AJS 350 7R Boy Racer 350er Einzylinder-Rennmaschine

Für schnelle Jungs stellte AJS 1948 den Boy Racer vor. Die 350er-Einzylinder-Rennmaschine machte sich im Sport einen Namen und den Rennern von Norton und Velocette starke Konkurrenz.

Foto: Beuttenmüller

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts gründete Albert John Stevens im englischen Wolverhampton die Motorradfirma AJS. Die versuchte schon bald durch Rennerfolge den Ruf der Marke zu stärken. Und auch als Matchless 1931 die Firma übernahm und ab 1937 in dem Firmenverbund AMC (Associated Motor Cycles) aufging, zu dem später auch Norton gehören sollte, entstanden weiterhin Rennmodelle unter dem Markennamen AJS. So zum Beispiel ein 350er-Single mit der Bezeichnung 7R. Die hatte bereits 1927 eine obenliegende, über Kette getriebene Nockenwelle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich der AMC-Konzern werksseitig mit einem 500er-Zweizylinder, der Porcupine, in der Weltmeisterschaft und errang unter Leslie Graham prompt den ersten Titel der Königsklasse. Aber auch für die Privatfahrer legte AMC im Frühjahr 1948 unter dem Markenlogo von AJS eine 350er-Rennmaschine mit der Bezeichnung 7R auf und trat damit in direkte Konkurrenz zu Norton und Velocette. Wie das Vorkriegsmodell hatte der Boy Racer genannte Einzylinder eine über Steuerkette getriebene, obenliegende Nockenwelle. Die betätigte über Kipphebel die beiden Ventile. Im Gegensatz zum direkten Konkurrenten, der Norton Manx 350 mit Königswelle und zwei obenliegenden Nockenwellen, war die Konstruktion zwar erheblich einfacher aufgebaut, aber kaum weniger effektiv und mit dem voll gekapselten Ventiltrieb zudem moderner.

Während seiner Bauzeit erfuhr der Boy Racer eine stetige Weiterentwicklung. Das Urmodell von 1948 hatte ein Fahrwerk mit 21-Zoll Vorder- und 20-Zoll Hinterrad. Der  Motor war mit 74 mm Bohrung und 81 mm Hub langhubig ausgelegt und leistete 30 PS bei 7000/min. Neben ständigen Detailverbesserungen entstand für die Saison 1953 ein modernisiertes Fahrwerk. 19-Zoll-Räder ersetzten die alten Größen. Ein schmalerer Rahmen und ein neugestalteter Tank veränderten das Erscheinungsbild. Modifikationen am Motor steigerten die Leistung auf 35 PS bei 7500/min. 1956 änderten sich Bohrung und Hub mit 75,5 und 78 mm. Dank höherer Verdichtung und überarbeitetem Ein- und Auslasstrakt entlockten die AJS-Techniker dem Single nun  38 PS bei 7200/min.

1957 mussten die hauseigenen Federbeine Bauteilen von Girling weichen, und für die 58er-Saison standen etliche Änderungen an. Das hauseigene AMC-Renngetriebe samt Kupplung ersetzte die Burman-Box. Äußerlich war das neue Modell an dem spitz nach hinten auslaufenden Sitzhöcker und der Lenkerverkleidung aus GFK zu erkennen. Mit einem nochmals stark überarbeiteten Motor und einem Amal GP-Vergaser standen nun 40,5 PS bei 7800/min zu Buche. Und auch in den folgenden  Jahren blieb die Entwicklung im Detail nicht stehen. Doch im Herbst 1962 folgte die überraschende Ankündigung, die Fertigung sämtlicher Rennmaschinen einzustellen.

Betroffen war nicht nur der Boy Racer, sondern auch die Norton Manx und die Matchless G 50. Erst Ende 1958 hatte AMC die Matchless G 50 mit 500 cm³ als größeren Bruder zum Boy Racer vorgestellt. Bis auf die größere Bohrung von 90 mm und die rote Tanklackierung mit silberner Linierung glichen sich die beiden Modelle bis ins Detail.

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Foto: Beuttenmüller

Die Einstellung der Produktion war für die Privatfahrer ein schwerer Rückschlag. Doch beide Modelle sollten noch lange im internationalen Rennzirkus mitspielen und sind heute in der Veteranenszene so gefragt, dass bereits Nachbauten den Markt bereichern. 

Als wolle unser Fotomodell sein Alter verschleiern, ist sein Jahrgang nicht eindeutig  zu definieren. Während der Tank und die Lenkerverkleidung auf das letzte Modell von 1961 hinweisen, ordnen Merkmale wie das Burman-Getriebe, die Sitzbank oder die Federbeine das britische Rennbike dem Jahrgang 1956 zu.

Motorradsammler Manfred Öchsle hat den Boy Racer 1991 in zerlegtem Zustand erstanden , bis er sich entschloss, den Rennklassiker zusammenzubauen und ihn 1994 bei seinem ersten Einsatz beim VFV-Lauf in Schleiz seiner einstigen Bestimmung zuzuführen. Heute genießt die AJS wieder ihren wohlverdienten Ruhestand.

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Foto: Beuttenmüller

Technische Daten

Motor:
Einzylinder-Viertaktmotor, zwei Ventile, eine obenliegende Nockenwelle, Kipphebel, Bohrung 75,5 mm, Hub 78 mm, Hubraum 349 cm³, Verdichtung 10,8:1, 38 PS bei 7200/min, ein Amal TT-Rundschiebervergaser, Mehrscheiben-Trockenkupplung, klauengeschaltetes Vierganggetriebe, Kettenantrieb

Fahrwerk:
Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Zweiarmschwinge, zwei Federbeine, Simplex-Trommelbremsen vorn und hinten, Aluminium-Hochschulterfelgen, Reifen 3.00 x 19 vorn, 3.25 x 19 hinten, Tankinhalt 24 l, Gewicht 145 kg

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