26.05.2011 Von: Thomas Schmieder
Erschienen in: 12/ 2011 MOTORRAD

Dauertest-Zwischenbilanz: Triumph Thunderbird Bilanz nach 36 000 Kilometern

Triumphs fahraktiver Cruiser hat auf fast 36 000 Kilometern viel erlebt und erduldet: grandiose Urlaube in Griechenland und Italien, aber auch einen schweren Unfall und einige kleinere Defekte.
In diesem Artikel: Triumph Thunderbird

 Triumph Thunderbird (jpg)

Die Triumph Thunderbird.  

Foto: Archiv  

Das Unglück kam aus heiterem Himmel. In Form eines Renault Clio mit links abbiegender Fahranfängerin darin. Dieses Gespann nahm im Oktober 2010 MOTORRAD-Redakteur Stefan Kaschel die Vorfahrt. Die Folge für Stefan: Bruch am linken Fuß, Krankenhaus und Krücken. Die erst ein Jahr alte Triumph Thunderbird zog sich ebenfalls erhebliche Frakturen und Blessuren zu, es waren viele Teile beschädigt oder zerbeult.

Die gute Nachricht: Der deutsche Importeur rettete den 1600er-Donnervogel mit bereits 30 000 Kilometer Laufleistung noch per Notoperation. Er verpflanzte das unbeschädigte, verplombte, riesige Reihentwin-Herz in einen neuen Rahmen. Die schlechte Nachricht: nach der Organtransplantation drangen schlimme Geräusche aus dem Inneren des 1,6-Liter-Motors. Die Ursache kam nach der Motordemontage ans Licht: Ein Stück Schelle der Ansaugbrücke war abgebrochen und in einen Brennraum gelangt. So etwas passiert. Also auch Kolben, Ventile und Zylinderkopf neu.

Bis dahin hob die T-Bird auf vielen Reisen zu Höhenflügen ab. Bereits bei der Herbstausfahrt 2009 an den Gardasee fiel auf, wie ausgewogen und locker die Triumph fährt, trotz 338 Kilogramm Gewichts. Offenbar soll sie die englische Stahlindustrie im Alleingang retten."Bequem und mächtig, mit einer super Sitzposition", schrieb ihr ein Fahrer ins Fahrtenbuch. Und: "Wenn die Fußrasten etwas weiter hinten wären, hätte man das Gefühl, auf einem normalen Motorrad und nicht auf einem Cruiser zu sitzen." Im Gegensatz zu fast allen anderen Flacheisen lässt sich die Thunderbird richtig flott bewegen, verdammt leichtfüßig, handlich und präzise.

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Ein echter Kurvenkratzer. Das "Kkrrkk, Kkrrkk" der aufsetzenden Rasten holt einen in die Realität zurück. Triumph tat gut daran, einen moderaten 200er-Hinterreifen auf die Sechs-Zoll-Felge zu montieren. Wo breiter besohlte Cruiser sich auf Asphaltbuckeln aufrichten und Längsrinnen nachlaufen, zieht die T-Bird neutral und gelassen ihre Bahn. Prima funktioniert das konventionelle, gut ausbalancierte Fahrwerk. Die stabile Gabel spricht fein an, filtert viel raus.
Etwas derber arbeiten die Federbeine, springen schon mal über krasse Buckel. Bei kurz aufeinanderfolgenden Bodenwellen sackt das Heck ziemlich in sich zusammen. Dann setzt auch mal der Vorschalldämpfer auf, mit der Gefahr des Aushebelns. Deutlich mehr Reserven bieten die Wilbers-Federbeine. So oder so ist die Thunderbird eine echte Fahrmaschine. Dies belegte eine 5000-Kilometer-Tour nach Griechenland. Im Schlepptau einer BMW R 100 GS erduldete die Thunderbird Hunderte Kilometer über albanische und griechische Schotterpässe. Sie tat es mit Bravour, absolut langstreckentauglich. Man hält es tagelang im breiten Sattel aus, nur 71 Zentimeter überm Erdboden, ganz ohne Verspannungen. Nicht nur auf Tour in Olympia ein göttlicher Cruiser!

Triumph Thunderbird

Leben in Fahrt: mit der Fähre übers Mittelmeer, auf Achse nach Riva del Garda.  

Foto: Schmieder  

Der breite Lenker liegt prima zur Hand, die Beine liegen satt am fetten Tank an. So gehört das. Hoch fällt die Handkraft der vorderen Doppelscheibenbremse aus. Darunter leiden Dosierbarkeit und Biss der ABS-bewehrten Vierkolbensättel. So bremst man oft hinten mit. Nicht ohne Folgen: Etwa alle 8000 bis 10 000 Kilometer sind hinten neue Bremsbeläge fällig; bei Kilometerstand 17 445 inklusive der Scheibe. Ein reiner

Quell der Freude ist der riesige 1,6-Liter-Reihentwin. Wassergekühlte Zylinder im Lkw-Format garantieren gesunden Thermohaushalt. Reichlich Drehmoment schaufeln die 103er-Kolben ans Hinterrad: über 130 Newtonmeter von 2000 bis 4500 Touren. Viel Bumms von ganz tief unten also.

