Dauertest-Zwischenbilanz MV Agusta Turismo Veloce 800.

Dauertest-Zwischenbilanz MV Agusta Turismo Veloce 800 Knapp 25.000 Kilometer sind geschafft

Sie läuft! Nicht immer, aber meistens. Und wenn, dann spult sie fleißig Kilometer ab. Damit belegt die MV Agusta Turismo Veloce 800, dass eine hübsche Italienerin dem Nutzwert nicht verschlossen sein muss. Viel zu berichten aus dem harten Dauertest-Dasein gibt es trotzdem. Mechanisch halbwegs fit verursachen Elektronik-Fips, Lieferschwierigkeiten und viele Kleinigkeiten beachtliche Standzeiten. Licht und Schatten im TV-Programm!

Pünktlich zum Alpen-Masters 2015 liefert MV Agusta eine knackfrische Turismo Veloce 800 in Avio- Grau direkt zum Testcamp in den Dolomiten. An und für sich keine große Sache. Allerdings ist dieses Motorrad dazu bestimmt, nach dem Alpen-Masters nahtlos im Langzeitfuhrpark weiterzulaufen. Insofern dann doch eine ziemlich große Sache, denn MV Agusta und MOTORRAD-Dauertest, da gibt es eine Vorgeschichte. Der bislang einzige Versuch einer Vareserin über die 50.000 Kilometer endete 2005 frühzeitig und abrupt, als ein Pleuel der F4 1000 bei zügiger Autobahnfahrt eine große neue Entlüftungsöffnung ins Kurbelgehäuse schlug – kapitaler Motorschaden nach gerade einmal 12.000 Kilometern. Futter für alle Zweifler und Grund genug für die Edelschmiede, keine Dauertest-Maschinen mehr zur Verfügung zu stellen. Nach langen Jahren des Wartens im Frühjahr 2015 dann endlich grünes Licht – die MV Agusta Turismo Veloce 800, intern gern TV genannt, kommt und darf auch bleiben. Große Freude, denn natürlich brennt auch uns in der Redaktion die eine, die entscheidende Frage auf den Nägeln: „Hält das?“

Dass die Vareser Sportfeilen fein gemacht sind, wunderschön, und in den richtigen Händen pfeilschnell, steht im Allgemeinen außer Frage. Wie aber steht es um deren Zuverlässigkeit, wie um die Standfestigkeit? Der F4-Dauertest und gruselige Stammtischgeschichten, wie sie wohl jeder kennt, lassen wenig Gutes erhoffen. Einzelfälle bloß und neidische Folklore oder die teure Realität? Die MV Agusta Turismo Veloce 800 tritt an, eben dies zu beantworten. Und sie ist, auch wenn von ihr bislang nur vergleichsweise überschaubare 150 Exemplare verkauft wurden, das ideale Versuchsobjekt. Denn der Dreizylinder ist das Massenmodell bei MV, und im tourensportlichen Trimm sollte die Maschine die 50.000 Kilometer im überschaubaren Zeitrahmen hinter sich bringen.

Anzeige

Erster echter Versuch von MV im Tourensportsegment

Überhaupt ist die MV Agusta Turismo Veloce 800, das noch vorweg, ein höchst interessantes, für fahraktive Touristen möglicherweise äußerst attraktives Konzept. Denn mit gerade einmal 223 Kilogramm (Messwert, mit vollem Tank) geriet der aufrechte Tourensportler luftig leicht, und der bemerkenswert durchzugsstarke Drilling passt hervorragend zum quirligen Charakter des Italo-Crossovers.

Zudem ist die MV Agusta Turismo Veloce 800 nach einer mutigen Modelloffensive in den letzten Jahren der erste echte Versuch MVs, im Tourensportsegment Fuß zu fassen, ihr Verkaufserfolg und ihr Abschneiden im Dauertest insofern doppelt interessant. Schade allerdings, dass MV Agusta im Frühjahr aus finanziellen Gründen einen Vergleichsantrag stellen musste. Das Verfahren zieht sich hin, wie es ausgeht, kann derzeit niemand mit Gewissheit sagen. Doch das tut unserer Lust am Dauertest keinen Abbruch. Denn dass es weitergeht, in welcher Form auch immer, steht angesichts der enormen Strahlkraft der Marke, ihrer ruhmreichen Historie, außer Frage.

