18.02.2010 Von: Markus Biebricher Erschienen in: 05/2010
MOTORRAD

Drucken | Senden | Kommentar | Bookmark


Unterwegs in Thailand
Endurotour durch den Dschungel Thailands

Vor zehn Jahren hat Motorrad-Scout Harry für den Bau einer Pipeline mit seiner Enduro das Gelände durch den thailändischen Dschungel erkundet. Heute nimmt er Sylvia Lischer (Text) und Gerhard Eisenschink (Fotos) mit auf die Trails, die auch Tigern gefallen.

Von der Küste Thailands geht die Tour Richtung Nordwest immer weiter in den Urwald. Bis Straßen kleinen Trails weichen müssen.

Hier geht's zur Foto-Show zur Thailandreise.

Lesen Sie in diesem Artikel:
1
Unterwegs in Thailand
2
Unterwegs in Thailand Teil 2

Der Autoverkehr pulsiert in Stop-and-go-Manier über sechsspurige Straßen. Mopeds brettern im Wettstreit mit wild bemalten Motorrad-Rikschas als inoffizielle siebte und achte Spur messerscharf an Bürgersteigen vorbei. Mobile Garküchen jagen über Kreuzungen, Wassertaxis sägen mit gigantischen Bugwellen durch Kanäle. Eine Yamaha XT 225 eiert an Händlern vorbei, die kunstfertig aufgetürmte Früchte auf klapprigen Handwagen durch den Straßenverkehr jonglieren. Ein ganz normaler Abend in Bangkok, eine Herausforderung für mich, die müde Enduristin aus Deutschland.

Mehr über ...

Asien  Motorradreisen  Thailand 

Dschungel-Scout Harry, hinter dessen Enduro ich mich durch die Straßenschluch-ten der Sieben-Millionen-Stadt kämpfe, nimmt es gelassen. Er kennt Thailand und die Mega-City Bangkok seit Jahren. Über 60 Stockwerke hohe Wohntürme ziehen im Augenwinkel vorbei, gefolgt von Mega-Malls mit Markenartikeln auf 19 Etagen. Dann taucht der Sky Train auf, eine auf Betonstelzen gebaute Hochbahn. Der Zug rast in wenigen Minuten von einem zum anderen Ende der Metropole. Trotzdem fliegen andauernd Helikopter die High Society vom Dach eines Wolkenkratzers zum nächsten.

Zwischenstopp im Wat Pho, einem von rund 400 buddhistischen Tempeln Bangkoks, in denen man dem Trubel des Großstadtdschungels eine Weile entfliehen kann. Dann lenken wir die Enduros in das Traveller-Viertel Thanon Kao San und gehen bei fritierten Wasserkäfern mit Soya-Dip die geplante Route in den echten thailän-dischen Dschungel noch einmal durch: Kanchanaburi, Sai-Yok-Nationalpark, Sankhla Buri, Drei-Pagoden-Pass und auf dem Rückweg die alte Königsstadt Ayutthaya.

Unterwegs in Thailand
Mit der Yamaha Serow hat man ein extrem agiles Motorrad, mit dem man überall hinkommt.

Während wir in Dschungelfantasien schwelgen, wummern Techno-Rhythmen aus den Kneipen und Tatoo-Shops ringsum. Holzfrösche quaken, Plastikschmetterlinge surren durch die Straße, gefolgt von "Mister Thailand im schrillbunten Girlandenwagen. Den Touristentrubel mit nahezu buddhistischer Gelassenheit ignorierend, erzählt Harry von seinen Erlebnissen im Jahr 1998, als er die Gegend um Kanchanaburi für den Bau einer Gaspipeline mit der Enduro ausgekundschaftet hat. Jetzt, über ein Jahrzehnt später, will er die Dschungel-Trails von einst nochmal unter die Stollenreifen nehmen.

Am nächsten Tag brettern wir von Bangkok über Ban Pong in Richtung Kanchanaburi - gemeinsam mit ungezählten Wochenendausflüglern, die sich in der 67000 Einwohner zählenden Stadt am Kwai-Fluss vom Moloch Bangkok erholen wollen. Mit Angelausrüstung und Booten bestückt, streben sie dem durch den Film "Die Brücke am Kwai weltberühmt gewordenen Mae Khwae - "River Kwai - ent-gegen. Zehn Kilometer vor Kanchanaburi tauchen linker Hand die ersten bizarren Berge auf: smaragdgrüne Karstklötze, die entlang der Grenze zu Burma einen markanten Gebirgszug bilden. Irgendwo dort muss die Gaspipeline verlaufen, in die Harry damals zusammen mit Kollegen viel Energie investiert hat.

