Neues aus dem Dauertest-Fuhrpark Zerreiss-Proben

Ernsthaft war in der Redaktion darüber diskutiert worden, wie viele Kilometer der Dauertestnachwuchs Hyosung GT 125 R denn abdienen sollte. Für stramme 50000 plädierten Redakteure, die meist auf ihrer eigenen 1000er unterwegs sind. Kollegen, die häufiger die unterschied-
lichen Testfahrzeuge fahren, votierten für realistische 25000. Und alle, die den 125er-Zweizylinder schon einmal bewegt hatten, machten sich für 15000 stark.
Es wurden schließlich nur 3827. »Ab U3 (das untere Parkdeck der Redaktions-Tiefgarage) im roten Bereich«, bemerkte Testredakteur Peter Mayer im Scherz, um im nächsten Satz zu versichern, dass er selbstverständlich den 14-PS-V2 jederzeit ordnungsgemäß warm fahre. Trotzdem wussten alle, was gemeint ist: Ohne fünfstellige Drehzahlen kommt die GT 125 R nur mühsam aus dem Quark. Ihr Ende ereilte sie unter Grafiker Stefan Weber auf der Heimfahrt. »Den Buckel runter lief sie sonst 120 km/h, dieses Mal wurde sie immer langsamer. Unten habe ich angehalten, und sie ging aus.« Spätere Diagnose: Pleuellagerschaden, eine Ölbohrung verstopft. Warum, wieso? Ob die verstopfte Bohrung zum Schaden führte oder die Bohrung durch den Materialabrieb verstopft wurde, wird sich wohl nicht mehr klären lassen.
Mehr Freude verbreitet der zweite Hubraumzwerg im Fuhrpark: Was tun, wenn Mutter den einzigen Pkw in der Familie unter Beschlag genommen hat und Vater dringend Sohnemanns neuen Modellflieger im Modellbauladen abholen muss? »Mit dem Motorrad geht’s jedenfalls nicht«, meinte Redakteur Norbert Kappes, der das fast ein Meter lange Paket vor Augen hatte. Klarer Fall für die Vespa GTS 250, die praktischerweise vorn einen klappbaren Gepäckträger vorweisen kann. Geradezu prädestiniert für die Aufgabe, weil das sperrige Teil während der Fahrt kontrolliert werden konnte.
Apropos Kontrolle: Bei der GTS 250 hat man alles mit links im Griff. Genauer: mit der linken Hand. Und das auf für Motorradfahrer ungewöhnliche Weise. Denn über den linken Bremshebel des Automatikrollers wird sowohl die Vorderrad- als auch die Hinterradbremse aktiviert. Ohne viel Handkraft, weil ein Bremskraftverstärker tüchtig mithilft. Zudem ist die 22 PS starke Vespa mit ABS ausgestattet. Der Blockierverhinderer kümmert sich allerdings nur ums Vorderrad. Der hintere Gummi malt deshalb bei einer Vollbremsung noch immer schwarze Striche auf den Asphalt. Also Obacht! Nicht nur Modellflugzeuge sind absturzgefährdet.
Und noch ein kurzer Abriss über das Befinden der Buell XB12S: Laut Hersteller soll der wartungsfreie Zahnriemen erst nach 40000 Kilometern ausgetauscht werden. Doch bereits nach 18000 Kilometern riss der erste. Der zweite hielt kaum länger. Er verabschiedete sich bei 38581 Kilometern ohne Vorwarnung. Anzeichen für eine Beschädigung gab es keine. Beim fälligen Austausch wurde auch gleich die rubbelnde Bremsscheibe samt Belägen erneuert. Nun sollte die Buell fit für den Endspurt sein. sek, nk, abi

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