Wie lief die MV Agusta Turismo Veloce 800?

Also Butter bei die Fische: Wie lief die MV Agusta Turismo Veloce 800? Anfangs recht ordentlich, wenn auch nicht ohne kleinere Macken. Auf den ersten 10.000 Kilometern brach lediglich der Halter des Federvorspannungs-Handrads, ein zwar ärgerlicher, aber keinesfalls weltbewegender Defekt. Nichts, was eine simple Schweißnaht nicht richten könnte.

Bis dahin finden sich Lob und Tadel zugleich in den Fahrtenbüchern. Lob erhält die MV Agusta Turismo Veloce 800 ob ihrer Agilität, ihrer unbedingten, für einen Tourenflitzer bestechenden Leichtfüßigkeit. Kaum ein anderes Motorrad mit Platz für zwei und Koffer fährt so verspielt. Ebenfalls positiv werden kräftige Bremsen und der herrlich fauchende Dreizylinder verbucht, auch wenn Letzterer immer ein bisschen unwirsch nachschiebt. Unter den MV-Motoren gehört der 800er in der hier verbauten 110-PS-Variante sicher zu den gesittetsten, unter den Mittelklasse-Tourenmotoren dieser Welt allerdings sicher zu den wilden, ungehobelten.

Agil oder kippelig?

Das viel zu weich gefederte Heck und der besonders auf abgefahrenen Reifen zunehmend schlechtere Geradeauslauf bei hoher Geschwindigkeit sorgten dagegen weniger für Freude. Fans finden die MV Agusta Turismo Veloce 800 agil, Kritiker, und die scheinen in der Mehrzahl zu sein, finden sie dagegen kippelig.

Kleineren Fahrern taugte die aufrechte Ergonomie der MV Agusta Turismo Veloce 800 in der Regel, größere Piloten monieren den unangenehmen Knieschluss am Tank und eher überschaubaren Windschutz. Alle stören sich am unsäglichen Digitalcockpit, das mit seiner winzigen Anzeige im Dunkeln nur mit Adleraugen, bei Sonneneinstrahlung dann fast gar nicht mehr ablesbar ist. „Eines der übelsten Cockpits, das ich kenne“ vermerkt Tester Bildl mit Recht, schlicht „grauenvoll“ Reiseonkel Biebricher.

Erster Werkstattbesuch

Ab etwa 7.000 Kilometern dann häufen sich Einträge über eine zunehmend laut rasselnde, rupfende und unter Volllast durchrutschende Kupplung, zeitgleich taucht im Cockpit immer wieder die Warnmeldung „check clutch switch“ auf – Zeit für einen Werkstattbesuch. Hier wird auf Garantie zunächst nur der Kupplungssensor getauscht sowie die hinteren Blinker. Das Kabel des linken Blinkers hatte sich an der Schwinge der MV Agusta Turismo Veloce 800 durchgescheuert, der rechte liegt voll im Abgasstrom des Auspuffs und war daher milchig und undicht geworden. Zudem hatte sich die oberste der drei schicken Auspufftröten verabschiedet. Der Austausch des Kupplungssensors behob immerhin die eigenartige Angewohnheit der Italienerin, ab und an, ohne Zutun des Fahrers, beim Ziehen der Kupplung zu starten. Aber Moment mal, blitzt da etwa ein nagelneuer Kühler hinter der Verkleidung hervor? Den scheint der MV-Techniker bei diesem Service doch tatsächlich vorsorglich ausgetauscht zu haben, eine schlüssige Erklärung hierfür fanden wir nicht. Selbstverständlich ist der Motorblock wie üblich vollständig verplombt und absolut manipulationssicher.

