Nachtrag zum Dauertest der BMW R 1200 R Widerspruch in sich

Die BMW R 1200 R hatte den 50.000-Kilometer-Dauertest mit Bravour bewältigt und sich an die Spitze der Dauertest-Statistik gesetzt. Allerdings gab es einen Punkt, der zu Irritationen führte: Laut BMW-Maßvorgabe hatten die Kolben ihre Verschleißgrenze erreicht.

Niedrige Betriebskosten, hohe Zuverlässigkeit und ein guter Verschleißzustand des Motors beim Zerlegen führten bei der BMW R 1200 Rzu sehr guten 86 Punkten in der MOTORRAD-Wertung. Allerdings gab es einen Punkt, der zu Irritationen führte: Laut BMW-Maßvorgabe hatten die Kolben ihre Verschleißgrenze erreicht. In Leserbriefen und Boxer-Foren wurde heiß diskutiert, warum MOTORRAD das nicht härter bestrafte. Einzelne sprachen gar ­von einem demnächst bevorstehenden Motorschaden.

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Messwerte und Vorgaben passen nicht zusammen

Erstaunlich wäre der vermeintliche Kolbenverschleiß schon deswegen, weil die Kolben der BMW R 1200 R tadellos aussahen, selbiges galt für die Zylinder. Die dünne Graphit-Beschichtung am Hemd war einwandfrei, kleiner konnten die Kolben also durch Abnutzung nicht geworden sein. Demzufolge war auch das gemessene Kolbenspiel im grünen Bereich. Messwerte und BMW-Vorgaben passen jedoch nicht zusammen. Denn ein verschlissener Kolben würde zwangsläufig ein zu hohes Kolbenspiel ergeben. Oder umgekehrt: Wenn das Kolbenspiel so gering wie hier ist, nämlich 4–5/100 Millimeter, kann es auch kein Verschleiß an Kolben und/oder Zylinder vorliegen.

Andere Hersteller mit ähnlichen Problemen

Nach Erscheinen des Dauertests der BMW R 1200 R konnte BMW den Fehler aufklären: In BMW-Unterlagen fanden sich aus unerfindlichen Gründen zwei unterschiedliche Maße für die Verschleißgrenze des Wasserboxer-Kolbens, nämlich 100,90 und 100,95 mm. MOTORRAD bekam den letzten Wert geliefert, richtig ist jedoch der erste. Diese Verschleißgrenze gilt im Übrigen auch für R 1200 GS und RS, welche baugleiche Kolben und Zylinder besitzen. An der Bewertung ändert sich nichts, denn MOTORRAD hatte beim Verschleiß ja wegen der Widersprüche keine Punkte abgezogen. Auffällig ist, dass in letzter Zeit außer BMW auch andere Hersteller mit den Verschleißmaßen Probleme haben. Beispielsweise konnte Ducati für die Kolben der Dauertest-Panigale zunächst gar keine Verschleißgrenze nennen. Der Hintergrund: Dank hochwertiger Beschichtungen und ausgefeilter Werkstoffe ist Verschleiß an Kolben/Zylinder im Gegensatz zu früher heute kaum noch ein Thema. Ersetzt werden defekte Teile erst im Falle eines echten Schadens, kaum nach Maßvorgabe.

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