Mega-Test Teil 1: Supersportler auf der LandstraßeDeutschland sucht das Superbike
Es ist Wahnsinn! Neun Supersportler aus vier Nationen kämpfen um die Superbike-Krone. In einem Test, wie es ihn noch nie gab. MOTORRAD lotet die Stärken und Schwächen im Alltag, auf der Rennstrecke und auf dem High-Speed-Kurs aus, um das beste Superbike von allen zu küren.
In diesem Artikel:
Ducati 1098 S, KTM 1190 RC8 R, MV Agusta F4 1000 S, Suzuki GSX-R 1000, Aprilia RSV4 R, BMW S 1000 RR, Yamaha YZF-R1, Kawasaki ZX-10R
Das Hochgeschwindigkeitsrondell an der Spitze des italienischen Stiefels. Der lange Weg dorthin. Eine famose Rennstrecke und das Kurvenparadies im Gargano. Wer Deutschlands Superbike werden will, muss viele Prüfungen bestehen. Im ersten Teil: die Alltagswertung.
War früher vielleicht doch vieles besser? Sagen wir vor fünfzehn Jahren. Wer Schlagerfuzzi werden wollte, trällerte damals selbstverständlich beim Eurovisions-Wettbewerb. Und wer sich einen Supersportler wünschte, besorgte sich ganz automatisch die Prospekte der vier japanischen Hersteller. Die Frage war: Darf es die 1000er-Yamaha sein oder die noch fettere GSX-R 1100. Welche Vorteile hat die leichte, radikale 900er-Fireblade? Und was bietet die recht zahme 9er-Kawasaki. Das wars, denn ein sündteurer Ducati-Twin kam ohnehin nicht in Frage.
Wie sich die Zeiten ändern! Heute steht das ratlose Publikum vor der unglaublichen Vielfalt von neun talentierten, grandiosen Hochleistungssportlern. Mehr als die Hälfte von ihnen stammt aus Europa. Spätestens beim Blick über diese Kandidatenvielfalt liegt auf der Hand: Nippons einstmals beschauliche Welt, geprägt von der Politik des "alle zwei Jahre immer ein kleines bisschen mehr", ist aus den Fugen geraten. Zum einen erreichte die europäische Offensive vielversprechender Nachwuchsstars spätestens mit dem Auftauchen von BMW ihren ersten vorläufigen Höhepunkt.
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Aprilia BMW Ducati Honda Kawasaki KTM MV Agusta Suzuki Yamaha 1098 S 1190 RC8 R F4 1000 S GSX-R 1000 RSV4 R S 1000 RR YZF-R1 ZX-10R SupersportlerZum anderen stiegen die Preise der Nippon-Connection in jüngerer Vergangenheit wechselkursbedingt in bisher nicht gekannte Höhen. Mit dem Resultat, dass selbst die italienische Diva mit großem Namen, die brandneue, hochelegante MV Agusta F4, nur noch rund 3000 Euro mehr kostet als der Altstar Yamaha YZF-R1, während die betörende Aprilia RSV4 R mit eigenständigem V4-Motor sogar gut 100 Euro billiger zu haben ist. Bis auf fünf Euro exakt den Preis der Yamaha verlangt man übrigens auch in München für den Shooting-Star der Saison, die BMW S 1000 RR. Ohne ABS, Traktionskontrolle und Schaltautomat, versteht sich, aber derlei kann ja auch die R1 nicht vorweisen. Dass die BMW in dieser Spar-Ausstattung aber vermutlich niemand kaufen wird, darf als weiteres eindeutiges Indiz dafür gelten, dass hier mächtig was in Bewegung geraten ist, was Japan weder auf dem Zettel hatte, geschweige denn in den Showräumen präsentieren kann.
Angesichts dieser unübersichtlichen Gesamtsituation scheint es angeraten, vor dem ersten Wettbewerb die neun Anwärter auf den heißbegehrten Titelt noch einmal kurz vorzustellen.
Aprilia RSV4 R: Betörendes, ultrakompaktes V4-Gerät mit leider denkbar schlechtem Start nach gebrochenen Pleueln und einer weltweiten Rückrufaktion.
BMW S 1000 RR: Bärenstarker bayerischer Ansatz nach japanischem Vorbild, ergänzt um innovative elektronische Assistenzsysteme.
Ducati 1198 S: Radikale V2-Pionierin mit Racing-Spirit, feinster Anmutung und edler Ausstattung zum stolzen Preis.
Honda Fireblade: Für diese Saison leicht modellgepflegte Version der einstigen Überfliegerin, die ABS im Sportmotorrad erst salonfähig machte.
Kawasaki ZX-10R: Japanisches Superbike alter Schule mit potentem Reihenvierzylinder.
KTM RC8 R: Variable, rennsportorientierte Ducati-Konkurrentin aus Mattighofen mit mächtigem V2, eigenständigem Design und vielen pfiffigen Lösungen.
MV Agusta F4: Die Wiedergeburt einer Ikone. Schön und stark und edel wie eh und je. Aber jetzt bezahlbarer.
Suzuki GSX-R 1000: Ein Ruf wie Donnerhall, aber ein wenig in die Jahre gekommen. Japanisches Superbike von altem Schrot und Korn.
Yamaha YZF-R1: Gemeinsam mit der Fireblade Trägerin des japanischen Innovationspreises. Revolutionärer, den erfolgreichen Rennvorbildern angelehnter Reihenvierzylinder mit 90 Grad Hubzapfenversatz, aber umstrittenen Design.
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