Der Kawa-Fighter nach 25000 Kilometern Zwischenbilanz: Dauertest Kawasaki Z 1000
Mit stark überarbeitetem Fahrwerk und vor allem neu konstruiertem Motor schärfte Kawasaki mit dem Modell 2010 den Charakter der wiederbelebten Z 1000. Wie zuverlässig ist die Neue?
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Kawasaki Z 1000
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Gestatten, Wolf", titelte MOTORRAD Ende des Jahres 2009 bei der Präsentation der aufwendig überarbeiteten Z 1000. Der Grund: Endlich hatte Kawasaki dem seit 2003 wieder aufgelegten Klassiker die zum legendären Anspruch dieses wilden Vierzylinders passende technische Ausrichtung mit auf den Weg gegeben. Alu- statt Stahlrahmen, aggressives Design, aber vor allem ein komplett neu gezeichneter langhubiger Motor mit 1043 cm³ Hubraum und 138 PS Spitzenleistung verwandelten das bislang so sanftmütige Schäfchen in einen bissigen Wolf - und einen potenziellen Kandidaten für den MOTORRAD-Dauertest-Fuhrpark. Mitte Mai 2010 war es so weit. Eine nagelneue Z 1000 rollte in die MOTORRAD-Tiefgarage - und nachdem Werkstattchef Gerry Wagner die wichtigsten Teile verplombt hatte, auch bald wieder heraus.
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Die Euphorie war groß. Redakteur Gerd Eirich war einer der Ersten, der dies auch im Fahrtenbuch kundtat. "Endlich fährt die Kawa auch so, wie sie aussieht", brachte es der Youngtimer-Fan auf den Punkt. In der Tat passten die vorderradorientierte Sitzposition, die straffe Federungsabstimmung und der von den Konstrukteuren bewusst angeraute Motorlauf zur Streetfighter-Optik. Allerdings auch das ungezogene Fahrverhalten auf holprigen Landstraßen. Je mehr sich die zu Testbeginn aufgezogene Dunlop-Qualifier-2-Bereifung abnutzte, desto intensiver brachten Huckelpisten Eigenleben in das Fahrwerk.
Wenn ein Teil dieser Renitenz sicher auch dem breiten 190er-Hinterradreifen zuzuschreiben ist, stellten die Ergebnisse der Reifenempfehlung bald darauf klar: Mit dem Nachfolgemodell Dunlop Roadsmart oder dem Michelin Pilot Road 2 (der Pilot Road 3 erschien erst zur Saison 2011) wäre das nicht passiert. Seitdem rollt die Z 1000 auf den handlingsfördernden Franzosen. Und seit dieser Zeit goutierte das fahrende Volk auch die besagt aggressive Ausrichtung der Kawa. Das Kribbeln in den Lenkerenden im mittleren Drehzahlbereich wird der Z 1000 genauso als charakterbildende Maßnahme nachgesehen wie das frontlastige Fahrverhalten. Weniger Toleranz übt das Kollegium bei Regenfahrten. Wie bei fast allen aktuellen mit minimalistischen Hecks gestylten Naked Bikes überzieht auch bei der Kawasaki bei Nässe bald Straßendreck großflächig Sitzbank und Rücken des Fahrers. "Was für eine Sauerei", notiert selbst der allzeit gut gelaunte Service-Redakteur Jörg Lohse ins Logbuch. Wenns nicht mehr zu meckern gibt Gabs auch zunächst nicht. Selbst die beiden ersten Inspektionen bei 1700 und 7000 Kilometern fielen mit 164 und 66 Euro preislich sehr moderat aus. Im Rahmen einer Rückrufaktion wurde dabei der vordere linke Bremsschlauch kostenlos ausgetauscht.
Zurück zum Meckern. Nicht nur Redakteur Thomas Schmieder fand, dass "die Z 1000 ruhig etwas länger übersetzt sein könnte. Auf der Autobahn sucht man instinktiv nach dem nächsthöheren Gang - nur den gibt es nicht", notiert der studierte Biologe. Tatsächlich hat Kawasaki die Z 1000 bewusst kurz übersetzt. Der Sprint auf der Landstraße, dem eigentlichen Jagdrevier des Streetfighters, gehört nicht zuletzt dank dieses Tricks zu den besonderen Reizen der Z 1000. Nebenbei bemerkt: Das touristisch orientierte Schwestermodell Z 1000 SX besitzt mit einem 41er-Kettenrad (Z 1000: 42 Zähne) eine geringfügig längere Sekundärübersetzung.Der Technik können höhere Drehzahlen ohnehin nichts anhaben. Seit dem ersten Tag schnurrt der Reihenvierzylinder (Verbrauch über die Testdistanz: 6,3 Liter/100 Kilometer) völlig problemlos vor sich hin, braucht weder Öl noch sonstige Zuwendung - von den mit 6000er-Intervallen unzeitgemäß häufigen Inspektionen einmal abgesehen. Zumal die nicht ganz billig ausfallen.
Die 12000er-Inspektion (mit Zündkerzenwechsel) kostete 367 Euro, die 18 000er (mit Luftfiltertausch) belief sich zwar nur auf 139 Euro, die 24 000er (wieder mit Luftfiltertausch) dann allerdings auf stattliche 543 Euro. Für den Austausch des Kettensatzes bei Kilometerstand 21 800 berechnete der freundliche Kawasaki-Händler 332 Euro. Dennoch musste Fuhrparkleiter Rainer Froberg einmal mit dem Transporter ausrücken. Kurz vor dieser Zwischenbilanz sprang die bislang so erfreulich Unauffällige bei Kilometerstand 24 278 nicht mehr an. Diagnose: defekte Batterie. Die wurde mitsamt dem seit geraumer Zeit hakenden Zündschloss auf Garantie ausgetauscht.
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Seitdem ist es wieder ruhig um die Kawa geworden. Der einzig nennenswerte Kritikpunkt, das träge Fahrverhalten, ließ sich durch besagten Reifenwechsel deutlich verbessern. Sitz- und Federungskomfort sind angesichts der beabsichtigten Streetfighter-Ausrichtung nicht grundsätzlich kritikwürdig, lassen sich aber mit überschaubarem Aufwand je nach Geschmack nachjustieren. Für solche, die auch einen Wolf mal an der Leine führen wollen.