Auf Achse: Maico MD 250 WK Sportliche Konkurrenz für Japaner

Mit der MD 250 WK wollte Maico 1978 der japanischen Konkurrenz noch einmal die Stirn bieten. Die sportliche Straßenmaschine hätte beinahe das Zeug dazu gehabt.

Foto: Wolf

Was wäre gewesen, wenn sich der Maisch-Clan nicht zerstritten, wenn Maico seine Modelle konsequent für den Markt entwickelt hätte und wenn das Unternehmen nicht in Konkurs geraten wäre? Vielleicht würde das Traditionsunternehmen heute noch in Pfäffingen Motorräder produzieren. Doch das ist Spekulation. Tatsache ist, dass die MD 250 WK damals modernen Motorradbau mit althergebrachten technischen Lösungen vereinte und dass MOTORAD CLASSIC eines der letzten Exemplare auf den Sträßchen rund um ihren Entstehungsort Probe fahren durfte.

Ein kleiner Drahtbügel, der aus der Gummiabdeckung des Vergasers ragt, betätigt den Choke. Er muss angehoben und zur Seite umgelegt werden. Der Motor hat ordentlich Kompression. Einige kräftige Tritte auf den links angebrachten Kickstarter, und der Zweitakter dengelt unruhig los, hüllt seine Umgebung in blauen Dunst. Mit etwas Gas hindere ich ihn daran, wieder abzusterben und fahre vom Hof. Nur wenige Minuten braucht der Motor, bis er warmgefahren und der Choke überflüssig ist. Ab dem Ortsende darf die MD ihr wahres Gesicht zeigen. Munter dreht der Zweitakter hoch, bettelt geradezu nach Drehzahlen. Auf jeden Dreh am Gasgriff reagiert er spontan.

Ruhiges Dahinzuckeln bei niedrigen Touren ist nicht sein Ding. Das quittiert er mit meckerndem, unrundem Lauf und klappernder Antriebskette. Einer nach dem anderen „knacken“ die Gänge des Ziehkeilgetriebes in Position, die Schaltwege sind kurz, aber hakelig, und schneller als erwartet ist das zulässige Landstraßentempo überschritten. Fast spielerisch lässt sich die Maico von mir dirigieren und um Ecken scheuchen, ihr sportlich-straffes Fahrwerk unterstützt flottes Fahren. Schmales Straßengeschlängel macht mit ihr am meisten Spaß, das ist ihre Domäne. Die 132 Kilogramm bereiten den 27 PS wenig Mühe, und so manche leistungsstärkere Maschine hatte damals gegen die flinke MD das Nachsehen. Doch Fahrspaß allein hat noch keinen Blumentopf gewonnen.

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Foto: Wolf

Die stark vibrierende 250er war kein Verkaufsschlager. Ihr Baukasten-Design wirkte gegen die japanischen Modelle antiquiert,  auch technisch war sie nicht mehr auf dem neuesten Stand. Die zweitaktende Konkurrenz aus Fernost schmierte schon länger getrennt und schaltete mit Klauengetrieben. Hinzu gesellten sich an der MD 250 WK Probleme mit rutschenden Kupplungsbelägen sowie Kolbenklemmer. Und Wasserpumpen, die den Dienst quittierten, verärgerten die Besitzer. Statt die bekannten Mängel zu beheben, rief Maico 1981 einen Markencup mit der 250er ins Leben.

Techniker modifizierten 50 Maschinen mit Verkleidung, Aluminiumtank, Höckersitzbank und Stummellenker, und frisierten den Motor auf 37 PS. Die Rennserie sollte auch den Verkauf der Straßenmaschine ankurbeln, von der das Unternehmen bis 1981 gerade einmal 300 Exemplare abgesetzt hatte. Der Plan scheiterte jedoch. Geschäftsführer Otto Maisch stoppte zum Jahresende die Rennen und verkaufte die Rechte daran. Wieder mussten die Gebrüder Maisch eine herbe wirtschaftliche Niederlage einstecken.

Bis 1983 produzierte das Werk nicht einmal 500 Stück seines großen Straßenmotorrads. Zuletzt stand es als Ladenhüter bei den Händlern im Schaufenster – so auch die gefahrene Maschine. Deren Rahmen trägt übrigens die Nummer 466. Ihr Vorbesitzer hatte sie in den 1980er-Jahren günstig bei einem Händler erworben. Doch hatte auch sie durch die lange Standzeit im Verkaufsraum eine defekte Wasserpumpe erlitten, ihr Motor lief mehr schlecht als recht. Bald stand sie wieder und wartete – bis ihr Besitzer sie inserierte.

Harald Muske kaufte sie unbesehen. Als er sie abholte, wies der Tacho gerade 38 Kilometer auf. Abgesehen von einer dicken Staubschicht befand sie sich optisch in einem recht guten Zustand. Lediglich der Tank zeigte sich innen stark von Rost befallen und musste instandgesetzt werden. Muske implantierte eine neue Wasserpumpe und dichtete den Zylinderkopf ab. Mehr war nicht zu tun.

Mittlerweile hat sie fast tausend Kilometer problemlos abgespult. Um in der Ecke zu stehen, ist die wassergekühlte 250er einfach zu schade. Sie markierte das Ende der Straßenmotorräder von Maico. Von da ab entstanden in Pfäffingen bis zum Konkurs des Unternehmens nur noch Geländemaschinen.

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Foto: Wolf

Technische Daten

Motor
Bauart Wassergekühlter Einzylinder-Zweitakt-Motor, drehschiebergesteuert
Bohrung 76 mm
Hub 54 mm
Hubraum 245 cm3
Verdichtung 11,7 : 1
Leistung 27 PS bei 7000/min
Drehmoment 29 Nm bei 6400/min
Gemischaufbereitung Bing-Schiebervergaser, Ø 32 mm, Mischungsschmierung
Mischungsverhältnis 1:50, mit Maico-Spezialöl 1:100
  
Elektrische Anlage
Starter Kickstarter
Zündung Bosch RCPK1-Zündung, kontaktlos
  
Kraftübertragung
Kupplung Mehrscheibenkupplung, im Ölbad
Getriebe Sechsgang, ziehkeilgeschaltet
Sekundärantrieb Kette
  
Fahrwerk
Rahmenbauart Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr
Radführung vorn
 Marzocchi-Telegabel, Ø 32 mm
Radführung hinten Stahlschwinge mit zwei Koni-Federbeinen
Federweg vorn/hinten 120/105 mm
Räder
 Gussräder, 1.85 x 18
Reifen vorn 3.00-18
Reifen hinten 3.25-18
Bremse vorn Brembo-Einzelscheibe mit Magura-Pumpe Ø 260 mm
Bremse hinten Brembo-Einzelscheibe Ø 260 mm
  
Maße und Gewichte
Gewicht 132 kg
Tankinhalt 16,5 Liter
  
Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit 155 km/h
0–100 km/h 7,2 s
  
Preis 4852 Mark (1980)
  
Hersteller Maico-Fahrzeugfabrik GmbH, Pfäffingen

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