bis hierhin: Die H4-Glühlampe im Scheinwerfer hatte ihren Geist aufgegeben und musste getauscht werden. Ansonsten verbucht die XL 1200 CA bereits zwei Herbstausfahrten auf ihrem Konto.

Regelverhalten des ABS wenig feinfühlig

Aber auch im gewöhnlichen Testalltag zwischen Büro und Zuhause wurde der Harley-Davidson XL 1200 CA in mehrfacher Hinsicht so richtig auf den Zahn gefühlt. Die von Harry Humke anfangs gelobte Bremse bekam dabei von Testchef Gert Thöle einen Rüffel. Wobei es weniger die Verzögerungsleistung der Einscheiben-Anlage im Vorderrad war, was des Testchefs Unmut erregte. Vielmehr war es die Kombination aus hemdsärmeligem ABS-Regelverhalten und Gabelabstimmung, die ihn ein Bremsmanöver beinahe in einer Autotür beenden ließ. „Gabel springt im ABS-Regelbereich über Bodenwellen, dann bremst die Karre gar nicht“, notierte er anschließend ins Fahrtenbuch.

Am wenig feinfühligen Regelverhalten des ABS lässt sich nichts ändern. An der Fahrwerksabstimmung der Harley-Davidson XL 1200 CA schon. Zumal die Federelemente mit zunehmender Testdauer immer stärker in den Fokus der Kritik rückten. Die unterdämpfte Gabel und die bockigen, mit geringem Federweg ausgestatteten Federbeine fanden auf Dauer nur wenig Anklang. Aber der Zubehörmarkt hält ja reichlich Alternativen parat. Im Falle der Gabel entschieden wir uns für ein Cartridge-Kit aus dem Harley-Zubehörprospekt. Allerdings ohne tief greifenden Erfolg (siehe unten). Der „Premium Ride Single Cartridge Fork Kit“ für 449 Euro trug nicht wirklich zur Verbesserung des Fahrwerks bei.

Foto: Yvonne Hertler
Die MRA-Scheibe ist eine lohnende Investition, steigert sie doch den Langstreckenkomfort deutlich.
Die MRA-Scheibe ist eine lohnende Investition, steigert sie doch den Langstreckenkomfort deutlich.

Ein Schuss mehr Handlichkeit

Etwas anders sah die Sache schon bei den getesteten Federbeinen aus. Bei deren Auswahl wurde angesichts des Fahrzeugpreises bewusst auf voll einstellbare High-End-Dämpfer verzichtet und preiswerteren Versionen der Vorzug gegeben. Hier überzeugten vor allem die Öhlins-Federbeine, die nicht nur mit vernünftiger Dämpfung gefielen, sondern – da länger als die Original-Teile – der Harley-Davidson XL 1200 CA noch einen Schuss Handlichkeit spendierten.

Neben Lob gab es also auch durchaus Kritik für die Harley-Davidson XL 1200 CA, wenngleich bis hierhin in erster Linie rein funktionalen Inhalts. Defekte blieben so weit aus. Einer der wenigen betraf das LED-Rücklicht, das sich im Frühjahr bei km-Stand 17.312 seines roten Abdeckglases entledigte. Was, da nicht einzeln erhältlich, ein neues Rücklicht erforderlich machte. Ärgerlich, aber eher unter der Rubrik Kleinigkeiten einzuordnen. Ebenso wie der gebrochene Halter der Riemenabdeckung.

Alle 8.000 Kilometer ist ein Service fällig

Kurz zuvor hatte den V2 allerdings ein gravierenderer Defekt ereilt. Zum Jahresende 2015 hatte der Anlasser zusehends Mühe, die Harley-Davidson XL 1200 CA zum Leben zu erwecken. Bei km-Stand 15.726 sprang sie schließlich gar nicht mehr an und musste fremdgestartet werden. Da die 16.000er-Inspektion ohnehin anstand, rollte die Harley schnurstracks in die Werkstatt. Dort wurden eine defekte Lichtmaschine diagnostiziert und der Stator auf Garantie getauscht.

