Fahrbericht Unterwegs mit dem BMW C1

BMW entwickelt mit dem C1 in puncto passiver Sicherheit ganz neue Perspektiven. Aber auch das Fahrgefühl des Über-Rollers verblüfft.

Die BMW-Techniker waren unermüdlich, immer wieder erklärten sie den anläßlich einer Technik-Tagung versammelten Journalisten, daß ihr C1 ein völlig neues Konzept darstelle. Mit bislang ungeahnten Sicherheitsmerkmalen. Dabei sind eben diese kaum zu übersehen: Der Grundrahmen aus Aluminiumprofilen ähnelt dem Brückenrahmen eines modernen Superbikes. Ein zusätzlicher Rahmen aus runden Aluminiumrohren soll den Passagier bei einem Überschlag schützen. Die markante Stupsnase an der Front übernimmt bei einem Frontalcrash die Energieaufnahme, ist so plaziert, daß der Kabinenroller beim Zusammenprall nicht mit dem Hinterrad aufsteigt und sich überschlägt. Natürlich sticht auch das Rückhaltesystem des Fahrers mit einem konventionellen Dreipunkt- und einem diagonalen Zweipunktgurt sofort ins Auge. Schon in der Konzeptionsphase, so die euphorisierten Ingenieure weiter, habe BMW mit dem Bundesverkehrsministerium an neuen Richtlinien gearbeitet, die nach umfangreichen erfolgreichen Crashtests letztendlich den C 1 von der Helmpflicht befreien.

Auch fahrwerksseitig biete ihr C1 mit der Telelever-Vorderradaufhängung außergewöhnliche Fahrstabilität bei gutem Ansprech- und Anti-Dive-Verhalten. Und der 125er Viertakter mit Motormanagement, Einspritzung und geregeltem Dreiwegekatalysator setze ebenfalls neue Maßstäbe.

Derlei auf die Folter gespannt, brannten alle Anwesenden auf erste Fahreindrücke - und zollten schon beim Sitzkontakt ihren Respekt: Bequem an das Rückenpolster gelehnt, kann der Fahrer die Ergonomie durch die serienmäßige Lenkerverstellung an seine Bedürfnisse anpassen. Das Abbocken vom Hauptständer gestaltet sich geradezu spielerisch: Nach Umlegen eines Hebels unterhalb des Lenkers reicht eine leichter Druck nach vorn - der C1 steht startklar auf den Rädern. Doch beim Beschleunigen hat das Triebwerk - hier noch in der Vergaserausführung - kein leichtes Spiel. Deutlich träger als ein 125er Roller der gleichen Leistungskategorie beschleunigt der Motor den C1 erst nach langem Anlauf auf 90 km/h. Der Zielkonflikt aus 15 PS und dem konzeptionsbedingt hohen Gewicht von 180 Kilogramm fordert Tribut. Doch für die Zukunft ist auch eine stärker motorisierte Variante denkbar, wohl auch geplant und wahrhaft vertretbar. Die Nervosität herkömmlicher 125er Roller geht dem C1 nämlich ab. Spurstabil und unbeeindruckt von Bodenwellen zieht er sowohl geradeaus als auch in Kurven seine Bahn.
Just in Kurven sorgen Scheibe und seitliche Holme für völlig neue Horizonte. In Schräglage nämlich scheint in diesem Fenster die ganze Welt zu kippen. Vom Fahrtwind spürt der Pilot wenig, ein gewisser Cabrioeffekt tritt am Hinterkopf auf, wo Luftwirbel die Frisur föhnen. Spoiler im Dachbereich könnten diese Beeinträchtigung noch verringern.

Die Scheibenbremsen von Brembo arbeiten prima, könnten eine deutlich höhere Leistung locker verkraften. Selbstverständlich läßt sich auch diese BMW gegen Aufpreis mit ABS aufrüsten, bei der Demonstrationsfahrt funktionierte es bereits prächtig. Der Einstiegspreis von rund 10000 Mark läßt sich durch weitere Optionen aus dem umfangreichen Zubehörangebot schnell in die Höhe treiben. Griff- und Sitzheizung, Gepäcksysteme, ein nur als Option lieferbares Soziussytem - der Beifahrer auf dem Schwiegermuttersitz muß einen Helm tragen - sowie Radio mit CD- Player, Navigationssystem, Handy-Halter und Diebstahlwarnanlage werden feilgeboten. Erst ab Frühjahr 2000, aber dafür können die BMW-Techniker nichts.

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