Bremsen wie noch nie

Foto: fact
Wie einem Bremssystem auf den Zahn fühlen, das es in dieser Form noch nie gegeben hat? Indem man misst, misst und nochmals misst. Vollverkabelt, während der Fahrt. Etwa die echte Geschwindigkeit per GPS, die Radgeschwindigkeit wird vorn per Zählung der Umdrehungen erfasst. Entscheidend aber ist die Ermittlung des hydraulischen Drucks am Handbremshebel, den vorderen Bremszangen und am hinteren Bremssattel per Drucksensoren.

Wie „übersetzt“ die Elektronik den vom Fahrer ausgeübten Bremsdruck auf die Bremssättel? Bei Betätigung des Handhebels vergehen rund 0,08 Sekunden, ehe Vorder- und Hinterradbremse gleichzeitig in Aktion treten; dies entspricht bei 100 km/h ­einer zurückgelegten Strecke von zirka 2,2 Metern. Das zwangsweise Mitbremsen hinten zieht die Blade von Anfang an balancefördernd hinten in die Feder; dadurch nimmt die Bremsstabilität zu. Wie im Diagramm ganz links unten zu erkennen ist, regelt das C-ABS den Bremsdruck vorn sehr feinfühlig in Abhängigkeit von der Vorderradgeschwindigkeit (Schlupf). Die „Unterstützungsbremse“ hinten wird nach einem zunächst starken Anstieg konstant mit drei bar beaufschlagt. In der Summe ergibt sich eine mittlere Verzögerung von 9,4 m/s2; dies entspricht einem Bremsweg von 41 Metern aus 100 km/h.

Hinten mitzubremsen verbessert die Bremsleistung nicht. Zwar kneift dann der Heckstopper kräftiger zu, doch die ausgeprägteren Regelvorgänge (Rad dreht zu langsam – Bremse auf – Rad dreht schneller – Bremse wieder zu...) bringen unterm Strich nichts. Betätigt man das Pedal allein, fällt die Verzögerung mit 6,8 m/s2 rund doppelt so groß aus wie bei konventionel­len Heckstoppern. Die resultierenden 56,7 Meter Bremsweg aus Tempo 100 sind etwa der Wert, den Durchschnittsfahrer auf dem eigenen Motorrad bei einer Vollbremsung mit beiden Bremsen schaffen. Der Alptraum: Keine schöne Vorstellung, bei einer Vollbremsung mit gut 70 Sachen auf eine Sandbahn zu geraten. Aber eine ­tolle Vorstellung, die das C-ABS dabei abgibt. Diagramm drei zeigt, wie feinfühlig es regelt, das Vorderrad blitzschnell vor dem Blockieren bewahrt. Und der Fahrer? Er spürt nicht einmal, wie tückisch die Situation ist, wo sonst akute Sturzgefahr drohte. Der hohe Bremsdruck hinten beim Anbremsen bergauf hat ­einen einfachen Grund: Hohe Hinterradlast verhindert Schlupf.

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