Damit wären wir beim Unterhalt und den Kosten. Alle 8.000 Kilometer ist ein Service fällig. Inklusive Erstinspektion musste die Harley-Davidson XL 1200 CA bislang also viermal zur Durchsicht in die Werkstatt. Die Kosten hierfür hielten sich bislang in recht überschaubaren Grenzen. Zwischen 158 Euro (8.000er) und 289 Euro (16.000er) bewegten sich die Wartungskosten, da kann man nun wirklich nicht meckern. Dank Hydrostößel entfällt die Ventilspielkontrolle, was die Kosten senkt. Bei der 24.000er-Inspektion waren erstmals auch die vorderen Bremsbeläge fällig für den Austausch. Weil die Harley zuvor mit Konstantfahrruckeln auf sich aufmerksam machte, bekam das Steuergerät zudem ein neues Motormapping aufgespielt.

Wie sieht es in Sachen Spirt aus?

Was den Spritkonsum angeht, hielt sich der großvolumige V2 der Harley-Davidson XL 1200 CA einigermaßen zurück. Im Alltag, der auch Kurzstrecken- und Pendelverkehr einschließt, lagen die Verbräuche zwischen 5,5 und sechs Litern. Ruhig angegangen ließen sich gemütliche Touren aber auch mit einer Vier vor dem Komma bewerkstelligen. Damit sind in Verbindung mit dem 17-Liter-Tank auf jeden Fall Etappen von 250 Kilometern machbar.

So nimmt die Harley-Davidson XL 1200 CA also die zweiten 25.000 Kilometer in Angriff. Allerdings tat sie sich zuletzt hin und wieder beim morgendlichen Kaltstart schwer. Und der unrunde Lauf bei kaltem Motor mit unwürdigem Teillast- und Schieberuckeln unter 2.400/min meldete sich verstärkt wieder zurück. Scheint, als würde die inzwischen aus dem Programm genommene CA nicht so souverän durch den Dauertest marschieren wie Schwester Road King. Aber noch liegen ja 25.000 Kilometer vor ihr.

Zubehör für die Harley-Davidson XL 1200 CA im Test

Im Alltag bietet die Harley-Davidson XL 1200 CA durchaus Gelegenheit für funktionale Verbesserungen. Relativ simpel lässt sich das Problem der Gepäckunterbringung lösen. Spezialist Fehling (www.fehling.de) bietet für die Sportster das leicht zu montierende ­Rearrack 7042 für 83,90 Euro an, das sich dezent zwischen Sitzbank und Nummerntafel einfügt. Ebenso einfach lässt sich eine nervige Kleinigkeit abstellen: Die serienmäßigen Spiegelausleger sind zu kurz geraten und zeigen mehr Oberarme als rückwärtigen Verkehr. Mit den Magazi-Spiegeln aus dem Louis-Sortiment (44,95 Euro) lässt sich die Rücksicht etwas verbessern.

Damit das lässige Cruisen mit der Harley-Davidson XL 1200 CA auch auf Dauer lässig bleibt, kümmerten wir uns außerdem um die Langstreckenqualitäten. MRA (www.mra.de) bietet eine Reihe verschiedener Scheiben in unterschiedlichen Tönungsstufen an. Wir entschieden uns für das transparente Road Shield „RO“, das für seinen Windschutz fast durchweg gelobt wurde. Zusammen mit Haltesatz kostet es 98,80 Euro. Wenig Gefallen fanden die Tester an den Serien-Fußrasten. Bequemer ruhen die Füße auf den vorverlegten Rasten aus dem hauseigenen Zubehörkatalog. Der Forward Control-Kit (604,50 Euro) sorgt für eine wesentlich entspanntere Sitzhaltung. Mehr Schräglagenfreiheit als die Original-Rasten bietet er aber nicht. Häufiger Kritikpunkt waren bislang neben den Reifen auch die Federelemente. Die Gabel etwa ließ es an vernünftiger Dämpfung missen. Der „Premium Ride Single Cartridge Fork Kit“ sollte für Besserung sorgen. Wirklich premium war das Dämpfungsverhalten nach dem Umbau aber nicht. Mit Kit hatte die Gabel im Stand kaum mehr Negativfederweg. Die Front steht dadurch höher, was die Fahrstabilität verschlechtert. Bei starkem Bremsen sackte sie mangels Progression dennoch komplett durch. Erst längere Federbeine bringen die Balance wieder ins Lot.

