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Bimota Tesi 3D Biposto/Mono im Fahrbericht Ein Stück Kunst-Geschichte

Die Bimota Tesi ist ein Stück zweirädrige Kunst. Und festigte mit ihrem Erscheinen 1991 den Ruf der Marke als Fahrwerks-Edelschmiede. Mit der jüngsten Variante, der Bimota Tesi 3D Biposto/Mono, und neuem Importeur will die Marke wieder an glanzvolle Zeiten anknüpfen.

Potente japanische Vierzylinder in ebenso exklusiven wie handwerklich wunderschön gemachten Gitterrohr-Fahrwerken – das waren die Zutaten, aus denen Bimotas legendärer Ruf in den Siebzigern erwuchs. Doch in letzter Zeit wurde es sehr still um die Italiener.

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Bimota aktiver denn je

Nach wechselvollen Jahren mit Höhen und Tiefen zeigt sich Bimota nun wieder aktiver denn je. Fahrwerksexperte Benny Wilbers, der die Erstausrüstung der Fahrwerke übernimmt, fungiert als Importeur der edlen Renner aus Rimini, die heute ausschließlich von Ducati-Motoren befeuert werden. Damit dürfte der Vertrieb in soliden Händen und für Nachhaltigkeit gesorgt sein. Wilbers plant, in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland sowie in Holland und Belgien mit 50 bis 60 Händlern ein engmaschiges Händlernetz aufzubauen.

MOTORRAD-Mitarbeiter Alan Cathcart fuhr in Italien vorab die zweisitzige Variante Bimota Tesi 3D Biposto. Unbestritten mit ihrer Radnabenlenkung das technische Highlight in der Bimota-Palette. Mit ihr wollte Bimota-Eigner Roberto Comini 2008 eine Neuinterpretation der ursprünglichen Bimota Tesi 1D schaffen und sie gleichzeitig von einigen Mankos befreien, mit denen die Ur-Tesi behaftet war. Wie zum Beispiel der sehr kleine Lenkeinschlag. Oder die unglückliche Lage des vorderen Federbeins, das nur allzu leicht mit dem Fahrerknie in Kontakt kam.

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Lenkeinschlag fällt erfreulich größer aus

Und nun steht mit einigen Detailänderungen die jüngste Tesi-Variante, die bereits letztes Jahr auf der Eicma in Mailand zu bewundern war, bereit. Aus dem Vollen gefräste Alu-Profile umspannen Ducatis luftgekühlten Desmodue. Sie nehmen nicht nur die vordere und hintere Schwinge auf. Der vordere Hilfsrahmen, der den Lenkkopf trägt, ist dort ebenso verschraubt wie der hintere. Dieser bietet erstmals bei einer Tesi nun auch einem Passagier Platz. Die Zard-Underseat-Auspufftöpfe der einsitzigen Bimota Tesi 3D Mono mussten dafür aber weichen. Sie werden durch eine Arrow-zwei-in-eins-Anlage ersetzt. Gegenüber der Ur-Tesi fällt der Lenkeinschlag mit 23 zu 17 Grad erfreulich größer aus, was das Wenden und Rangieren sehr erleichtert. In Verbindung mit dem breiten Alu-Lenker lässt sich die neue Bimota Tesi im Stadtgewirr oder auf verschlungenen Sträßchen im Hinterland wesentlich einfacher manövrieren.

Aus welchem Blickwinkel man die Bimota Tesi 3D auch betrachtet, sie ist unglaublich zierlich und schlank. Und dank niedriger 780 Millimeter Sitzhöhe integriert die Tesi ihren Fahrer perfekt. Der Radstand ist mit 1390 Millimetern unverschämt kurz, die Gewichtsverteilung ausgeglichen, und das geringe Gewicht – die Prospektdaten sprechen von 170 Kilogramm trocken – versprechen bezauberndes Handling. Und wirklich, vom ersten Meter an begeistert, wie entspannt sie sich bewegen lässt. Beinahe intuitiv folgt sie den Kommandos am breiten Lenker.

Die Bimota Tesi 3D ist ein wendiger, agiler Kurvenräuber, der danach lechzt, schwungvoll von einer Schräglage in die nächste geworfen zu werden. Das flinke, gleichwohl stabile Lenkverhalten und der ausgezeichnete Bremsencocktail aus zwei schwimmend gelagerten 320er-Bremsscheiben von Braking und – erstmals in einer Maschine mit Radnabenlenkung – radial montierten Brembo-Zangen schaffen das dazu nötige Vertrauen.

Foto: Bildl
98 PS leistet die Bimota Tesi.
98 PS leistet die Bimota Tesi.

Die Bimota Tesi 3D liefert wesentlich mehr Rückmeldung vom Vorderrad als die Ur-Tesi, was nicht zuletzt der neu arrangierten Lenk­geometrie von Umlenkhebel der Radnabenlenkung und Drehpunkt der Vorderradschwinge geschuldet ist.Lenkkopfwinkel und Nachlauf lassen sich zwischen 72 und 64 Grad respektive von 80 bis 120 mm justieren – in diesem Fall lagen sie bei 70 Grad und 106 Millimetern. Für konventionelle Motorräder sicher extreme Werte. Die hier aber tadellos funktionieren.

