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Beta-Sportenduros 2017.

Beta-Sportenduros des Modelljahres 2017 im Fahrbericht Frisches Enduro-Material aus Florenz

Die Beta-Sportenduros lassen sich von den Platzhirschen KTM und Husqvarna nicht unterkriegen. Fahrbericht der 2017er-Modelle.

Die Frage könnte für ein Trivial Pursuit taugen: Was eint Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und Beta-Besitzer Lapo Bianchi? Antwort: die Politik der ruhigen Hand. Während Schröder damit die deutsche Politik dirigierte, lenkt Bianchi seit Jahrzehnten auf behutsame Weise die Modellentwicklung in seinem italienischen Familienbetrieb. Der Erfolg gibt dem Enkel des Firmengründers recht. Die Marke Beta genießt Vertrauen, die Absatzzahlen steigen kontinuierlich.

Im Jahr 2010 präsentierten die Beta-Techniker ihren eigenen Viertakt-Enduromotor, adaptierten nach einem Versuchsjahr in der 350er erst für das Modelljahr 2016 an allen vier Singles (350, 390, 430 und 480 cm³) eine Benzineinspritzung. Insofern wundert es nicht, dass die Mannen aus der Nähe von Florenz für die kommende Saison vor allem das Erreichte bewahren. Die Liste der Modifikationen für das Modelljahr 2017 bleibt überschaubar. Oder positiv ausgedrückt: Der Offroad-Freund weiß auch künftig, was ihn auf einer Beta erwartet.

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Singles glänzen mit exzellenter Dosierbarkeit

Beispielsweise der betont geschmeidige Motorlauf bei niedrigen Drehzahlen. Klassenübergreifend glänzen die Singles mit exzellenter Dosierbarkeit, spielen diesen Trumpf vor allem auf kniffligem Terrain aus. Auf endurotypischen Singletrails bieten die Eintöpfe bergauf satte Traktion. Bergab geben sich die mit einer Einspritzung des französischen Zulieferers Synerject ausgestatteten Motoren ebenso gut erzogen.

Im Schiebebetrieb öffnet ein Steppermotor die Drosselklappe geringfügig, reduziert damit das Schleppmoment (Motorbremse) spürbar. Während der 350er-Treibsatz insgesamt behutsam zu Werke geht, dürfte für das Gros der Piloten der 390er- beziehungsweise 430er-Treibsatz zur ersten Wahl avancieren. Der kräftigere Antritt hilft, die Front mit einem Gasstoß zu entlasten oder das Bike vehementer aus den Anliegern zu katapultieren. Die Beta RR 390 zeigt sich laufruhiger, die einen Tick rauer laufende Beta RR 430 dafür noch etwas kräftiger. Die Beta RR 480 brauchen wohl nur Ambitionierte in der größten Hubraumklasse traditioneller Endurowettbewerbe (E3).

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Preislich bleibt alles beim alten

Zumal auch das Fahrwerk den sanften Charakter der Motoren aufnimmt. Komfortabel agieren die Sachs-Federelemente. Wenn diese Auslegung für den Einsatz auf der Motocross-Piste – dem Trainingsareal der meisten Offroad-Piloten – auch nicht genügend Reserven bieten dürfte, blühen die Betas auf artgerechtem Terrain auf.

Die Gabel schnupft kleinste Kanten sensibel auf und macht gemeinsam mit dem etwas härter ausgelegten Monoshock den Ritt durchs Unterholz nach wie vor zur Paradedisziplin der Italienerin. Doch nicht nur charakterlich bleiben sich die neuen Beta-Viertakter treu. Auch preislich bleibt alles beim Alten, damit liegen sie etwa 600 Euro unter der Konkurrenz aus Österreich.

Foto: Beta
Selbst ist der Mann: Nach Einbaumotoren von KTM verwendet Beta seit dem Jahr 2010 hauseigene Viertakter.
Selbst ist der Mann: Nach Einbaumotoren von KTM verwendet Beta seit dem Jahr 2010 hauseigene Viertakter.

Beta-Sportenduros 2017 - was ist neu?

Motor:

  • Nockenwellen und Ventilfedern geändert

Fahrwerk:

  • Federweg der Gabel um 5 mm verlängert
  • Gabelbrücken steifer

Sonstiges:

  • Preis gegenüber 2016 unverändert (Viertakt: RR 350/390/430 4T 8990 Euro, RR 480 4T 9190 Euro; Zweitakt: RR 250 7990 Euro, RR 300 2T 8190 Euro)
Foto: Beta
Frank Schröder, 58 Jahre, Verkaufsleiter im Beta-Werk nähe Florenz.
Frank Schröder, 58 Jahre, Verkaufsleiter im Beta-Werk nähe Florenz.

Interview mit Frank Schröder

Frank Schröder, 58, ist seit 18 Jahren internationaler Verkaufsleiter im Beta-Werk in der Nähe von Florenz.

MOTORRAD: Zuerst eine persönliche Frage: Wie wird man als Deutscher Verkaufschef bei einem italienischen Familienunternehmen?

Frank Schröder: Indem man lange genug mit der Marke verbunden ist. Ich war, übrigens ebenfalls im Familienbetrieb, bereits seit dem Jahr 1984 als Importeur für Beta in Deutschland tätig.

MOTORRAD: Und sind Sie mit der Entwicklung zufrieden?

Frank Schröder: Ja, das kann man so sagen. Wir haben eine schöne Erfolgskurve. Im Jahr 2014 verkauften wir zirka 13.000 Fahrzeuge, im Jahr 2015 dann 15.000 Einheiten, und in dieser Saison dürften wir die Marke von 18.000 Motorrädern knacken.

MOTORRAD: Wie groß ist der Anteil der Sportenduros?

Frank Schröder: Fast 50 Prozent. Wir bauen insgesamt rund 8500 Sportenduros und etwa 3000 Trial-Maschinen. Unser Wandertrialer Alp sowie zulassungsfähige 125er- und 50er-Mopeds bringen es zusammen auf etwa 6500 Einheiten.

MOTORRAD: Wie wichtig ist der deutsche Motorrad-Markt für Beta?

Frank Schröder: Sehr wichtig. Deutschland liegt knapp hinter Frankreich und Italien. Wir werden in Deutschland in diesem Jahr 3000 Fahrzeuge absetzen.

MOTORRAD: Ab dem 1.1.2017 müssen Neumaschinen die Euro 4-Norm erfüllen. KTM gibt an, dass die Grenzwerte bei den Zweitaktmodellen mit Vergaser nicht einzuhalten sind. Wird auch Beta auf Einspritzung umstellen müssen?

Frank Schröder: Ich kann nur für Beta sprechen. Momentan schaffen wir die Zulassungshürde noch mit Vergaser-Technik. Doch zweifellos gehört einer elektronisch eingespritzten Gemischaufbereitung mittelfristig die Zukunft. Euro 5 (Anm.: ab 1.1. 2020) ist auch schon vergleichsweise nah.

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