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Aprilia Tuono V4R APRC ABS im Fahrbericht Simulierter Alltagsbetrieb auf nasser Rennstrecke

Es regnete. Mal kräftiger, mal leichter, doch die Piste der Teststrecke von San Martino del Lago in der Nähe von Cremona blieb stets nass. Das ist wichtig, weil es die Fahreindrücke von der Aprilia Tuono V4R APRC ABS stark bestimmt.

Um die Runden mit ihr nicht zum unkalkulierbaren Risiko zu machen, hatten die fleißigen Pirelli-Techniker Renn-Regenreifen aufgezogen. Die bieten sensationellen Grip im Nassen, beeinträchtigen jedoch Lenkpräzision und Geradeauslauf. Zugleich rücken bei Regen Eigenschaften des Motors in den Vordergrund, die auf der Rennstrecke im Trockenen kaum ins Gewicht fallen, den Alltagsbetrieb mit der Aprilia Tuono V4R APRC ABS aber gut simulieren.

Wie gestalten sich die Lastwechsel der Aprilia Tuono V4R APRC ABS, wie zieht der Motor bei niedrigen Drehzahlen, wie entfaltet sich die Leistung beim Hochdrehen? Analog zur RSV4 hat die nochmals überarbeitete Tuono-Variante des Aprilia-Motors in dieser Beziehung enorm an Reife gewonnen, ohne an Agilität und klanglichem Reiz einzubüßen. Im Sport-Modus – der scharfe Fahrmodus heisst „Track“ – lässt sie sich am Scheitelpunkt der nassen Kurven sanft ans Gas holen und zieht tief brummend kräftig vorwärts. Gut beherrschbar legt der V4 an Leistung zu, kurz vor dem fünfstelligen Bereich wird er sehr energisch. Dann muss beim Hinausbeschleunigen auf die lange Gerade trotz Nässe auch gelegentlich die Wheeliekontrolle eingreifen.

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Geradeauslauf ist der kritische Punkt bei der Tuono

Kurz darauf ist der Lenkungsdämpfer gefragt. Verstärkt durch die Regenreifen, sorgen Bodenwellen, eine niedrige Kuppe mitten auf der Geraden, die Leistung der Aprilia Tuono V4R APRC ABS und die vom breiten Lenker ver­ursachte Schwierigkeit des Fahrers, sein Gewicht nach vorn zu verlagern, für ungutes Rühren in der Lenkung. Um dieses zu mildern, haben die Aprilia-Mechaniker für diese Testfahrt, und nicht nur in Verbindung mit den Regenreifen, Dämpfer von Öhlins montiert, die eigentlich der Factory vorbehalten sind. Deshalb sei die Prognose gewagt: Der Geradeauslauf dürfte auch mit Serienreifen der neuralgische Punkt der Tuono bleiben.

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Foto: Aprilia
Beim sportlichen Fahren fordert sie nicht weniger Körpereinsatz als eine RSV4 – in Form engagierter Gewichtsverlagerung.
Beim sportlichen Fahren fordert sie nicht weniger Körpereinsatz als eine RSV4 – in Form engagierter Gewichtsverlagerung.

Zu ihren großen Stärken gehören die Bremsen. Reaktionsschnell trotz Nässe, bissig, aber gut dosierbar und von einem fein regelnden ABS moduliert, flößen sie dem Fahrer unbedingtes Vertrauen ein. Auch die übrigen Komponenten der APRC (Aprilia Performance Ride Control), also Traktionskontrolle, Wheeliekontrolle und die Kontrolle des Motorbremsmoments im Schiebe­betrieb, arbeiten diskret und wirkungsvoll.

Nach einiger Gewöhnung an die Bedingungen nutzt man die elektronischen Helfer ganz unbefangen. Beim Anbremsen, beim Einkuppeln nach mehrgängigem Zurückschalten, beim Beschleunigen – irgendeine „Control“ arbeitet immer. Und hilft dem Fahrer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Strecke und das, was als Nächs­tes kommt. Ganz billig ist dieses Privileg allerdings nicht; inklusive Nebenkosten ist die Aprilia Tuono V4R APRC ABS für 15.490 Euro zu haben.

Das Video zum MOTORRAD-Testride

Video: MOTORRAD-Testride: Aprilia Tuono V4R APRC ABS.
Foto: Aprilia
Die Monobloc-Bremszangen M 432 von Brembo.
Die Monobloc-Bremszangen M 432 von Brembo.

Das ist neu

Motor und Getriebe
Innere Reibung und Pumpverluste verringert, geänderte Steuerzeiten, längere Ansaugtrichter, mehr Schwungmasse, mehr Leistung und Drehmoment, die ersten drei Gänge kürzer übersetzt.

Fahrwerk
Neue Gabel von ZF/Sachs, komfortablere Abstimmung von Gabel und Federbein.

Bremse
Monobloc-Bremszangen M 432 von Brembo, neues Bosch-ABS 9 MP mit drei verschiedenen Mappings.

Ausstattung
Größerer Tank (18,5 Liter), neue Sitzbank, Wheelie- und Traktions­kontrolle überarbeitet.

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-65-Grad-V-Motor, je zwei obenliegende, zahnrad-/kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 48 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 420 W, Batterie 12 V/9 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung (Anti-Hopping), Sechsganggetriebe, O-Ring-­Kette, Sekundärübersetzung 42:16.
Bohrung x Hub: 78,0 x 52,3 mm
Hubraum: 1000 cm³
Nennleistung: 125,0 kW (170 PS) bei 11 500/min
Max. Drehmoment: 112 Nm bei 9500/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Lenkungsdämpfer, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Fest­sättel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Zweikolben-Festsattel, ABS, Traktionskontrolle.
Alu-Schmiederäder3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen120/70 ZR 17; 190/55 ZR 17

Maße und Gewichte
Radstand 1445 mm, Lenkkopfwinkel 63,0 Grad, Nachlauf 107 mm, Federweg v/h 120/130 mm, Sitzhöhe 826 mm, Trockengewicht 185 kg, Tankinhalt/Reserve 18,5/4,0 Liter.

Garantie: zwei Jahre
Farben: Grau, Gelb, Schwarz
Preis inkl. Nebenkosten: 15.490 Euro

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