Derart aufgefrischt sollte die MV Agusta Turismo Veloce 800 jedenfalls die Herbstausfahrt der Dauertester bereichern, doch dort traten schon die nächsten Unpässlichkeiten auf. Das Cockpit meldete ein Überhitzen des Kühlwassers, die Maschine ließ sich nur noch durch Anschieben in Gang setzen. Elektronik- bzw. Sensordefekt, oder befand sich noch Luft im Kühlkreislauf? Die Kühlwassertemperatur lag nachweislich im grünen Bereich. Beim nachfolgenden Werkstattbesuch wurde eine defekte Batterie diagnostiziert, nach deren Austausch war in Sachen Kühltemperatur bzw. deren Anzeige schließlich und bis heute alles gut. Ebenfalls getauscht wurde in diesem Aufwasch die Kupplung, was jedoch nur minimale Verbesserung bewirkte. Erst als Werkstattmeister Gerry nachträglich auch die Distanzscheiben der Kupplung erneuert, bessert sich das Rupfen spürbar. Nicht jedoch die knochenharte Schaltbarkeit des Getriebes (Mini Koch: „Kauft MV bei BMW ein?“) und die zunehmend schwierige, aktuell beinahe unmögliche Leerlaufsuche. Apropos Getriebe: Der Schaltautomat arbeitete zwischenzeitlich nur noch von den ungeraden Gängen nach oben, der Blipper gar nicht mehr. Auch ein eher eigenartiger Defekt, der zuletzt allerdings wie von Geisterhand verschwand.

Nächste unangenehme Überraschung

Zur 15.000er-Inspektion im April dieses Jahres dann die nächste unangenehme Überraschung: Es ist kein originaler Ölfilter lieferbar. Gut, wenn die Serviceintervalle so kundenfreundlich lang gesteckt sind, schlecht, wenn es an derart elementaren Dingen scheitert. Nach einiger Standzeit beschließen wir mit Zahnschmerzen, vorläufig nur das Schmiermittel zu wechseln und verwenden statt eines Nachbauteils zweifelhafter Qualität weiter den gebrauchten Originalfilter. So konnte die MV Agusta Turismo Veloce 800 immerhin weiter Kilometer sammeln.

Schließlich entschied sich bei Kilometer 18.411 die Spitze des Zündschlüssels dazu, im Zündschloss ihren vorzeitigen Ruhestand anzutreten, nachdem schon einige Fahrtenbucheinträge dessen schwergängige Funktion, auch im Kofferschloss, monierten. Nachlässige Bedienung? Nicht auszuschließen, wenn auch die extrem dünne Ausführung des Schlüssels (siehe Foto in der Bildergalerie) den Verursacher nach Indizien der Schuld eher entlastet. Wieder keine große Sache, aber das gebeutelte Werk konnte lange Wochen keinen Austausch-Schlüsselsatz liefern. Extrem ärgerlich und daher Anlass für einen nachdrücklichen Warnhinweis an alle TV-Fahrer: Gebt gut auf eure Schlüssel acht!
 Der Tausch des Schlüsselsatzes schließlich bedingte in der Folge den Wechsel des Dashboards. Hier sitzt das elektronische Gehirn der MV Agusta Turismo Veloce 800, und das ließ sich trotz mehrmaliger Versuche nach Werkstatthandbuch nicht auf den neuen Schlüssel anlernen, verlangte bei jedem Fahrtantritt die umständliche Eingabe eines PINs. Mit neuem Dashboard und Nachtrag des aktuellen Kilometerstandes ist derzeit jedenfalls wieder alles im Lot.

Ganz schön viel Schatten, nicht unbedingt viel Licht? Geht man hart, aber fair mit der MV Agusta Turismo Veloce 800 ins Gericht, muss so das Fazit der Zwischenbilanz lauten. Zu ihrer Entlastung sei allerdings vermerkt, dass die Technik an sich passabel funktioniert, viel Standzeit eher der problematischen Situation des Herstellers und damit verbundenen Lieferschwierigkeiten geschuldet ist. Immerhin, MV zeigt sich extrem kulant, tauschte praktisch alle defekten Teile auf Garantie.

 

Wohlgemerkt ist dem Service die Prominenz dieser MV Agusta Turismo Veloce 800 bekannt. Betrachten wir es positiv und drehen die Sache rum: Sie läuft! Mit derzeit rund 28.000 Kilometern dürfte unser MV-Dauertester schon wesentlich mehr auf der Uhr haben als viele privat gehegte Schätzchen. Die aufgetretenen Probleme sind zahlreich und nervig, aber den großen Knall hat sie sich, uns und allen Fans der Marke erspart. Mechanisch gibt es außer dem Getriebe nichts zu beanstanden. Sie läuft, und wir wünschen uns von Herzen, dass sie noch lange weiter läuft.