Das Triebwerk hat "tolle Laufkultur" (Eintrag im Fahrtenbuch), pulsiert stets spürbar, aber niemals nervtötend. "Das Motorrad trifft mitten ins Herz", meint ein Fahrer, "fährt unspektakulär" ein anderer. Passend ist seine Schwungmasse gewählt, der Twin läuft schön rund im Drehzahlkeller, schwingt sich aber auch locker zu 5000 Touren und dann 85 PS auf.

Noch kräftiger drückt die mattschwarze Schwester Thunderbird Storm mit 1,7 Liter und 98 PS. Der 1,6-Liter-Dauertest-Motor verbraucht überhaupt kein Öl. Satte 350 Kilometer Reichweite erlaubt der 22-Liter-Tank bei 6,3 Liter Durchschnittsverbrauch.

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User, die TRIUMPH Thunderbird fahren

Zwei Tripmaster, die detaillierte Tankuhr und die Restreichweitenanzeige helfen beim Planen der Tankstopps. Letztere blieb allerdings unterwegs einmal hängen, vermeldete bei staubtrockenem Stahltank noch 75 Kilometer Restreichweite.

Leicht lässt sich die Kupplung ziehen, gut dosieren. Nun, vor allem beim Wechsel der Gänge eins bis drei kalonkt es gern mal aus der Gangschachtel. Doch dafür rasten die sechs Gangstufen trotz des 40 Zentimeter langen Schaltgestänges stets exakt.

Im Stand schiffsdieselt der Big Twin sonor, wummert und blubbert dezent aus den lang gestreckten Auspufftüten. Die 17 Kilogramm schwere Kurbelwelle imitiert mit ihrer 270-Grad-Zündfolge den Tonfall eines 90-Grad-V2. Noch ein anderes Geräusch charakterisiert den Donnervogel: Er zwitschert, auf englisch twittert er also. Twitterbird statt Thunderbird?

Ursache ist der pflegeleichte und prima vor potenziell eindringenden Steinchen abgeschirmte Zahnriemen. Ihn ziehts im Fahrbetrieb stets ein wenig aus der Mitte heraus. Daher liegt er an der Kante der hinteren Riemenscheibe an, meist rechts - und quietscht dann bedauernswert. Das wirkt beim Ampelstart nicht sehr cool. Behandeln mit Silikonspray brachte jeweils nur kurzzeitige Linderung. Das Sich-am-Riemen-reißen hat der Haltbarkeit nicht geschadet, nach 36 000 Kilometern arbeitet immer noch das erste Exemplar. Womit wir bei den kleinen Eigenheiten der wertig gebauten, fein verarbeiteten Triumph wären.

Triumph Thunderbird Gepäck

Der flotte Touren-Cruiser bewährt sich mit reichlich Gepäck an antiker Stätte (Mykene) wie auch in Norddeutschland.  

Foto: Schmieder  

Einerseits ist hier alles Metall, was glänzt, bis hin zu Blinkergehäusen mit edlen weißen Gläsern. Hell und zuverlässig leuchtet das Rücklicht aus vielen kleinen Leuchtdioden. Von feiner Qualität ist die Zweifarblackierung, mit herrlichem weißem Längsstreifen. Andererseits sind beide Handhebel nicht einstellbar, der selbstredend dick verchromte Schraubtankdeckel ist nicht abschließbar. Das nach Altväter Sitte separate Lenkschloss kommt aktuell seiner Schutzfunktion nicht mehr nach.

Tja, einige kleinere Wehwehchen ereilten die Thunderbird mittlerweile. Noch im Jahr 2009 wurde ihr Kühlsystem leicht inkontinent. Das war durch Festziehen von Schlauchschellen allein nicht zu beheben. Daher gabs bei Kilometerstand 5061 neue Kühlwasserschläuche. Bei dieser Gelegenheit wurden auch gleich die recht schwergängigen Gaszüge getauscht.

Mitten in Albanien erlahmte bei Kilometerstand 23 339 der Vortrieb komplett. Am Gasgriff brach die Führung des Gaszugs ab, welcher die Drosselklappen öffnet. Nach improvisierter Reparatur auf dem Balkan gabs zu Hause einen neuen Gasgriff. Dessen Heizfunktion fiel kurz darauf aus; vermutlich wegen eines schlecht verlegten Kabels.

Abgerutschte Schläuche am Einspritzsystem verursachten unrunden Leerlauf mit zeitweiligem Absterben nach rund 33 000 Kilometern. Vielleicht auch eine Folge des Motorumbaus nach dem Unfall. Bedauerlich, dass immer wieder Cent-Bauteile den tollen Cruiser T-Bird kurzzeitig auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt haben.


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