Der größte Vorteil der Radnabenlenkung jedoch ist, sehr spät und sehr hart in wellige Kurven hineinbremsen zu können. Durch die Trennung von Lenkung und Federung bietet dieses System ähnlich einer Telelever-Lenkung von BMW einen – übrigens einstellbaren – Bremsnickausgleich. So taucht die Front der Bimota Tesi 3D beim Bremsen kaum ein, der Federweg bleibt bei Bremsmanövern weitgehend zum Absorbieren von Wellen erhalten. Und in Verbindung mit diesem wundervoll drehmomentstarken Ducati-Twin ergibt das eine ungemein schlagkräftige Kombination für das Räubern über kleine, verwinkelte Landstraßen.

Davon konnte sich MOTORRAD dann exklusiv überzeugen. Denn rechtzeitig für diesen Bericht brachte der neue Bimota-Importeur Benny Wilbers eine einsitzige Bimota Tesi 3D Mono zum Nürburgring, um die verschlungenen Eifel-Sträßchen unsicher zu machen.

Herrliche Handlichkeit der Bimota Tesi 3D Mono

Mit dem serienmäßigen, geringfügig ­flacheren Lenkkopfwinkel (67 Grad) und bereits mit Wilbers-Federelementen ausgerüstet – die Biposto trug noch italienische ExtremeTech-Federbeine –, fällt auch die Bimota Tesi 3D Mono gierig über die endlosen Kurvenfolgen her. Herrliche Handlichkeit ist der leichten, zier­lichen Kreation einfach in die Wiege gelegt. Die Abstimmung der Federelemente hatte Wilbers bewusst soft gewählt – auf den teils stark zernarbten Fahrbahnober­flächen kein Nachteil –, dennoch zieht die 3D Mono ausgesprochen satt und stabil ihre Bahn.

Foto: Cathcart
Das gut ablesbare Cockpit kennt man bereits von anderen Bimotas.
Das gut ablesbare Cockpit kennt man bereits von anderen Bimotas.

Beim harten Bremsen vor Kurven ist es schlicht ein Ereignis, wie die sensibel arbeitende Front die Bodenwellen in sich aufsaugt. Dazu glänzt die Bimota Tesi 3D Mono mit enormer Bremsstabilität. Selbst dann, wenn der Vorderreifen bereits vernehmlich wimmernd ans Limit kommt. Einen ausgezeichneten Eindruck hinterließ dabei die STM-Rutschkupplung. Auch die Rückmeldung vom Vorderrad ist überraschend gut. Eine sauber abgestimmte Gabel bietet hiervon zwar gewiss noch mehr und bekommt auch zackig durchgerissene Schräglagenwechsel noch immer präziser hin. Doch spektakulärer ist die aufwendige Radnabenlenkung allemal. Die Tesi ist eben auch und vor allem ein technisches Kunstwerk. Eines, das noch dazu mit spielerischer Leichtigkeit durch die Kurven wedelt.

Es findet im Grunde im luftgekühlten Ducati-Twin einen adäquaten Partner, der mit sattem Schub aus den Ecken den Punch genau am richtigen Fleck bereithält, nämlich bei mittleren Drehzahlen. Was das Surfen auf der Drehmoment-Woge mit dem Leichtgewicht zum Genuss macht. Innenstädte oder Kolonnenverkehr liegen ihm dagegen weniger. Nerviges Konstantfahrruckeln zeugte davon, dass die Abstimmung noch etwas Feinschliff benötigt. Doch davon abgesehen ist die fahraktive Bimota Tesi 3D Mono ein faszinierendes Stück Technik und Bimota-Geschichte zugleich. Womit sich die italienische Edelmarke wieder zurückmeldet.

Foto: Bildl
Bitte genau hinsehen, so eine Radnabenlenkung sieht man nicht alle Tage – ein aufwendiges, faszinierendes Stück Technik.
Bitte genau hinsehen, so eine Radnabenlenkung sieht man nicht alle Tage – ein aufwendiges, faszinierendes Stück Technik.

Daten und Fakten

Motor
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, je eine obenliegende, zahnriemengetriebene Nockenwelle, zwei Ventile pro Zylinder, desmodromisch betätigt, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 45 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 520 W, Batterie 12 V/10 Ah, hydraulisch be­tätigte Mehrscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub: 98,0 x 71,5 mm
Hubraum: 1079 cm³
Verdichtungsverhältnis: 10,7:1
Nennleistung: 72,0 kW (98 PS) bei 7500/min
Max. Drehmoment: 105 Nm bei 5500/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Radnabenlenkung, Zentralfederbein, Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Gitterrohrschwinge aus Stahl, Zen­tral­federbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Zweikolben-Festsattel.
Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte
Radstand 1390 mm, Lenkkopfwinkel 67,0 Grad, Federweg v/h 115/130 mm, Trockengewicht 170 kg (Mono: 167 kg), Tank­inhalt 16,0 Liter.
Garantie: zwei Jahre
Preis Bimota Tesi 3D Biposto: 29.990 Euro (Bimota Tesi 3D Mono: 28.990 Euro)

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