Dauertest-Abschlussbilanz Die Ducati 1098 nach 50000 Kilometern
Sie hat für das Kribbeln im Bauch gesorgt, für jede Menge Emotionen. Sie hat tolle Momente beschert, aber auch etwas auf Trab gehalten. Nur kalt gelassen hat sie ihre Fahrer nie. So musste die Dauertest-Abschlussfahrt, für die der Chefredakteur persönlich in den Sattel stieg, fast zwangsläufig noch einmal zu ihrer Geburtsstätte führen.
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Ducati 1098
Zurück zum Ursprung. Die Ducati-Mannschaft ist sichtlich stolz darauf, dass der Dauertest ohne große Blessuren zu Ende ging.
Foto: Ducati
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Eigentlich wollte ich eine Lanze für die Ducati 1098 brechen". So beginnt bei Kilometerstand 48000 der Fahrtenbucheintrag des Test-Kollegen Volkmar Jacob.
Was diesem ersten Satz folgt, ist eine beachtlich lange Laudatio auf superbes Fahrverhalten, Stabilität, Zielgenauigkeit. Auf den astrein am Gas hängenden Motor, der auch jetzt noch, kurz vor Testende, puncht wie die Hölle.
Bis hierhin also alles in Butter. Doch uneingeschränkt den Daumen heben wollte Kollege Jacob dann doch nicht. Die ausgerechnet nachts bei Regen streikende Elektrik der Frontpartie und ein Defekt am Regler trübten die Freude bei seiner Tour. Fahrtenbuch-Einträge über solche Auffälligkeiten mehrten sich in der zweiten Hälfte des Dauertests. Einigkeit herrschte dagegen in Bezug auf den prachtvollen Motor. Diesen Eindruck bestätigt nicht nur der Prüfstand bei der Abschlussmessung. Auch das Kompressionsdiagramm sieht ausgezeichnet aus. Ergo blieben die bösen Überraschungen beim Zerlegen aus. Hält man sich vor Augen, welches Hochleistungs-Triebwerk da über die Distanz gescheucht wurde, ist der Zustand des Aggregats beachtlich.
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Natürlich gibt es sichtbare Spuren des Verschleißes. Gelitten hat vor allem die Kupplung. Rupfende oder zumindest kreischende Beläge waren oft anzutreffende Begleiter auf Ausfahrten. Und zwei verschlissene Kupplungskörbe sind deutlich mehr als üblich. Was jedoch die übrige Mechanik angeht, gibt es nur wenig Auf-fälliges zu vermelden. Aufgearbeitet sind, Analogie zum Dauertest der 999 (MOTORRAD 26/2005), die Pleuellager und -augen. Und das Kolbenlaufspiel nähert sich dem oberen Grenzwert. Wobei die Einbautoleranz ohnehin ab Werk schon reichlich bemessen ist. Insofern geht dieser Befund nach 50000 mit einigen Rennstreckeneinsätzen durchsetzten Kilometern durchaus in Ordnung. Ansonsten gibt es von der Mechanik nicht viel zu vermelden.
Die Ventile schließen samt und sonders dicht, Nockenwellen und die 16 Kipp- wie Schlepphebel der aufwändigen Desmodromik überstanden bis auf leichte Laufspuren an einer Nocke die Distanz unbeschadet. Gleiches lässt sich auch über das Getriebe sagen. Die geringen Pitting-Spuren am Zahnrad des 6. Ganges sind vernachlässigbar. Lediglich eine Schaltgabel hat von den 50000 Kilometern sichtbare Spuren zurück behalten. Einfluss auf die Funktion hatte dies jedoch keine. Es fügt sich ins Bild, dass der Ölverbrauch des Zweizylinders über die Distanz unter 0,1 Liter auf 100 Kilometern lag. Und in Verbindung mit dem ansonsten ansehnlichen Zustand von Fahrwerk, Lack und Anbauteilen unterstreicht das, was Kollege Jacob weiter notierte, nämlich "erfahrungsgemäß fühlt sich ein Bike mit diesem Kilometerstand viel ausgelutschter an und sieht auch viel abgenudelter aus".