Reifenempfehlungen für die MV Agusta Turismo Veloce 800

Bridgestone S21

Wer es sportlicher mag, kann den S21 in die engere Auswahl ziehen. Bei kühleren Temperaturen spricht er nicht ganz so schnell an wie Pirelli und Michelin. Auf Temperatur gebracht, liefert er eine top Rückmeldung bei satter Haftung. Bei maximalen Schräglagen ist die Kurvenstabilität besser als bei der Serienbereifung. Gute Rückmeldung bei sportlicher Fahrweise. Der Geradeauslauf ist nicht optimal, was aber auf die agile Geometrie der MV Agusta Turismo Veloce 800 zurückzuführen ist. Schlechteste Nasshaftung dieser Reifenpaarungen.

Michelin Road 4

Der Tourensportreifen überzeugt nach wie vor überwiegend bei durchwachsenen Bedingungen, besonders mit guter Regenperformance. Allerdings fährt er über Bodenwellen und Fahrbahnkanten nicht so geschmeidig wie der Scorpion Trail 2. Die Geradeauslaufstabilität ist noch etwas schlechter als mit der Serienbereifung und dem Scorpion Trail 2, leichte Unruhen fangen etwas früher an. Die Haftung ist mehr als ausreichend, der Verschleiß gering. Etwas stumpfer bei der Rückmeldung. Leichtes Aufstellmoment.

Pirelli Scorpion Trail

Die Serienbereifung unterstreicht das sehr handliche, fast kippelig wirkende Fahrverhalten der MV Agusta Turismo Veloce 800. Sehr handlich und agil lenkt die MV mit dieser Bereifung ein und verhält sich dann rundum neutral. Nur ein leichtes Aufstellmoment in Schräglage ist spürbar. Leichte Unruhen können durch Anregung bei Höchstgeschwindigkeit auftreten, der Geradeauslauf ist etwas nervös. Gute Haftung bis in tiefe Schräglagen. Auch bei nassen Bedingungen liefert der Scorpion Trail genügend Haftung. Höherer Verschleiß.

Pirelli Scorpion Trail 2

Gegenüber dem Vorgänger fährt der Trail 2 noch einen Hauch handlicher und bleibt dennoch in Schräglage sehr neutral. Auch hier ist der Geradeauslauf nicht optimal, bei Höchstgeschwindigkeit tritt leichte Unruhe auf. Hauptvorteil vom Trail 2 ist aber der deutlich geringere Verschleiß, auch wegen der neuen Profilgestaltung. Zudem liefert er bei Nässe nochmals mehr Haftung. Die Rückmeldung ist sehr gut und über Bodenwellen überzeugt er mit guter Eigendämpfung. Leichtes Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage.

Defekte im Test

Zündschlüssel abgebrochen

Ein kleiner Defekt mit großen Auswirkungen. Die Spitze blieb im Schloss stecken, sie dort herauszubekommen ist nahezu unmöglich. Ein Austauschsatz war lange nicht lieferbar, dessen Einbau wiederum erforderte den Austausch des Dashboards, da das alte Gehirn nicht auf den neuen Schlüssel angelernt werden konnte, daher bei jeder Fahrt einen PIN einforderte. Die genaue Betrachtung zeigt: der Bart des Schlüssels ist eine regelrechte Sollbruchstelle. Vorsicht!

Blinker angeschmort

Auch keine große Sache, aber ärgerlich, weil unsinnig konstruiert. Der hintere rechte Blinker, am niedrig angebrachten Kennzeichenhalter fixiert, liegt voll im Abgasstrom. Er wird heiß, infolgedessen milchig und undicht, dann ist ein Austausch fällig. Das ist nicht wirklich zu Ende gedacht, liebe MV-Ingenieure!

Blinkerkabel angescheuert

Nur an unserem Testmotorrad schlampig verlegt? Ein aussetzender Blinker hinten links ließ uns auf Fehlersuche gehen, fündig wurden wir beim Kabel. Es ist zu lang, scheuert deshalb an der Schwinge und wäre bald durchgerubbelt. Wurde zusammen mit dem rechten Blinker komplett getauscht und sauber verlegt.

