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Indian Chief Vintage im 50.000-km-Dauertest Erste Notizen nach 1000 Kilometern

Lang, lang ist’s her, dass ein richtiger Schwergewichts­-Cruiser den MOTORRAD-Fuhrpark beehrte. Mit der ­Indian Chief Vintage ist ab jetzt wieder ein echtes American Heavyweight im 50.000 Kilometer Dauertest.

Wie sie schon dasteht, die Indian Chief Vintage. Nein, wie er schon ­dasteht, der Chief. Vintage Red-Lackierung, die zu rufen scheint: „Schaut her, im letzten Leben war ich ein Feuerwehrtruck!“ Meilenweit Chrom, der selbst in der trüben, neonbeleuchteten Fuhrparkecke für strahlendes Funkeln sorgt. Dann dieser ausladende Sattel und die Satteltaschen – echtes Leder, genannt Desert Tan. Natürlich auch die obligatorischen Fransen. Weißwandreifen. Die fetten Fender, und der beleuchtete Indianerkopf auf dem Vorderen, der sagt: „Da geht’s lang, Richtung Horizont, in den Sonnenuntergang.“ Dann dieses Monument von einem Motor mit dem göttlichen Namen Thunderstroke. Eine Ode an den luftgekühlten Verbrenner. „111“ prangt da stolz auf dem Luftfilter­deckel, gemeint sind Cubic Inches. Für die Alte Welt: über 1800 unserer metrischen Kubikzentimeter, verteilt auf zwei Brennräume im 49-Grad-Vau. Dicke 101 Millimeter Bohrung und feiste 113 Millimeter Hub. ­Zylinder wie Bierfässer. Untenliegende Nockenwellen, Stoßstangen in kinderarm­dicken, verchromten Hülsen. Ein Windschild wie ein Panoramafenster und genug Scheinwerfer für drei Motorräder. 1,73 Meter Radstand, fast sieben Meter Wendekreis und 390 Kilo. Hell yeah, America!

Ja, dieses rote Cruiser-Trumm beschwört sie herauf, die amerikanischen Momente. Und von denen wird es zukünftig hoffentlich viele für die Redaktionsmitglieder geben, denn zum Parken ist er bestimmt nicht zu uns gekommen, der Indian Vintage Chief. Dafür fährt er zu gut, wie schon den Fahrberichten zu entnehmen war. Von „souveränem Kurvensegeln“ war dort die Rede, „wunderbarer Balance“ und „Erste-Sahne-Bremsen“. Dass der mächtige V2 mit satter Elastizität glänzt, versteht sich fast von selbst.

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Indian Chief Vintage technisch auf der Höhe der Zeit

Überhaupt sollte sich niemand von der rückwärtsgewandten Optik der Indian Chief Vintage täuschen lassen, denn technisch liegt die Rothaut auf der Höhe der Zeit: Bosch-ABS, Keyless Go, Hydrostößel, Tempomat, CAN-Bus und LED-Technik. Seit der Übernahme der 1901 in Springfield/Massachusetts gegründeten Traditionsmarke Indian durch den ­kanadischen Polaris-Konzern im Jahr 2011 geht es jedenfalls wieder vorwärts.

Herauszufinden, wie die Technik sich auf den nächsten 50.000 Kilometern schlägt und welche Kosten sich zum gepfefferten Kaufpreis (gut 25.000 Euro) für Kraftstoff, Reifen und Verschleißteile sowie Werkstattaufenthalte addieren, das ist der Grund für Big Reds Langzeitvisite.

Was jetzt kommt, ist das übliche Dauertest-Prozedere. Nach der ersten Leistungsmessung, dem Ermitteln der Fahrleistungen sowie einer Druckverlustmessung als Re­ferenz, steht die Indian Chief Vintage geschniegelt und ­gestriegelt bereit, sich im harten Alltags­betrieb, auch im deutschen Winter, zu beweisen.

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"Wow!", "majestätisch", "voll peinlich"

Nach rund 1000 Kilometern zeichnen die ersten Notizen im Fahrtenbuch jedenfalls schon ein vielschichtiges Bild. Polarisierend wirkt sie, die Indian Chief Vintage. Von „Wow!“, über „majestätisch“ bis hin zu „voll peinlich“ erstreckt sich das Gefühlsspek­trum, dass die Rothaut erweckt. In puncto Technik wird neben dem schwergängigen Getriebe ein zähes Starten bei Tempera­turen noch über null moniert. Auch die riesige Windschutzscheibe findet nicht nur Freunde, neben morgendlichen Wischaktionen zur Herstellung freier Sicht werden Spiegelungen und verzerrte Sicht kritisiert. Über unvermeidliche Fransen-Kommentare breiten wir diplomatisch den Mantel des Schweigens.

Was die Scheibe betrifft, so werden in den folgenden Monaten verschiedene ­Alternativen getestet, Gleiches bei den Reifen. Der als Erstausrüstung aufgezogene Dunlop jedenfalls kann bei Nässe kaum überzeugen. Ebenfalls auf der To-do-Liste findet sich eine Gepäckbrücke zur Ergänzung der Satteltaschen, eine Sissy-Bar und die Montage einer anderen Auspuffanlage. Nein, wir wollen nicht auf den Kriegspfad mit der Indian Chief Vintage, aber in der deutschen Serienausführung pafft er doch arg ver­halten aus ­seinen Friedenspfeifen. Zumal diese in Verbindung mit verschärfter Dämmung des Ansauggeräuschs im Vergleich zur amerikanischen Version immerhin 17 Pferde und 24 Newtonmeter Drehmoment kosten. Da gibt es ein wenig Optimierungspotenzial. Also – howdy, Chief! Welcome to Germany und beim MOTORRAD-Dauertest.

Indian-Modelle 2014 im Fahrbericht

Foto:

Messwerte Indian Chief Vintage

Häuptling Donnerkolben steht gut im Saft: Die Dauertest-Indian Chief Vintage drückt bei der Eingangsmessung 3 PS und 6 Nm über Werksangabe. Beeindruckend: der fette Drehmomentbuckel.

Fahrleistung

Messung nach 854 km
Beschleunigung     
0–100 km/h5,8 sek
0–140 km/h12,6 sek
Durchzug
60–100 km/h6,8 sek
100–140 km/h9,7 sek

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