BMW R 1200 GS Eindrücke vom Nicht-Tester Und sie kann doch nicht alles!

Den Dauertester BMW R 1200 GS hatte MOTORRAD-Onliner Manuel Fuchs dem Fuhrpark-Capo Rainer Froberg für ein Wochenende abgeschwatzt: 1500 km von Stuttgart über Leutkirch, Garmisch, Fernpass, Timmelsjoch nach Truden, einmal die große Sellarunde und wieder zurück. Hier eine Auswahl seiner Fahrtenbucheinträge.

Foto: Fuchs

BMW R 1200 GS - der erste Kontakt

Okay, die BMW R 1200 GS. Das wahrscheinlich beste Motorrad der 1000-Punkte-Welt. Die Welt, in der ich der beste Motorradfahrer bin, muss allerdings noch erfunden werden. Hoffentlich akzeptiert mich die BMW.

Die Fahrer-Sitzposition ist mit fünf Handgriffen (aufschließen, Sitzpolster runternehmen, vordere Aufnahme umdrehen, hintere Aufnahme umdrehen, Sitzpolster draufstecken) in der Höhe reduziert. Gut. Danke für den Tipp, Karsten. Denn wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden (Lukas 14, Vers 11).

Hoch ist sie trotzdem, die BMW R 1200 GS. Menschen mit Jeansgröße 38/32 müssen sich überlegen, wo sie den linken Fuß hinstellen, und gut peilen, damit das rechte Bein sauber in Position schwingt.

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Das gilt insbesondere, wenn Tankrucksack (erschwert das Peilen) und Koffer (erschweren das Schwingen) montiert sind. Kann man dem ESA der BMW R 1200 GS nicht so eine Art „Easy Entry“-Funktion beibringen? Also die Federbasis auf Knopfdruck komplett runternehmen, um das Aufsteigen zu erleichtern. Oder hat es das sogar, und ich hätte einfach nur die Anleitung lesen müssen?

Apropos Anleitung: Das Setup im Bordcomputer der BMW R 1200 GS bleibt sicherheitshalber unberührt. Das Stellrad am linken Lenker auch, außer öfter mal versehentlich. Mir fehlt nix.

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Das Navigationssystem der BMW R 1200 GS

Das Navi der BMW R 1200 GS scheint auf LKW-Betrieb programmiert zu sein, schickt mich immer mal auf Blockumfahrung, bevor ich abbiegen darf. Zum Glück hör ich nicht drauf. Außerdem empfiehlt es mir in Corvara in Badia zwei Agip-Tankstellen, die es nicht (mehr) gibt. Das dürfte mit einem Kartenupdate zu beheben sein.

Kritisch wird’s an einem Kreisverkehr, als Navi, Tankrucksackkarte, Beschilderung und Fahrer einer Meinung sind („Links!“), die Sozia einer anderen („Geradeaus!“). So viele Anzeichen, dass man nach links fahren sollte, machen misstrauisch. Ein Hinterhalt vielleicht? Lieber nach rechts abbiegen.

Ach ja: Fährt man schneller, als man soll, verlegt das Navi – wohl aus pädagogischen Gründen – die Ankunftszeit auf später. Dafür nimmt es auf Pässen Reisegeschwindigkeiten an, die selbst mit der BMW R 1200 GS nicht einmal im Vollkamikazemodus erreichbar sind. Also „Ankunftszeit“ im Display gegen „Höhenmeter“ tauschen, schon hat man wieder eine sinnvolle Information im Blick.

Die BMW R 1200 GS kann ganz schön viel.

Der Motor: herrlich. Kann alles, was ich will, und bestimmt noch viel mehr. Außerdem klingt er beinahe prima. Das Regenmapping: spürbar sanfter. Erste Wahl, wenn man nicht auf Attacke fahren will, also genau mein Ding. Sogar ohne Regen auf Passfahrten mit vielen Spitzkehren schön. Mehr Leistung, als die BMW R 1200 GS bietet, brauch ich nicht. Mehr Drehzahlreserve nach unten auch nicht. ("Die Kehre einen Gang zu hoch angegangen? Egal ...")

Video: BMW R 1200 GS im Vergleichstest.

Und sie kann doch nicht alles!

Schön, dass BMW im Getriebe der R 1200 GS das beliebte Leerlauf-Suchspiel implementiert hat. Wird nie langweilig.

Höhenverstellbare Scheibe – super. Aber per Drehknauf? Wirklich? Wär ein Stellmotor so viel teurer oder schwerer oder aufwendiger oder sonstwas? Egal, tiefe Stellung passt mir gut.

Koffer sind bei jedem Motorrad von außen immer zu groß und von innen immer zu klein. Ein hoch verlegter Auspuff und die deshalb nötige Aussparung am Koffer verschärfen das nur. Die Teleskopmechanik der BMW R 1200 GS-Koffer verschiebt das Problem auf "innen nicht mehr ganz so klein, dafür außen noch größer". Immerhin.

Beobachtung am Sonntag: Der Bordcomputer der BMW R 1200 GS sagt einem sogar, wenn’s zu heiß ist zum Motorradfahren. 36,5 °C im Bordcomputer geben Gewissheit: Es liegt nicht nur an mir, dass ich so schwitze. Super Feature!

Man erfährt es auch schriftlich, wenn man auf 50 Kilometern 12 Grad Temperatursturz erlebt hat (28. Juli 2013 zwischen Kißlegg und Bad Buchau). Seitliche Sturmböen deuten auch ohne Computer sehr mieses Wetter an.

Zum Armageddon in Reutlingen kommen die BMW R 1200 GS und ich glücklicherweise eine halbe Stunde zu spät. Viele kaputte Windschutzscheiben und fast vollkommen entlaubte Ahorn-Alleen sehen ungemütlich aus. Nasses Laub soll ja unglaublich rutschig sein – selten war ich so froh über ABS und ASR.

Herr Oberfuhrparkleiter Froberg: BMW R 1200 GS unbeschädigt und mit herzlichem Dank zurück. War super. Nehm ich gern wieder. Aber ich glaube, sie hat sich mit mir ein bisschen gelangweilt.

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