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Auf Achse: Peugeot P 105 Löwenanteil

In Frankreich ist dieses Motorrad berühmt, in Deutschland aber ist Dieter Stracks P 105 S, Baujahr 1934, die einzige zugelassene. Wir erleben ein Stück französische Motorradgeschichte.

Foto: Wolf

Peugeot. Klar: Autos fallen einem dazu ein. Vielleicht noch Pfeffer- und Salzmühlen, denn die Mahlwerke von Peugeot genießen überall auf der Welt Kultstatus. Manchmal begegnet einem auch ein Roller auf dem das Markenzeichen, ein Löwe, der französischen Marke zu sehen ist. Aber Motorräder? Doch, und sogar viele: Peugeot war einst, nach Stückzahlen gerechnet, nicht nur der größte französische Motorradhersteller, sondern kann auch mit einer uralten Zweiradtradition aufwarten. Bereits 1899 startete das Unternehmen die Produktion von motorisierten Zweirädern und produzierte ab 1905 sogar Zweizylinder mit 350 bis 1000 cm³. Als erfolgreicher Zulieferer versorgte Peugeot viele europäische Hersteller mit Einbaumotoren.

Selbst mit sportlichen Meriten konnte der Hersteller glänzen: 1907 gewann Rem Fowler in der Zweizylinderklasse die erste Tourist Trophy auf einer Norton mit Peugeot-Motor. Auch in den folgenden Jahren errang die Marke mit dem Löwen zahlreiche Rennsiege.

In klassischer Tradition: erst Fahrräder, dann Einbaumotoren, dann Motorräder. In den 20er- und 30er- Jahren stand der Normalkunde vor einer ganzen Palette solider Mittelklasse-Modelle. Alle Modellnamen begannen mit einem "P", daran schloss sich eine dreistellige Zahl an. Die Baureihe P 105 startete 1927, ging bis zum Jahr 1936 und bezeichnete eine 350er. Sie war das Spitzenmodell der Marke, bis 1933 mit der P 115 eine 500er die neue Speerspitze bildete.

 

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Foto: Wolf

Weiterentwicklung, Technische Daten

Ein leichter Grauschleier hat sich im Lauf der Jahre über die Zusatzbezeichnungen der einzelnene Modelle nach der Zahlenkombination gelegt. Laut dem Deutschen Peugeot-Register handelt es sich bei dem hier gezeigten Exemplar um eine 105 S. Es könnte aber auch eine DTS sein, "DT" steht für die doppelte Auspuffanlage. Die gab es ab 1932, sozusagen als letzte Ausbaustufe der P 105-Reihe. Die hochgezogene Doppelportanlage brachte zwar nicht mehr Leistung, sah jedoch sportlich aus.

Letztlich verlangten die Kunden aber nach noch mehr Dampf. Deshalb gab es nach dem Erscheinen der 500er auf deren Basis schnell auch eine 350er. Die komplett neue Motorkonstruktion besaß einen gekapselten Zylinderkopf. Damit existierten vor dem Zweiten Weltkrieg drei verschiedene 350er-Motoren: einen seitengesteuerten und zwei mit hängenden Ventilen, sie trieben mindestens acht Motorrad-Varianten an.

In "Das MOTORRAD" vom 16. November 1929 war zu lesen: "Der französische Konstrukteur liebt es, ohne Rücksicht auf die Fabrikation zu konstruieren. Ein Musterbeispiel an unwirtschaftlicher Konstruktion ist die Firma Peugeot." Was dem Kunden ja eigentlich egal sein kann, wenn das Produkt stimmt.

In den ersten Jahren der Peugeot 105 war dies durchaus der Fall, doch Ende der 1950er-Jahre schienen es immer weniger Kunden so zu empfinden: 1959 stellte Peugeot die Motorradproduktion ein.

Peugeot P 105 S

Motor: Luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, eine unten liegende Nockenwelle, zwei Ventile pro Zylinder, über Stoßstangen und Kipphebel betätigt, Bohrung 72 mm, Hub 85 mm, Hubraum 346 cm³, 10 PS bei 4000/min, Rundschieber-Vergaser

Elektrische Anlage: Kickstarter, 6-V-Batterie, Magnetzündung, Gleichstrom-Lichtmaschine

Kraftübertragung: Mehrscheiben-Ölbadkupplung, klauengeschaltetes Dreiganggetriebe, Primärtrieb: Kette, Sekundärantrieb: Kette
    
Fahrwerk: Einschleifenrahmen aus Stahlrohr, unten offen, Triebwerk mittragend vorn Parallelogrammgabel, hinten Starrrahmen, Drahtspeichenräder, Reifen vorn und hinten 27 x 4.00, vorn und hinten Simplex-Trommelbremse, Ø 160 mm
   
Maße und Gewicht: Radstand 1370 mm, Gewicht 152 kg, Tankinhalt 10 Liter

Fahrleistungen: Höchstgeschwindigkeit 110 km/h
    
Hersteller: Cycles Peugeot, Montbéliard, Frankreich

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