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Triumph Thruxton R im MOTORRAD-Dauertest Willkommen im Dauertest-Fuhrpark

Mit der Triumph Thruxton R begrüßt MOTORRAD nach über einem Jahr endlich wieder eine Vertreterin aus England im Dauertest-Fuhrpark.

Selten herrschte in der Morgenkonferenz so viel Einigkeit. Es bestand von Anfang an nicht der geringste Zweifel: Eine Thruxton muss in den Dauertest, unbedingt. Und natürlich nicht die schlichtere Basisvariante, es sollte schon die edle Triumph Thruxton R, mit Öhlins-Fahrwerk und hochwertigerer Bremsanlage sein. Testchef Gert Thöle fragte hochoffiziell bei Triumph Deutschland an. Denn üblicherweise stellen die Hersteller oder ihre Importeure die Motorräder für den MOTORRAD-Dauertest zur Verfügung. Leider wurde die Anfrage abschlägig beschieden: Triumph will in Zukunft „nach schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit“ im ersten Modelljahr kein Motorrad für einen Dauertest zur Verfügung stellen. Das kann man eigentlich nur so interpretieren: Das Vertrauen in eigene Produkte ist bei Triumph beschränkt, zumindest bei Neumodellen.

Also ging MOTORRAD den Weg eines jeden normalen Kunden und kaufte kurzerhand ein Exemplar beim Vertragshändler. Und so ziert seit rund drei Wochen eine feuerrote Triumph Thruxton R unseren Dauertest-Fuhrpark und hat in dieser kurzen Zeit bereits 1500 Kilometer zurückgelegt. Das hübsche Ding ist begehrt, obwohl es für längere Touren oder Gepäcktransport nicht gerade prädestiniert ist. Und bislang gab es unter den Piloten nur verblüffte oder grinsende Gesichter, wenn sie von einer Ausfahrt mit ihr zurückkamen. Das liegt zuerst einmal am wunderbar leichtfüßigen Fahrverhalten.

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Stereo-Federbeine machen einen sehr ordentlichen Job

Man hat nicht im Geringsten das Gefühl, auf einer 1200er zu sitzen. Sie lenkt so mühelos ein, fährt so easy ihren Strich, dazu ist der Tank so wunderbar schmal, das wirkt beinahe wie ein Jungbrunnen. Was ein wenig erstaunlich ist, denn an der Gabel haben wir aufgrund der sehr straffen Grundabstimmung die Dämpferventile für Zug- und Druckstufe praktisch vollständig geöffnet, trotzdem arbeitet die Dämpfung beim Drücken im Stand noch sehr satt. Im Fahrbetrieb passt’s aber ganz gut. Und auch die Stereo-Federbeine der Triumph Thruxton R machen einen sehr ordentlichen Job.

Und dann ist da noch dieser kraftvolle 1200er-Twin mit der unregelmäßigen Zündfolge. Wie satt und bullig er schon bei niedrigen Drehzahlen losstampft, ist eine Wucht. Er besitzt genug Schwungmasse, um bei niedrigen Drehzahlen mit dumpfem Bollern rundzulaufen. Bei 100 km/h stehen gerade mal rund 3800/min auf dem hübschen Drehzahlmesser. Ein Eins-A-Entschleuniger, der Tempo zur Nebensache macht. Im Schiebebetrieb ballert der Twin der Triumph Thruxton R herzhaft aus den gebürsteten Endtöpfen, ein Augen- und Ohrenschmaus, ohne jedoch krawallig daherzukommen.

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Foto: Yvonne Hertler
Verschlusssache: Motordeckel und wichtige Schraubverbindungen werden verplombt.
Verschlusssache: Motordeckel und wichtige Schraubverbindungen werden verplombt.

Bislang finden sich nur lobende Worte im Fahrtenbuch. Ernste Schwachpunkte waren auf den ersten Kilometern bislang keine auszumachen. Wenn überhaupt sind es eher Kleinigkeiten, die bislang auffielen: Der zweite Gang der Triumph Thruxton R läuft mit einem leichten Heulton, was vor allem in der Stadt bemerkbar ist. Dort finden auch die an den Lenkerenden angebrachten Spiegel nicht nur Bewunderer, die Maschine wird dadurch beim Durchschlängeln breiter, genau in Höhe der Autospiegel. Und beim Abschließen rutscht man leicht über die Abriegelposition im Zündschloss hinaus und aktiviert ungewollt das Parklicht.

Ansonsten aber zeigt sich die Triumph Thruxton R bislang von ihrer besten Seite, gibt sich an der Tankstelle mit knapp 5,2 Litern Verbrauch moderat. Allerdings musste sie auch bislang noch nicht mit auf längere Touren. Damit wären wir beim Thema Transport. Es ist heute eher ungewöhnlich, dass eine Maschine ab Werk als Einsitzer ausgeliefert wird.

Zeichen stehen gut für einen spaßigen Dauertest

Für den Dauertest muss das geändert werden. Deshalb bekam die Triumph Thruxton R gleich zu Beginn die Komfort-Zweimannsitzbank (289 Euro) nebst Sozius-Rasten (84 Euro) aus dem Triumph-Zubehörprogramm spendiert, damit auch mal ein Sozius in den Genuss des Twins kommen kann.

Das Einfahrprozedere hat die Triumph Thruxton R inzwischen hinter sich gebracht, die obligatorische Eingangsmessung nach der Erstinspektion – die mit 161 Euro moderat ausfiel – auch. Mit 94 PS erreicht der Twin zwar nicht ganz seine Nennleistung von 98 PS, doch vielleicht gesellt sich das ein oder andere Pferdchen mit zunehmender Laufleistung noch dazu. Außerdem imponiert die satte Drehmomentkurve. Die Zeichen stehen also gut für einen spaßigen Dauertest.

Foto: markus-jahn.com
Das kennt man noch von früher: ausführliche Einfahranleitung auf dem Tank.
Das kennt man noch von früher: ausführliche Einfahranleitung auf dem Tank.

Technische Daten Triumph Thruxton R

Hier sehen Sie einen Auszug der technischen Daten. Wenn Sie die kompletten, von uns ermittelten Messwerte möchten, können Sie den Artikel als PDF zum Download kaufen.

Technische Daten Triumph Thruxton R (k.A.)
Modelljahr k.A.
Motor
Zylinderzahl, Bauart 2 , Reihenmotor
Bohrung/Hub 97,6 / 80,0 mm
Hubraum 1197 cm³
Ventile pro Zylinder vier Ventile pro Zylinder
Verdichtung 11,0
Leistung 71,5 kW ( 97,2 PS ) bei 6750 /min
Max. Drehmoment 112 Nm
Zahl der Gänge Sechsganggetriebe
Hinterradantrieb Kette
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Doppelschleifenrahmen
Federweg vorn/hinten 120 mm / 120 mm
Reifen 120/70 ZR 17 , 160/60 ZR 17
Bremse vorn/hinten 310 mm Vierkolben-Festsättel / 255 mm Doppelkolben-Schwimmsattel
ABS Ja
Maße und Gewichte
Radstand 1415 mm
Lenkkopfwinkel 67,2 °
Nachlauf 92 mm
Leergewicht vollgetankt k.A.
Sitzhöhe 810 mm
Zulässiges Gesamtgewicht 432 kg
Höchstgeschwindigkeit 217 km/h
Preis
Neupreis 14500 Euro

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