Test: MZ 1000 S

Motor: wassergekühlter Zweizylinder-Reihenmotor, 86 kW (117 PS) bei 9000/min; Fahrwerk: Brückenrahmen aus Stahlrohr;
Maße und Gewichte: Gewicht vollgetankt 234 kg, Tankinhalt 20 Liter; Preis: 10918 Euro inklusive Nebenkosten

Es blieb die Wahl zwischen der BMW oder der MZ. Kurz überlegt, es wird die 1000 S. Ob das jetzt die richtige Entscheidung war? Keine Heizgriffe, geringerer Windschutz, weniger Druck, egal. Topcase runter, bloß keine Koffer – uncool. Lieber ein großer Rucksack. Es kann losgehen. Während der ersten Meter wird gleich klar: Der Stadtverkehr ist nicht die Stärke der MZ. Bis knapp 3000/min hackt der Motor hart vor sich hin. Da hilft nur Gas und schnell raus aus der City.
Endlich Landstraße, Gas auf. Das erste übersichtliche Stück. Am linken Ohr faucht es fürchterlich. Rainer auf der BMW zieht vorbei. Schnell einen Gang zurückschal-
ten und nachsetzen – keine Chance, trotz gemessenen 114 PS. Schon nach wenigen
Kilometern verschwindet die BMW am
Horizont. Einfach weg.
Dann die ersten schönen Weinstädtchen an der Mosel. Wieder poltert der
Zweizylinder holprig bei Standgasdreh-
zahl zwischen den Touristenpulks. Links, rechts, überall Menschen. Doch so richtig anschauen will mich keiner. Selbst ein
vehementes Zwischengas-Posing bringt nichts. Keiner dreht sich um. Der Blick in den Rückspiegel verrät, warum. Georg auf der MV folgt mir. Gegen die hast du keine Chance. Alle anderen bleiben unscheinbar graue Mäuse gegenüber der silber-roten Italienerin. Doch, Aussehen ist nicht alles. Auf der Bergrennstrecke in Alken werden wir sehen, wo der Hammer hängt.
Hoch und runter, das Ganze gleich ein paar Mal. Jetzt ist es klar. Das ist die Welt der MZ. Sportliche Sitzposition, gelungenes straffes Fahrwerk, bissige Bremse. Und wenn man ordentlich am Griff dreht, geht’s auch vorwärts. Einzig das rau zu schaltende Getriebe trübt den Spaß.
Schräg fahren klappt dank der Pirelli Diablo und dem rauen Belag hervorragend. Da kommt Freude auf. So könnte es endlos weitergehen. Und sollte man doch mal unverhofft in die Horizontale gezwungen werden, verhindern die Sturzpads von LSL hoffentlich Schlimmeres.
In Trier angekommen, bleibt danach nur noch die lästige Autobahn-Heimfahrt. Schnellstmöglich von A nach B kommen – im Zeitalter der Dauerstaus durchaus ein vernünftiger Grund, Motorrad zu fahren. Kurz ein Auge auf den Gesamtkilometerstand geworfen. Knapp 46000 Kilometer. Jetzt bloß durchhalten, so kurz vor dem Ziel. Die MZ meistert die 300 Kilometer mit links. Zwischendurch auch mal Vollgas. Bei Tacho 240 ist Ende der Fahnenstange. Reicht auch, der große Rucksack reißt fürchterlich. Vielleicht doch lieber Topcase oder Koffer? Keinesfalls. Klein machen und durchbeißen. Und dann, oh Gott, nicht schon wieder. Hör’ ich da ein Fauchen im linken Ohr? BMW? Rainer?

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