 Reportagen und Tourentipps: alles über Motorradreisen

Kurz vor Kanchanaburi drehen wir von der Hauptroute ab und erkunden mal auf Pisten, mal auf holprigen Asphaltsträßchen das Gelände. Ein verwunschener Höhlentempel taucht auf, ein vergoldeter Riesenbuddha - und ein Ex-Logistikzentrum der Gaspipeline. Meine 22 PS starke "Serow - was übersetzt etwa "asiatische Bergziege" heißt - macht ihrem Namen alle Ehre und klettert behände über steinige Passagen.

Unterwegs_Thailand_070 (jpg)
Von kleinen Dörfern an der Granze zum Nationalpark geht's in den tiefen Urwald.

Am Abend in Kanchanaburi: Frösche quaken, Disko-Boote ziehen wummernd über den Kwai. Eine Eisenbahn zockelt herbei und kommt auf der berühmten "Brücke am Kwai zur Freude der umherstehenden Touristen quietschend zum Stehen. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier australische, niederländische und britische Kriegsgefangene von Japanern gezwungen, die so genannte "Todeseisenbahn zu bauen. Die unter großen menschlichen Verlusten erstellte Trasse sollte die logistische Ver-bindung zwischen Bangkok und Rangoon im benachbarten Burma gewährleisten. Verbindung zwischen Thailand und Burma? Mein Gott, die Pipeline! Los, weiter, die Spuren der Yadana-Pipeline suchen, die man von der Andamanensee in Burma bis hinüber nach Thailand in gut fünf Metern Tiefe vergraben hat - mit Harry als Dolmetscher und Motorrad-Scout für die Erkundung der Trasse.

Vorbei an orange gekleideten Mönchen, Reisfeldern und Soldatenfriedhöfen aus den Zeiten der Todeseisenbahn erreichen wir den Hellfire Pass: eine Gedenkstätte für rund 400 Kriegsgefangene, die hier beim Bau der "Death Railway ihr Leben ließen. Dann taucht der Sai-Yok-Nationalpark auf. Wo einst die Bau-Schneise der Yadana-Pipeline verlief, wuchern heute Reis, Mais und Gestrüpp. Harry sucht nach den Wegen von einst. Fragt die Leute nach dem Einstieg der Piste durch den Nationalpark. "Es gibt keinen Weg, sagen die Dorfbewohner. "Es gibt einen Weg, kontert Harry. Und findet ihn schließlich auch. Neben einem vermoderten Holzpfosten tut sich ein Durchgang auf, der einem Wildschwein-Trampelpfad gleicht. "Hier geht's rein, strahlt Harry - und brettert mit seiner Enduro vorneweg. Ich tuckere mit der "Bergziege hinterher. Der zunächst kaum handtuchbreite Dschungelpfad wird von den Dorfbewohnern nicht mehr genutzt und geriet so wohl in Vergessenheit. Gewaltige Spurrillen tun sich auf, die der Regen aus dem Erdreich herausgewaschen hat. Oft sind die Gräben so groß, dass nur eine reifenbreite Spur zum Umfahren übrig bleibt. Kilometer um Kilometer balancieren wir voran, Äste und Bambusrohre hängen so tief über der Piste, dass wir die Köpfe einziehen müssen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite > Unterwegs in Thailand Teil 2


(Ø 4.0) 1 Bewertung

Leserkommentare ()

alle Kommentare

Kommentar schreiben

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder
Name*:


Kommentar*: (max: 1000 Zeichen)


Absenden



User-Login
Aktuelle Blogeinträge
  • 17.12.2011
    Frust in Namibia
    Allgemein: Ich werde wahnsinnig. Der Deal war, unsere Fahrzeuge im Container in einer Woche von Point Noire nach Namibia zu bringen...
  • 25.11.2011
    Kamerun- Namibia
    Allgemein: Tja, das hört sich wie ein grosser Sprung an, mitnichten, wenn auch, was einige der zurückgelegten  Kilometer angeht,...
  • 22.10.2011
    Nigeria-Kamerum
    Allgemein: Calabar ist wesentlich entspannter als die meisten anderen Städte in Nigeria, so heisst es. Das überträgt sich schein...

Zum Blog

action team
Aktuell: Reportagen
Unterwegs: Türkei Unterwegs: Türkei
Mit dem Motorrad quer durch die Türkei
Unterwegs: Mit dem Motorrad durch Kalifornien Unterwegs: Mit dem Motorrad durch Kalifornien
Auf der Suche nach dem amerikanischen Traum
Unterwegs: Indien Unterwegs: Indien
Auf Royal Enfields durch Südindien
Gebrauchtmarkt
40320
Markenübersicht