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Yamaha MT-07 neu im Dauertest Einsteigermotorrad? Von wegen!

Die Yamaha MT-07 entpuppt sich schon zu Beginn ihres Dauertests bei MOTORRAD über die 50.000-Kilometer-Distanz als drahtiger Kurvenwetzer. Sollte auch die Qualität und Haltbarkeit der Japanerin stimmen, kann das Fazit nur lauten: Daumen hoch, Yamaha! Alles richtig gemacht.

Dass das unaufhaltsame Wettrüsten der Hersteller nach dem Diktum stärker, schneller, schwerer mittlerweile eine Sättigungsphase erreicht hat, kann den meisten Motorradfahrern nur recht sein. Denn das, was seit wenigen Tagen in der MOTORRAD-Tiefgarage steht, beweist erneut: Es kommt nicht auf die Leistung, sondern auf die Würze an!

Bereits als Kollege Rolf Henniges breit grinsend von Lanzarote wiederkehrte, wo Yamaha die neue MT-07 der Fachpresse präsentiert hatte, stand fest, dass die kleine Schwester der MT-09 das Zeug zum Best­seller haben wird. Und das eben nicht nur wegen Yamahas offensiver Preispolitik, sondern vor allem wegen des quirligen Zweizylinder-Reihenmotors, der es dem Kollegen richtig angetan hatte.

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Man spürt jede Verbrennung - das macht unglaubliche Freude

Wer bei knapp 700 Kubikzentimetern Hubraum, nominal 75 PS und 68 Newtonmetern eher an Rohkostsalat als an Wiener Schnitzel denkt, sollte die Neuentwicklung dringend ausprobieren. Denn wie im echten Leben wäre der Salat nicht nur die gesündere Wahl, sondern mit dem richtigen Dressing auch die leckerere Alternative zum tranigen Kalbsfleisch. Das Rezept dafür hatte Yamaha glück­licherweise bereits in der Schublade. Denn wie schon bei der Superbike-Rakete YZF-R1 und dem dreizylindrigen Power-Naked MT-09 kommt bei der Yamaha MT-07 ein Hubzapfenversatz von 270 Grad auf der Kurbelwelle zur Anwendung. Durch die ungleichmä­ßige Zündfolge klingt der Twin nicht nur deutlich potenter, die Drehmomentabgabe lässt sich auch besser erfühlen. Dadurch wird die Verbindung zwischen der Gashand des Fahrers und dem Motor optimiert, was wiederum eine exaktere Steuerung der Maschine ermöglicht. Kurzum: Man spürt jede Verbrennung – und das macht unglaublich viel Freude!

Die Eingangsmessung bei Kilometerstand 1264 zeigt, dass der vibrationsarme Twin die Bezeichnung MT („Master of Torque“) völlig zu Recht im Namen trägt. Zwischen 3000 und 9000 Touren wuppen die Kolben kontinuierlich mehr als 60 Newtonmeter an die Kurbelwelle. Dass die in der Spitze 76 PS lediglich 181 Kilogramm Gesamtgewicht nach vorn treiben müssen, vermittelt eine erste Ahnung davon, wie frech man es mit der Yamaha MT-07 auf der Landstraße treiben kann.

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"Klasse Maschine mit enormem Spaßpotenzial"

Ja, man darf schon jetzt quittieren, dass die Leistungscharakteristik des Zweizylinders in Kombination mit dem Hubzapfenversatz ein würziges Zusammenspiel für die kommenden knapp 50.000 Kilometer bereithält. Davon zeugen auch die ersten Einträge im Fahrtenbuch. Harry Humke, geschäftsführender Redakteur von MOTORRAD, schreibt nach absolvierten 60 Kilometern: „Erstaunlich, wie unangestrengt und leise dieser kleine Motor überall Leistung hat. So würde ich mir das auch bei der MT-09 wünschen.“ Auch Testredakteur Andreas Bildl bemüht den hausinternen Vergleich: „Klasse Maschine mit enormem Spaßpotenzial. Im Vergleich zur MT-09 bietet die Yamaha MT-07 ­eine deutlich bessere Sitzposition. Zudem fährt sie sich um Längen neutraler und ist für mich das ausgewogenere und harmonischere Motorrad.“

Allein die Tatsache, dass die Kollegen den Vergleich mit der 40 PS stärkeren Schwester anführen, zeigt das enorme Talent des wieselflinken Bikes. Wer die MT-07 aufgrund des attraktiven Verkaufspreises von 5995 Euro inklusive ABS als reines Einsteigermotorrad abtut, liegt entsprechend völlig daneben. Mit ihren tollen Handling­qualitäten, dem neutralen Lenkverhalten und den standfesten Bremsen taugt der Twin für Anfänger wie Profis gleichermaßen. Selbst für ökologisch bewusst handelnde Menschen kommt die Yamaha MT-07 infrage. Mit einem Minimalverbrauch von 3,5 Litern, die auf der normierten MOTORRAD-Verbrauchsfahrt ermittelt wurden, muss man nur selten an die Zapfsäule rollen. Die ersten Betankungen im Alltagsbetrieb lagen zwar etwas über vier Liter auf 100 Kilometer, aber selbst das geht in Ordnung.

Ölschauglas tief unten, kein Hauptständer

Ja, gibt es denn gar nichts an dem Dauertest-Neuzugang zu mäkeln? Doch. Die Ölstandskontrolle beispielsweise fällt wegen des fehlenden Hauptständers unerwartet diffizil aus. Das Ölschauglas befindet sich so tief unten, dass man das Motorrad nicht nur in der Waage halten, sondern sich zeitgleich zum Ablesen hinknien muss. Wem das zu unsicher ist, der kann das Bike natürlich auch vorsichtig an eine Wand lehnen. Wirklich benutzerfreundlich ist das allerdings nicht. Und Weiteres fiel bereits auf: Im Kurzstreckenbetrieb und bei Außentemperaturen um die 30 Grad Celsius drehte der Anlasser ziemlich lange, bis der Motor endlich ansprang. Ob es sich hierbei um ein reproduzierbares Phänomen handelt, wird der Dauertest zeigen. Ebenso, wie es um die gesamte Qualität und Haltbarkeit der Yamaha MT-07 steht. Denn bisher bleibt nur festzuhalten: Daumen hoch, Yamaha! Alles richtig gemacht.

Yamaha MT-07 gegen ER-6, Gladius 650 und Monster

Messwerte

Fahrleistung

 Messung nach 1264 km
Beschleunigung
0–100 km/h                                3,8
0–140 km/h                                7,0
0–200 km/h                               26,2
Durchzug
60–100 km/h                                4,1 
100–140 km/h                                4,7
140–180 km/h                                6,8
Foto: Gargolov
Dieser Twin serviert ein sattes Drehmomentplateau zwischen 3000 und 9000 Umdrehungen.
Dieser Twin serviert ein sattes Drehmomentplateau zwischen 3000 und 9000 Umdrehungen.

Leistungsdiagramm

Dieser Twin serviert ein sattes Drehmoment­plateau zwischen 3000 und 9000 Umdrehungen. Das qualifiziert ihn als perfekten Landstraßen­antrieb, der sogar mit dem Benzin sehr knauserig umgeht.

Leistung an der Kurbelwelle; Messungen auf dem Dynojet-Rollenprüfstand 250, korrigiert nach 95/1/EG, maximal mögliche Abweichung ± 5 %.

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