Finale: Triumph und der Geschwindigkeitsrekord50 Jahre Triumph Bonneville
Zwar sind die legendären Geschwindigkeitsrekorde bereits 54 Jahre her, doch erst seit 50 Jahren erinnern die Engländer mit dem Modell Bonneville an die heißen Ritte über den gleichnamigen Salzsee. Zeit also, auf die Piste zu gehen, den Hahn aufzureißen und zu schauen, was geht.
In diesem Artikel:
Triumph Bonneville,
Triumph Thruxton
Es geht noch einiges. Insgesamt sprangen bei der diesjährigen Speedweek vier neue Rekorde für die Engländer heraus, doch dazu später mehr. Um zu verstehen, wie ein im Grunde genommen kreuzbraves Motorrad mit im Serienzustand gerade einmal 69 PS dazu kommt, Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen, bedarf es eines Blicks auf den US-Amerikaner an sich. Und der hat einen Hang zu Superlativen, was sich nicht nur in der durchschnittlichen Konfektionsgröße bemerkbar macht.
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Das Problem an Superlativen jedoch ist, das es grundsätzlich nur ein Schnellstes, Höchstes oder Weitestes geben kann. Die Lösung wiederum ist denkbar einfach und typisch amerikanisch. Um möglichst vielen Teilnehmern der einmal jährlich ausgerufenen Speedweek auf den Salzseen bei Bonneville im US-Wüstenstaat Utah die Chance auf einen Rekord zu lassen, funktioniert die Veranstaltung nach dem Prinzip der klassenreichen Gesellschaft.
Allein die Klassifizierung der Antriebe könnte Bücher füllen. Zahl der Zylinder, Anordnung derselben, Arbeitsprinzip und dergleichen mehr sind nur das Fundament des Regelwerks. Daneben gibt es weitere Unterteilungen wie Anzahl der Ventile, Art der Kühlung, Gemischaufbereitung und -zuführung und so weiter und so fort. In den Rubriken Fahrwerk und Kraftübertragung geht es gerade so weiter und man ahnt bereits, ohne die Leistung von Triumph schmälern zu wollen: Eine schlau gewählte Klasse ist schon die halbe Miete zum Rekord.
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Triumph Bonneville Thruxton Geschichte Geschwindigkeit - Speed - Tempo Naked Bike Umbau Vereinigte Staaten von AmerikaFür die Jubiläumsveranstaltung setzten die Engländer gleich auf zwei vom kalifornischen Triumph-Händler South Bay vorbereitete Pferde. Mit einer Triumph Thruxton erreichte Alan Cathcart in der Klasse der straßenzugelassenen, unverkleideten Zweizylinder-Verbrennungsmotoren bis 1000 cm3 ohne Aufladung über den fliegenden Kilometer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 245,3 km/h (152,77 mph) und über die fliegende Meile von 245,2 km/h (152,68 mph) was jeweils den Rekord bedeutete. Mit 69 PS wäre das kaum zu stemmen gewesen, und so präsentiert sich die Thruxton denn auch nicht ganz serienkonform.
Der Hubraum wuchs mittels neuer 360-Grad-Kurbelwelle und größerer Zylinder von 865 auf 984 cm3, die Verdichtung stieg auf 10,8:1. Auf der Einlassseite wuchsen die Ventile um sechs, auf der Auslassseite um fünf Millimeter. Von 39er-Keihin-Flachschieber-Vergasern versorgt und mit durchsatzfreudigem Auspuff versehen, drückt der Twin satte 110 PS ans Hinterrad. Und um die auch auf den Boden zu bekommen, hängt vor dem Hinterrad ein knapp 20 Kilogramm schwerer Bleiklumpen. Denn Traktion ist Mangelware auf dem Salz, weshalb trotz stahlblauen Himmels und Temperaturen um 40 Grad gern auf Regenreifen zurückgegriffen wird.
Bei der zweiten Triumph war der Aufwand ungleich höher, sie startete in der Klasse der unverkleideten Zweizylinder-Verbrennungsmotoren bis 1000 cm3 mit Aufladung. Bei einem Ladedruck von 1,2 Bar presst der mittels eines IHI-Turboladers gepimpte Twin 230 PS auf die Prüfstandsrolle. Das reichte für ein Durchschnittstempo von 266,1 km/h (165,67 mph) über den fliegenden Kilometer und 265,6 km/h (165,41 mph) über die fliegende Meile und somit für zwei weitere Rekorde. Rundum gab es zufriedene Gesichter und eine neue Herausforderung: Nächstes Jahr soll die 200-Meilen-Marke (320 km/h) fallen.
Das Fahren auf dem salzigen Untergrund hat im übrigen seine eigenen Gesetze. So braucht es neben Streckenkenntnis auch eine gefühlvolle Gashand, um die Kraft auf den Boden zu bringen. Ja, richtig: Streckenkenntnis. So gerade der zehn Meilen lange Track auch ist, so ist er besonders gegen Ende der Rennwoche längst nicht mehr wirklich topfeben. Außer den Spuren der Rennfahrzeuge bilden sich ständig kleine Unebenheiten durch den Wind. Zudem arbeitet das Salz und hat je nach Feuchtigkeit und Temperatur unterschiedliche Tragfähigkeiten und Gripniveaus. Das liegt im Normalfall irgendwo zwischen nasser Wiese und Kopfsteinpflaster, weshalb viele Aspiranten mit Regenreifen antreten. Aus demselben Grund wird gern auf die vordere Bremse verzichtet. Platz zum Ausrollen gibt es ja mehr als genug.
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