Aprilia RS 125 und Aprilia Tuono 125 im PS-Fahrbericht Moto4

Schon klar, es gibt keine kleinere Klasse als Moto3 im Grand Prix-Zirkus. Doch wenn es sie gäbe, wäre die Aprilia RS 125 ein heißer Kandidat dafür.

Euro 4 bringt auch für die 125er-Klasse einige Änderungen. Die wichtigste besteht in der Verpflichtung der Hersteller, auch 15-PS-Motorräder für die Führerscheinklasse A1 mit ABS oder zumindest einem Verbundbremssystem auszurüsten. Es ist lobenswert, dass sich Aprilia entschlossen hat, der RS 125 und der Tuono 125 ein Einkanal-ABS von Bosch zu spendieren. Einkanal bedeutet, dass der Blockierverhinderer nur aufs Vorderrad wirkt. Man darf sich nicht davon täuschen lassen, dass auch das Hinterrad einen Sensor zur Erfassung der Raddrehzahl trägt. Mit seiner Hilfe bestimmt die Elektronik die Wahrscheinlichkeit eines abhebenden Hinterrads bei einer Vollbremsung und nimmt den Bremsdruck zurück, bevor sich die leichten Hüpfer samt Fahrern nach vorne überschlagen.

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Bevor ich überhaupt auf die Idee kam, das ABS ernsthaft auszuprobieren, zogen mich die kleinen Aprilias jedoch auf andere Weise in ihren Bann. Auf der Teststrecke des Baden Driving Center galt es, Fahrlinien, Schalt- und Bremspunkte zu optimieren. Vor allem aber möglichst wenig Kurvenspeed zu verschenken und so früh das Gas aufzureißen, wie nur möglich. Ein Riesenspaß, der eine wichtige Erkenntnis erneuerte: Kleine Motorräder erziehen zu einem präzisen Fahrstil. Das gilt erst recht für die Aprilias, weil der kurz­hubige Einzylinder ordentlich Drehzahl braucht, um sein Potenzial zu entfalten. Schön, sich dieser Aufgabe mal wieder zu stellen in unseren leistungsverwöhnten Zeiten.

Schön, auch mal wieder zu genießen, wie solch ein schmal bereiftes "Rennerle" schon auf den Hauch vom Hauch eines Lenkimpulses in Schräg­lage klappt. Die Tuono mit ihrem breiten Rohrlenker kann das sogar noch um eine Winzigkeit leichtfüßiger als die RS, die dafür mehr Druck aufs Vorderrad und ein besseres Gefühl für den Grip des Vorderreifens bringt.

Davon bot das Mitas-Gummipärchen, MC 25 Bogart genannt, in den kühlen Vormittagstunden nicht allzu viel. Besser wurde der Grip nachdem die Sonne sich durchgesetzt und den Asphalt erwärmt hatte. Das mahnt zur Vorsicht bei Kälte und Nässe.

Das einfache ABS funktioniert ausgezeichnet

Was die Abstimmung von Gabel und Federbein betrifft, bewegen sich die Aprilias eher auf der weichen, mild gedämpften Seite. Das ist auch grundsätzlich in Ordnung; in der Regel bringt die Zielgruppe ja auch weniger Gewicht aufs Motorrad als der Tester mit voll ausgereifter Statur. In Sachen Ansprechverhalten kann die Federung jedoch noch zulegen, und bei der Gabel ist das mit zunehmender Laufleistung auch wahrscheinlich. Die RSsen und Tuonos waren gerade mal eingefahren.

Die Bremsanlage überstand in einem ersten Testzyklus eine Reihe von Vollbremsungen bis zum Stillstand ohne zu schwächeln. Die Regelintervalle des ABS waren zu spüren, setzten aber nicht hart ein, sondern sehr fein moduliert. Im nächsten Schritt ging es über einen äußerst rutschigen Belag, vorsichtig zunächst und dann mit über 80 km/h Anfangsgeschwindigkeit. Es war auf dem glatten Parkett nicht möglich, auch nur in leichter Schräglage zu bremsen, doch bei Geradeausfahrt steuerte die Elektronik die Blockierer sauber aus, ohne dass das Vorderrad aus der Spur geriet. Zu guter Letzt durfte das ABS zeigen, wie die Überschlagserkennung funktioniert, und auch diese Prüfung bestand es bei einem Reibwertsprung vom Rutschigen ins Griffige souverän. Die spektakulär gestylten Aprilias sind also nicht nur faszinierende, sondern auch seriöse kleine Motorräder.

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