Halter Federvorspannung abgebrochen

Die erste von vielen kleinen und einigen großen Unpässlichkeiten. Dieses Blech hält das Handrad der Federvorspannung, es brach bei Kilometer 5.117. Ein fixer Schweißpunkt und späterer Austausch behoben das Problemchen.

Anzeige Kühlwassertemperatur

Bei der Herbstausfahrt mit allen Dauertestern wurde die MV Agusta Turismo Veloce 800 zum Sorgenkind. Der Kühlwassersensor meldete fälschlicherweise eine Überhitzung, was ein Fremdstarten erforderte. Vermutlich war eine defekte Batterie die Ursache.

Auspuffhülse fehlt

Ob sich die MV Agusta Turismo Veloce 800 zur Superleicht-Version entblättern wollte? Irgendwo bei Leonberg ging die obere Auspuffblende verloren. Kosmetik nur, sollte trotzdem nicht vorkommen.

Kupplung

Steter Quell des Unmuts war die Kupplung der MV Agusta Turismo Veloce 800. Der Korb begann schon nach wenigen Wochen laut zu rasseln, sie rückte mit zunehmendem Rupfen ein, rutschte zudem beim sportlichen Start durch. Der Austausch von Reibscheiben und Korb in der Werkstatt brachte kaum Besserung. Diese trat erst mit Ersatz der leicht verzogenen Unterlegscheiben durch MOTORRAD ein.

Fahrermeinungen

Harald Humke (Geschäftsführender Redakteur): „Spaß, aber Unzulänglichkeiten“

Die MV Agusta Turismo Veloce 800 ist ja schon eine imposante Erscheinung und macht neugierig. Tatsächlich wird der erste Eindruck nicht enttäuscht. Motor, Klang, Fahrwerk und Bremsen machen richtig Spaß. Der Dreizylinder geht gut und klingt herrlich. Im Alltag stören aber viele kleine Unzulänglichkeiten. Das knochige Getriebe behindert die Suche nach dem Leerlauf, der Schaltautomat funktioniert nicht einwandfrei. Der hohe Schwerpunkt verlangt einen guten Gleichgewichtssinn im Stadtverkehr, das Display nach zu viel Konzentration bei der Suche nach der richtigen Angabe. Die Sitzmulde ist so kurz, dass sich die Sitzposition kaum verändern lässt. Es fehlt an Platz zwischen Lenker, Tank und Sitzbankende.

Jens Möller-Töllner (Testredakteur): „Mögen auf den zweiten Blick“

Die MV Agusta Turismo Veloce 800 ist kein Tourer. Sie sieht nur wie einer aus. Vielmehr steckt in ihr eine verkappte Supermoto mit Windschutz. Eng liegt der breite Lenker am Fahrer, und fast schon überhandlich wischt sie ums Eck. Das animiert beinahe dazu, den Fuß rausstrecken. Als Hobby-Quertreiber mag ich diese Verspieltheit. Was ich weniger mag, sind die Nervosität bei hohem Tempo oder der leidlich funktionierende Schaltautomat. Da dürfte MV bei der Turismo Veloce 800 gern noch ein wenig nachbessern, denn eine reinrassige Supermoto habe ich schon in der Garage stehen. Auch in puncto Zuverlässigkeit scheint die TV noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Stefan Kaschel (Ressortleiter Aktuelles): „MV und Touring – keine gute Idee “

Allen, die mit dem Kauf einer MV Agusta Turismo Veloce 800 liebäugeln, empfehle ich einen Blick in den MOTORRAD-Katalog. BMW R 1200 GS, Basis-Preis 14.500 Euro. Die Turismo Veloce mit ihrem 800er Triple kostet 14.990 Euro, als besser ausgestattete „Lusso“ 16.890 Euro. Dafür gibt es auch eine GS im üblichen Ornat. Noch Fragen? Vermutlich ja. Nämlich, wie man einem Reisemotorrad diese unwürdige Sitzposition mitgeben kann. Und diesen wankelmütigen Geradeauslauf? Und ein Cockpit, was zwar schön bunt ist, aber auch dermaßen überfrachtet, dass man einmal rund um die Welt fahren muss, um es zu verstehen. Nein, MV Agusta, Touring ist nicht euer Thema. Das können andere viel besser.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote