Harley-Davidson 1200 CA im Kompakttest

Test Kompakt - Fehlersuche bei der Triumph Thruxton R, Yamaha YZF-R1 und Harley-Davidson XL 1200 CATest Kompakt - Fehlersuche Von Defekt-Teufeln und Fehlersuchen

Defekte und Auffälligkeiten bei Dauertests. Von öliger Inkontinenz, rätselhaftem Leistungsschwund und (zu) viel Drehzahl für (zu) wenig Speed – unsere Dauertest-Motorräder hielten uns mal wieder ein wenig auf Trab.

Triumph Thruxton R

Triumph Thruxton R. Zuletzt litt das bildschöne Brit-Bike im MOTORRAD-Dauertest an mysteriösem Ölverlust. Als Ursache war eine Undichtigkeit am Anlasser-Flansch im Verdacht, der entsprechende O-Ring wurde ausgetauscht. Kurz darauf aber fand erneut Motoröl unautorisiert den Weg ins Freie. MOTORRAD-Werkstattchef Gerry Wagner entdeckte nach mühsamer Suche, dass Öl direkt aus dem Gehäuse sickerte. Und zwar aus einer Bohrung in einem Steg rechts auf dem Motorgehäuse, unterhalb des Anlassers. Diese Bohrung dient dem Ablauf von Regen- und Spritzwasser. Überraschend war, dass deren Durchmesser bei unserer Dauertest-Triumph Thruxton R größer ausgeführt ist (gut acht mm) als bei anderen Testfahrzeugen dieser Modellreihe (etwa sechs mm). MOTORRAD hakte daher beim deutschen Importeur nach. Letztlich antwortete das Hauptquartier in England dazu: Der Durchmesser der Ablaufbohrung wurde in der laufenden Fertigung reduziert, um den Produktionsprozess zu beschleunigen. Neuere Fahrzeuge besitzen also die kleinere Bohrung. Bisher sei es jedoch laut Triumph auch bei früheren Fahrzeugen mit der größeren Bohrung nicht zu Ölverlust gekommen.Eventuell kamen bei der undichten Testmaschine Fertigungstoleranzen unglücklich zusammen, oder es gab in diesem Bereich einen Lunker im Guss. Falls Leser ähnliche Probleme bei ihrer Triumph haben, mögen sie bitte Redakteur Andreas Bildl informieren: abildl@motorpresse.de. Die Testmaschine wurde zunächst pro-visorisch mittels eines Gewindeeinsatzes repariert, um den Dauertest ohne großen Zeitverlust fortsetzen zu können. Am Ende der Saison wird entschieden, ob das ganze Gehäuse auf Garantie getauscht wird.

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Yamaha YZF-R1

Beim Nippon-Supersportler steht in MOTORRAD 14/2017 die Dauertest-Zwischenbilanz an. In diesem Zusammenhang fühlte die Redaktion auch Nachrüstauspuffen auf den Zahn. Dabei zeigte sich, dass die R1 (aktueller Kilometerstand: 32540) gegenüber der Eingangsmessung zu Testbeginn sechs PS verloren hatte: Nun drückt sie noch 191 statt strammer 197 PS. Zwar traten auf dem Leistungsprüfstand Fehlermeldungen auf: Für die Bord­elektronik ist es unplausibel, dass das Hinterrad 280 fährt, während das Vorderrad stillsteht. Der Fehler konnte aber mittels Systemdiagnose beim Händler gelöscht werden. Die minimale Leistungsminderung von drei Prozent aber blieb. Sie wirkt sich jedoch erst ab 9000/min aus, kommt also allenfalls auf Rennstrecken oder leeren Autobahnen zum Tragen. Trotzdem wurde die R1 daraufhin beim deutschen Yamaha-Importeur nochmals inspiziert und nachgemessen. Erstes Ergebnis: keine große Abweichung zwischen den beiden verschiedenen Prüfständen. Das MOTORRAD-Exemplar ist also gut geeicht. Zweites Ergebnis: Tja?! Druckverlust- und Kompressionsmessungen des R1-Dauertestmotors zeigen gute, unauffällige Werte. Ein Verdacht: Im Rahmen des offiziellen Rückrufs erhielt die R1 ein komplett neues Getriebe – die Eingangsmessung erfolgte noch vor dem Tausch. Eventuell wirkt sich hier also erhöhte Reibung der Neuteile im zweiten Getriebe aus.

Harley-Davidson XL 1200 CA

Bei unserer Sportster mehrten sich zuletzt Klagen über unrunden Motorrundlauf und zum Ansprechverhalten. Der V2 nervte zunehmend durch starkes Konstantfahrruckeln und Vibrationen. Ihn in der Stadt im dritten Gang bei erlaubten 50 km/h zu bewegen, wurde zum Balanceakt. Andere 1200er-Harleys gaben sich unter diesen Gesichtspunkten viel harmonischer. Da traf es sich gut, dass beim Dauertester der 32000er-Kundendienst anstand. Doch an den Ruckdämpfern im Hinterrad lag es nicht. So fuhr die XL 1200 CA schüttelnd und vibrierend weiter. Bis Testredakteur Jens Möller-Töllner beim Beschleunigen aus 120 km/h und 3200 Touren laut Drehzahlmesser Folgendes auffiel: „Zwar drehte der V2-Motor hoch, nur kam von der Kraft wenig am Hinterrad an. Die Kupplung griff nicht, sie rutschte durch.“So drehte der V2 im fünften Gang bei 140 km/h mit 5100/min, obwohl dafür nur rund 3750 Umdrehungen nötig wären. Auch in den Gängen zwei, drei und vier ließ sich dieses Hochdrehen ohne entsprechenden Geschwindigkeitszuwachs provozieren. Voraussetzungen: Der Motor ist warm, und die Drehzahl liegt etwa bei 3000/min. Bei niedrigeren Drehzahlen und kaltem Motor trat kein Durchrutschen auf. Spiel am Kupplungszug war vorhanden. Naheliegender Verdacht also: verschlissene Kupplungsscheiben. Doch der entscheidende Tipp kam von der Werkstatt: das Leerspiel direkt am Zugpilz der Kupplung per Einstellschraube regulieren, in unserem Fall vergrößern. Gesagt, getan, wieder ein Job für Gerry Wagner. Nun, streng nach Empfehlung des Werkstatthandbuchs eingestellt, stimmte das Aus­rückspiel. Siehe da: Die Kupplung rutscht nicht mehr durch. Selbst Lastwechsel- und Ansprechverhalten sind spürbar besser. Kleine Ursache, große Wirkung. 

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