Bimota DB5S 1100 Leicht-Gedicht

Foto: Gori
Die Lücke im Ducati-Modellprogramm klafft schon lange. Fertigen die Bologneser zwar jede Menge Monster, Multistrada und nun auch Hypermotard, doch keinen klassischen Supersportler mit ihrem 1100er-V2-Zweiventiler. Für den kleinen, aber feinen Handwerksbetrieb Bimota eine riesige Chance, mit einem hübschen Sportmotorrad direkt in die Herzen der Italo-Fans zu treffen.

Dem schönen, weil luftgekühlten, klassisch verrippten Ducati-Desmo konnte nichts Besseres passieren, als per Transporter von Bologna nach Rimini gefahren zu werden und dort auf einer Werkbank zu landen. Wie zu Großvaters Zeiten baut jeweils ein Mechaniker ein ganzes Motorrad auf.
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Um den V2 montiert Bimota ein typisches Gitterrohr-Fahrwerk aus sauber verschweißten Stahlrohren. Schwingen- und Hinterradachsaufnahmen übernehmen aus dem Vollen gearbeitete Aluminium-Teile, die mit den Stahlrohren verschraubt werden. Die Verarbeitungsqualität hebt sich weit von Großserienprodukten ab, das Auge des Betrachters findet nur perfekte Schweißnähte und höchste Präzision ausstrahlende Fräsarbeiten.

Nahezu vollkommen wirken auch die Kunststoffteile. Handlaminiert, makellos lackiert und passgenau fügen sie sich Stück für Stück an die vorgesehenen Aufnahmen und komplettieren so eine sehr leicht wirkende Maschine, deren Styling genau jenen italienischen Charme versprüht, den es braucht, um den heftigen Preis von 20215 Euro zu rechtfertigen. Der Druck auf den Starterknopf vertreibt letztlich jegliches Stirnrunzeln über die hohe Summe. Das Bild unendlich vieler Euroscheine weicht dem Klang unendlich tiefen Zweizylinder-Donnerns. Die Sitzposition ist gestreckt sportlich, die schlanke Taille der DB5S begeistert. Die Lenkerstummel liegen nicht zu tief, ganz im Gegensatz zu den Spiegeln, die einfach nichts zeigen. Da hatte jemand einen ganz schlechten Tag, als er die montierte.

Auch der im Cockpit seltsam verloren wirkende Drehzahlmesser ist nicht gerade durchdacht angebracht. Kupplung, Bremse, Gas, immerhin das funktioniert angenehm gewohnt. In der Stadt kann getrost im Verkehrsgewühl mitgeschwommen werden, ohne Mätzchen lässt sich die Bimota von Ampel zu Ampel bugsieren. Auf der Landstraße stellt sich dann endlich wirklicher Fahrspaß ein. Der 1100er ist ein Drehmomentmotor mit sattem Schlag aus dem Drehzahlkeller und viel Dampf in der Mitte. Mit der knapp 200 Kilogramm leichten DB5S beschleunigt er wie vom Gummiband gezogen, egal, welche Drehzahl gerade ansteht. Ungefähr ab 7000/min wirkt der V2 allerdings zäh, fast schon müde verlangt er nach der nächsten Gangstufe, die sich dank des knackig zu schaltenden Getriebes schnell wechseln lässt.

So kunstvoll und aufwendig das Fahrwerk gefertigt wird, so unauffällig sportlich und direkt funktioniert es. Stabil in Kurven, nicht zu handlich, aber dennoch leichtfüßig. Klasse gemacht. Zusammen mit den perfekten Bremsen ist die Bimota ein toller, doch eben auch sehr teurer Landstraßenräuber.

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