Foto: mps-Fotostudio
(1) H.-D.-Premium-Ride-Shocks (kurz), (2) Wilbers Typ 530 TS Road, (3) Seriendämpfer, (4) Progressive Suspension „412 Series Regular“, (5) H.-D.-Premium-Ride-Shocks (lang), (6) Öhlins-Federbein HD 754
(1) H.-D.-Premium-Ride-Shocks (kurz), (2) Wilbers Typ 530 TS Road, (3) Seriendämpfer, (4) Progressive Suspension „412 Series Regular“, (5) H.-D.-Premium-Ride-Shocks (lang), (6) Öhlins-Federbein HD 754

Stoßdämpfer

Schlaffe Dämpfung, keine Durchschlagreserven, wenig Federweg kennzeichnen die kurzen Original-Stoßdämpfer (3). So wurden Zubehör-Federbeine mit der Maßgabe geordert, ein Fahrergewicht von 70 bis 100 kg abzudecken. Sowohl die kurzen (1) als auch die längeren (5) Federbeine aus dem H.-D.-Programm (je 769 Euro), sind in der Vorspannung über Gewinde einstellbar. Die kurze Version taugt dank weicher Feder eher für leichte Fahrer, verbessert Komfort und Stabilität gegenüber der Serie. Die um 43 mm längere Version spricht nicht ganz so sensibel an, bringt mit härterer Feder für schwere Fahrer eine gelungene Abstimmung mit und verbessert Handling sowie Schräglagenfreiheit der Harley-Davidson XL 1200 CA deutlich.

Auch die 21 mm längeren Federbeine von Progressive Suspension (365,50 Euro, (4)) müssen aufgrund der weichen Feder kräftig vorgespannt werden, bringen dann etwas mehr Handlichkeit und Schräglagenfreiheit. Ihre Dämpfung ist aber zu lasch. Überzeugendes Ansprechverhalten bieten die 18 mm längeren Wilbers-Dämpfer (679 Euro, (2)). Kräftig vorgespannt, bieten sie höheren Komfort und Schräglagenfreiheit, könnten aber mehr Druckstufendämpfung vertragen und erreichen deshalb in Sachen Fahrstabilität nicht das Niveau der 42 mm längeren Öhlins-Dämpfer (680 Euro, (6)). Klasse Kompromiss aus satter Stabilität und Komfort. Top Ansprechverhalten, besseres Handling, dazu Reserven, klarer Kauftipp!

Reifenempfehlung

Sowohl die Erstbereifung Michelin Scorcher als auch die alternativ montierten Pirelli Night Dragon und Michelin Commander II bieten zwar ordentliche Trocken-Performance, machten sich aber mit dürftigem Nassgrip nur wenig Freunde. Klarer Fall für eine Reifenempfehlung. Doch das Angebot an Reifen in 130/90-16 und 150/80-16 ist dünn. Auch der alternativ montierte Metzeler 888 konnte im Vergleich zum Commander II im Nassen nicht überzeugen. Ist für lange Bremswege noch das grobe ABS der Harley-Davidson XL 1200 CA mit verantwortlich, fehlt es durch die Bank vor allem an Kurvenhaftung. Weil bei Dunlop, Continental und Metzeler bereits für 2017 neue oder stark überarbeitete Reifen in den Startlöchern stehen, haben wir uns entschlossen, die Reifenempfehlung zuguns­ten eines großen Cruiser-Reifentests auf April 2017 zu verschieben.

Foto: Tobi Wassermann
Der defekte Stator wurde als Übeltäter entlarvt und getauscht.
Der defekte Stator wurde als Übeltäter entlarvt und getauscht.

Defekte im Test

Lichtmaschine

Mitten im Dezember 2015 bei Kilometerstand 15.726 wollte die Harley-Davidson XL 1200 CA morgens nicht mehr anspringen und musste mit fremder Hilfe gestartet werden. Anfangs dachte man noch, dass die niedrigen Temperaturen eventuell der Batterie zugesetzt haben könnten. Bei der anschließenden Inspektion wurde aber der defekte Stator als Übeltäter entlarvt und getauscht.

Rücklicht

Eigentlich eine Kleinigkeit. Nach 17.312 Kilometern wurden die good vibrations zu viel für das Rücklicht. Es entledigte sich kurzerhand der roten Abdeckung. Zurück blieb die – nun weiß leuchtende – LED-Leuchteneinheit. Das Abdeckglas ist allerdings nicht als Einzelteil erhältlich. So musste schließlich das komplette Rücklicht der Harley-Davidson XL 1200 CA ausgetauscht werden.

Überbrücken

Zeigte sich der 1.200er schon kurz vor der 16.000er-Inspektion startunwillig, schien dieses Problem mit der neuen Lichtmaschine behoben. Doch in jüngster Zeit will der Milwaukee-Twin erneut nach Frostnächten nur schwer in die Gänge kommen, man hat den Eindruck, die Batterie der Harley-Davidson XL 1200 CA schafft es mit letzter Kraft, den Motor zu starten. Möglicherweise zieht die Alarmanlage zu viel Strom.

