Ducati reagiert auf gelöste Bremsscheibenschrauben an der Dauertest-Panigale 1199 Schrauben locker

Bei der MOTORRAD-Dauertestmaschine Ducati 1199 Panigale waren nach etwa 30.000 km alle vier Schrauben der hinteren Bremsscheibe herausgefallen, obwohl diese offensichtlich mit Schraubensicherung korrekt montiert worden waren.

Foto: Hertler

In Bologna schrillten die Alarmglocken, das Motorrad wurde umgehend im Werk untersucht. Parallel klopfte Ducati über 80.000 Garantieanträge weltweit darauf ab, ob solche Schäden vermeldet wurden. Bislang fanden sich jedoch nur vereinzelte Hinweise.

Zeitgleich startete MOTORRAD einen Leseraufruf. Es meldeten sich vier Leser, an deren Maschinen sich ebenfalls hinten Schrauben gelöst hatten. In all diesen Fällen hatte sich die Scheibe – anders als an der Dauertestmaschine – nicht völlig gelöst. Die lockeren Schrauben wurden rechtzeitig entdeckt, weil sie an der Schwinge, dem Seegerring und dem Exzenter schliffen, also für Geräusche und Schäden sorgten, bevor sie sich ganz herausdrehen konnten.

Laut Ducati ist dieses Bauteil in den Superbike-Baureihen verbaut, also 1098, 1198 und Panigale, ebenso in den Modellreihen Multistrada, Diavel und Streetfighter. Von diesen Einarmschwingen-Modellen mit der großen Exzenter-Spindel wurden weltweit bislang etwa 132.000 Einheiten produziert. In Deutschland sind rund 16.000 Fahrzeuge unterwegs.

So gesehen ist die Fallzahl von fünf Maschinen hierzulande zunächst einmal gering. Trotzdem ist der Schaden ungewöhnlich und sicherheitsrelevant, daher nimmt Ducati dieses Thema sehr ernst und reiste mit einer vierköpfigen Delegation aus Bologna zu einem Redaktionsgespräch an.

Im Ergebnis konnte Ducati totz intensiver Untersuchung keine Erklärung dafür finden, weshalb sich die Schrauben in weltweit bislang weniger als zehn Fällen von selbst lösen konnten. Ausgeschlossen wird ein Konstruktions- oder Fertigungsfehler.

Trotzdem werden die Inspektionsvorgaben in diesem Punkt geändert. Bisher stand eine Sichtprüfung im Rahmen der Jahresinspektion oder alle 12.000/15.000 Kilometer an. In Zukunft soll eine Drehmomentprüfung durchgeführt werden. Falls Schrauben sich unter aufgebrachten 30 Nm drehen lassen, müssen sie neu eingeklebt werden.

In jedem Fall muss der Endantrieb zerlegt werden, was jede zweite Inspektion 20 Euro teurer macht. Im Gegenzug könnte manche Jahresinspektion günstiger werden.

Anzeige

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel