Vergleichstest Sportreifen und Tourensportreifen
"Früher war ..."
... alles besser? Die gestandenen unter den PS-Testern erinnern sich wie jeder ältere Herr Moppedfahrer zwar gern an den seligen ME1 auf der Schleife. Tauschen möchten sie aber angesichts moderner Reifen bestimmt nicht mehr. Warum? Steht hier.
Scharraabb! Sanft kratzen die Fußrasten der 2008er-R1 den Asphalt. Kein schlechtes Gefühl. Und nicht gerade ein alltägliches. Auf der Landstraße jedenfalls sollte man den Wunsch danach tunlichst unterdrücken, weil wenn Fußrasten, dann wahrscheinlich kurz darauf alles. Hier jedoch, auf dem Dunlop-Testgelände im südfranzösischen Mireval, hier kann man solche Grenzen schon mal ausloten. Fakten? Das stolzschwellende Kratzgeräuch ertönt laut Data-Recording ab etwa 12,2 m/s² Querbeschleunigung, macht rechnerisch und ideal gut 51 Grad Schräglage, real sogar ungefähr 55, denn der breite Hinterreifen läuft satt aus der Mitte und legt die Yam dadurch schräger, als es das reine Verhältnis aus Quer- und Erdbeschleunigung verlangen würde.
Jetzt könnte man sagen: Rennstrecke, na klar! Nur dass hier keine Rennreifen getestet werden, sondern mehr oder weniger brave Alltagspneus: Gruppe 1 firmiert unter tourensportlich, Gruppe 2 unter sportlich, aber beide für StVO/StVZO mit ABE. Allerweltstypen mit Breitbandnutzwert, morgens zum Bäcker, mittags im Regen und abends auf den Ring, alles dabei. Nicht einmal PS hätte in dieser Gruppe mit solchem Heizpotenzial gerechnet ein gewisser Herr Dähne wäre mit manchem dieser Tourensportler an einem gewissen Tag 1993 mit einer gewissen RC 30 (jaja, mit 17 Zoll hinten) wahrscheinlich sogar schneller um eine gewisse Strecke gefahren, als damals Legenden-bildend geschehen.
Wie im Reifentest 2007 schöne Stichworte, um uns Deutsche und unsere Gewohnheiten zu hinterfragen: Anders als in Rest-Europa packen wir auf jedes Supersport-gelabelte Bike der große Shootout weiter vorn im Heft wimmelt davon auch supersportliche Reifen drauf. Genau, Helden wie wir brauchen das und so. Zugegeben: Bikes und Reifen wurden nicht vor dem Hintergrund von Alltags-Kompromissen erdacht. Nur gibt es einen entscheidenden Unterschied: Supersport-Moppeds lassen sich problemlos langsam fahren, Supersportreifen nicht. Und leider fahren wir im Alltag meistens gar nicht so schnell, dass die Supersportpellen auch nur Betriebstemperatur erreichen. Eeeecht? Jawohl, auch du nicht, und du nicht, wir von PS auch nicht.

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