Gebrochener Riemenschutz

Und noch ein Bauteil, dem es mit den Vibrationen zu viel wurde. Kurz vor Redaktionsschluss brach die hintere Haltestrebe der Riemenabdeckung. Ein Defekt, der zumindest keinen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt zur Folge hat. Die Harley-Davidson XL 1200 CA rollt somit ihrem zweiten Winter entgegen.

Auspuffanlagen für die Harley im Test

Remus Custom Exhaust

Die Edelstahl-Schalldämpfer von Remus (www.remus-motorrad.de, 1.164 Euro) können schwarz beschichtet oder verchromt geordert werden. Dazu stehen sechs verschiedene Endkappen zur Wahl. Wir entschieden uns für die verchromte Variante mit Slash Cut-Enden. Die Endtöpfe besitzen eine EG-BE und wiegen zusammen 5,3 Kilo (Serie: 6,8 Kilo). Der bassig-voluminöse Sound passt zum kräftigen Drehmoment, das sie der Harley-Davidson XL 1200 CA im mittleren Bereich verleihen. Leichtes Patschen beim Schließen des Gasgriffs.

Miller Silverado

Die Edelstahl-Schalldämpfer von Miller (www.miller-custombike.de) sind poliert oder mit mattschwarzem Finish und mit EG-BE erhältlich. Dazu besteht die Wahl zwischen drei verschiedenen Endstücken. Mit 5,4 Kilogramm sind sie fast so leicht wie die Remus-Endtöpfe. Und sie verhelfen der Harley-Davidson XL 1200 CA ebenso zu einer kräftigeren Mitte, wobei sie zwischen 4.000 und 5.000 Umdrehungen noch mehr Leistung draufpacken. Klingen minimal lauter und lebhafter als die Serie. Etwas stärkeres Auspuff-Patschen.

Screamin’ Eagle

Das offizielle Harley-Davidson-Zubehörprogramm steuert zum Thema Auspuff einen Satz Screamin’ Eagle-Schalldämpfer bei. Mit 740 Euro sind die schreienden Adler die günstigsten der drei Zubehör-Auspuffanlagen. Mit 6,6 Kilo sind sie annähernd gleich schwer wie die Serienteile, klingen bis hin zu niedrigen Drehzahlen ähnlich zurückhaltend, fast noch smoother. Sie verhelfen der Harley-Davidson XL 1200 CA nur zu einem dezenten Leistungsvorteil ab 4.000/min.

Fahrermeinung

Jens Möller-Töllner, Testredakteur

Die Harley-Davidson XL 1200 CA hat bei mir Spuren hinterlassen. Gute und schlechte. Da sind diese Momente, in denen die XL dich lässig durchs Land trägt. Und da ist die andere Seite, die immer mehr und stärker hervortritt, wenn der Alltag die Sportster schlichtes Motorrad sein lässt. Dann stören rappeliger Motorlauf, unterdämpfte Federelemente und der miese Nassgrip. Bei Regen rollst du wie auf rohen Eiern ums Eck. Vielleicht wird’s mit mehr Sonne wieder besser?

Thomas Schmieder, Testredakteur

Chic ist sie ja, die coole Harley-Davidson XL 1200 CA mit dem Zweifarblack im Dragster-Look, auch wenn ihre Power kaum für den Dragstrip reicht. Ihr V2 mit den vier Nockenwellen pröttelt im Leerlauf nett. Nicht up to date sind die schwache Performance der mau dosierbaren Einzelscheibe vorn und das plump regelnde ABS. Eine Frechheit sind die serienmäßigen Federelemente – die lasche Gabel ist schon im Stadtverkehr überfordert. Am besten kann die Sportster also posen.

Harald Humke, Geschäftsführender Redakteur

Der Motor erinnert an einen Lanz Bulldog. Vor allem kalt und im Teillastbereich. In der Stadt wäre mit dem Drehmoment eigentlich untertouriges Fahren möglich. Das Schieberuckeln ist aber so heftig, dass ich immer wieder zurückschalten will. Zum Glück helfen Metzeler-Bereifung und Öhlins-Federbeine dem Fahrverhalten auf die Sprünge. Jetzt hat die Harley-Davidson XL 1200 CA richtig Schräglagenfreiheit und lässt sich fast wie ein „richtiges“ Motorrad bewegen.

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