08.12.2009 Von: Sebastian Lang Erschienen in: 01/2010
PS

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Vergleichstest: Italienische Naked Bikes
MV Agusta Brutale 1090 RR und Ducati Streetfighter S

Traktionskontrolle, Einarmschwinge, italienisches Design, knapp 150 PS. MV Agusta Brutale 1090 RR und Ducati Streetfighter S spielen im selben Revier. Da liegt Streit in der Luft.
In diesem Artikel: MV Agusta Brutale 1090 RRDucati Streetfighter S

MV Agusta Brutale 1090 RR und Ducati Streetfighter S PS_01_2010_034 (jpg)
Zwei reinrassige italienische Streetfighter. Beide annähernd gleich viel PS, beide markante Züge. Wer von beiden wird die Nase im Zweikampf vorne behalten.

Während sich in Deutschland die Rockergangs Bandidos und Hells Angels erbitterte Kämpfe liefern, tobt im Süden Europas eine ganz andere Schlacht. Ducati und MV Agusta schicken ihre stärksten Nacktkämpfer auf die Straße, um die Vorherrschaft bei den italienischen Top Nakeds auszufechten.

Die Ducati Streetfighter S steht schon seit gut einem halben Jahr in den Diensten der Roten aus Bologna und legte sich bereits mit der KTM 990 SMR an (PS 7/2009). Bei diesem Test bezog die Ducati allerdings Prügel - sie harmonierte nicht mit dem Serienreifen Pirelli Diablo Corsa III. Wohl deshalb besohlte Ducati sie für diesen Test um auf Metzeler Sportec M3. Serienmäßig steht sie aber wohlgemerkt nach wie vor auf den Pirellis.

MV Agusta Brutale 1090 RR
Die Brutale lockt mit tollen Formen, Schmiedefelgen und edler Zweifarben-Lackierung.

Der zweite Kämpfer entstammt einem italo-amerikanischen Clan: MV Agusta und Harley-Davidson. Ebenfalls stark und durchtrainiert, verführt die neue Brutale 1090 RR darüber hinaus mit femininen Reizen. Wunderschöne Formen, liebevolle Details, perfekte Verarbeitung. Diese Schönheit lässt niemanden kalt. Allein die Schweissnähte ihres Gitterrohrrahmens sind ein Genuss fürs Auge. Gleiches gilt für die extravagante Exzenter-Verstellung der Fußrasten und die Dreifachklemmung der unteren Gabelbrücke. 2001 machte die Brutale erstmals die Straßen unsicher und war schon damals als 750er mit ordentlicher Spitzenleistung und betörendem Aussehen gesegnet. In den vergangenen neun Jahren blieb sie auf den ersten Blick äußerlich nahezu unverändert. Umso erstaunlicher, dass sie erstens ihre Betrachter nach wie vor mühelos um den Finger zu wickeln vermag und zweitens das 2010er-Modell insgesamt nur noch 15 Prozent ihrer Teile von 2009 in und an sich trägt.

MV Agusta Brutale 1090 RR
Viele Neuerungen bei der MV Agusta. Tiefere Sitzbank, längeres Heck und viele Einzelheiten.

Wer sich in Schlagdistanz zur MV begibt, erkennt nach einigem Hinschauen die Unterschiede: Die Sitzbank fällt etwas länger aus und ihr Heck bekam eine andere Form. Weitere sichtbare Änderungen betreffen die neue Instrumenteneinheit sowie die Spiegel mit integrierten LED-Blinkern, welche die neue Brutale schmücken. Weitere Modifikationen gibt die Italienerin erst nach einiger Recherchearbeit preis: Der Lenkkopf fällt mit 65 Grad ein halbes Grad flacher aus als bisher, die Schwinge verlor satte 1,2 Kilogramm und wuchs um 20 Millimeter, wodurch sich der Radstand um 28 auf 1438 Millimeter verlängert. Im neu konstruierten Motor, der entgegen der irreführenden Typenbezeichnung 1090 das Bohrung/Hub-Verhältnis der Vorgängerin übernimmt und damit seine Kraft weiterhin aus 1078 cm³ schöpft, arbeitet nun eine Ausgleichswelle. Zudem überarbeiteten die Italiener das Schmiersystem. Auch elektronisch rüstete MV sein Vorzeige-Naked Bike mit allerlei Gimmicks aus. So stehen der Kämpferin zwei unterschiedliche Mappings ("Sport" und "Rain") zur Verfügung, außerdem kommt bei ihr neuerdings eine achtstufige Traktionskontrolle zum Einsatz.

Ducati Streetfighter S
Grimmiger Blick und brachiale Kraft machen die Ducati aus.

Derweil baut sich die Ducati mit breitem Lenker und grimmigem Blick vor der Konkurrentin auf und fordert diese zum Kampf. Die Brutale lässt sich nicht lange bitten. Mit heiserem Fauchen erwacht ihr Triebwerk zum Leben. Die etwas schwergängige Kupplung gezogen, den ersten Gang ins ebenfalls etwas rustikal zu bedienende Getriebe gedrückt, und los geht‘s. Bereits bei niedrigen Drehzahlen schiebt die Brutale mächtig an. Sie demonstriert Stärke und hebt majestätisch ihr Vorderrad. Zweiter Gang, wieder reißt die Brutale aggressiv an und wirbelt vehement durchs gesamte Drehzahlband. Außer der überarbeiteten Motorcharakteristik ist vor allem die gut gewählte Getriebeübersetzung für diese beeindruckende Vorstellung verantwortlich. So brummt die Brutale ihrer Konkurrentin trotz Leistungsdefizit im Durchzug von 50-150 km/h satte zwei Sekunden auf - Welten auf winkligen Landstraßen. Der Pilot genießt das Temperament der Brutale, freut sich über den perfekt für die Landstraße abgestimmten Motor. Erst an der Tankstelle kommt leichter Frust auf: Die Signorina lässt sich ihr loderndes Feuer mit 9,4 Liter Super auf 100 Kilometer teuer bezahlen. Immerhin leidet dank des wohlgeformten 23-Liter-Tanks nicht die Reichweite unter dem großen Durst der Italienerin.

Lesen Sie auf der nächsten Seite > Ducati gegen MV Agusta Teil II


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