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Und selbst das gnadenlos straffe Federbein arbeitete gegen Testende etwas geschmeidiger. So absolvierte die Duc die erste Hälfte der Testdistanz bis auf einen Ausfall wegen eines korrodierten Benzinpumpen-Relais auch weitgehend unauffällig. Das ist die eine Seite. Die andere notiert nach knapp 26000 Kilometern einen gebrochenen Kolben des liegenden Zylinders. Was laut Ducati auf eine kleine Charge fehlerhafter Kolben zurückzuführen war und kein generelles Problem der 1098 ist. Die betroffenen Maschinen waren schnell eingegrenzt und mit neuen Kolben versehen. Auch unter den Leserzuschriften fand sich kein solcher Defekt. Was unter dem Strich zeigt, dass der riesige V2 in seinen Grund-festen eine solide Konstruktion ist. Es waren vielmehr die ärgerlichen, im Alltag nervigen Kleinigkeiten, die vor allem in der zweiten Hälfte ihres Dauertestlebens am Lack der Ducati kratzten.
Da gehört sie hin. Die Ducati ist eben ein Hochleistungs-Brenneisen, auch wenn sie tapfer den Alltag meistert und dort nicht minder fasziniert.
Foto: mps-Fotostudio
Der mit durchschnittlich 7,2 Litern Super auf 100 Kilometer zweithöchste Verbrauch aller Dauertest-Maschinen - laut Ducati mit bedingt durch das effiziente Kühlsystem und die damit vor allem bei kühler Witterung ausgesprochen niedrigen Wassertemperaturen - in Verbindung mit dem kleinen Tank und der mickrigen Reserve-Reichweite machten sie zum häufigen Gast an der Zapfsäule. Und zum ebenso häufig gemiedenen Untersatz, wenn ausgedehnte Touren oder Ausfahrten anstanden.
Zum Fahrbericht der Ducati 1098 R
Die Nickeligkeiten, mit denen sie ihre Fahrer bisweilen forderte und die sie so häufig wie noch keine andere Dauertest-Maschine in der Werkstatt weilen ließen, reichten vom Ausfall des Tachos, was mit einem neuen Sensor behoben wurde, über eine hin und wieder aufleuchtende Motor-Warnleuchte, den gerissenen Krümmer, Ausfall der Beleuchtung, einen defekten Batteriekasten bis zum kurz vor Testende kollabierten Lichtmaschinen-Regler. Letzterer war offenbar ohnehin Gegenstand einer Rückrufaktion und wurde auf Garantie getauscht. Und hatte man sich auch mit den hohen Handkräften für die Trockenkupplung letztlich arrangiert, das Rupfen und Kreischen beim Anfahren war permanenter Begleiter. Der Verschleiß sei, so Ducati, bauartbedingt, häufigere Kontrolle daher nötig. Dennoch ist es eher ungewöhnlich, dass am Ende der Testdistanz der Kupplungskorb bereits zum zweiten Mal austauschreif war. Das waren bereits kurz nach Halbzeit die rubbelnden Bremsscheiben ebenfalls, was allerdings unter Garantie abgewickelt wurde. Dass die Maschine kurz danach wegen Ölverlusts aus einer gelockerten Ölkühlerleitung liegen blieb und im Transporter die Heimreise antrat, fällt dagegen eher in die Rubrik "Pech".
Auf der einen Seite die klangstarke, genial stabile und dabei mechanisch solide, mächtige Fahrmaschine, auf der anderen Seite der von nervigen Kleinigkeiten getrübte Alltag - dies spiegeln auch die Leserzuschriften wider. Denn obwohl in den Zuschriften Begeisterung und Zufriedenheit klar überwogen, gab es auch Klagen. Über beschlagene Scheinwerfer und Tachoeinheiten sowie Absterben im Leerlauf. Die Elektrik im Allgemeinen, über verschlissene Bremsscheiben und rupfende Kupplungen. Weitgehend Einigkeit herrschte dagegen beim Thema Fahrwerksabstimmung. Sie mag ja einer nicht ganz durchschaubaren hauseigenen Philosophie entsprechen, mit der weichen Gabel und dem knochigen Federbein mochten sich dennoch die wenigsten anfreunden. Fahrwerksumbauten standen entsprechend häufig auf dem Programm. Leser Rudi Schmandt formuliert gar: "Der Fahrwerksumbau ist ein Muss ." Lässt sich das Setup noch nach Belieben ändern, muss man dagegen trotz 12000er-Inter-vallen mit den happigen Inspektions-kosten leben. Angesichts dessen und des hohen Einstandspreises sollte Ducati jedoch der Peripherie noch etwas mehr Augen-merk schenken. Denn vom Motor und vom Chassis her hat die Duc alles, was es für eine lange, anregende Beziehung braucht. Und lange Strecken kann sie durchaus auch meistern. Die Abschlussfahrt des Chefredakteurs verlief jedenfalls ungestört.

