Die Traum-Vau

Das ist nun wirklich kein alltägliches Motorrad, mit dem der Heinz da fleißig punktet. Kaum ein Teil entspricht noch der Serie, keine Lücke im Reglement bleibt ungenutzt. Beeindruckend windet sich der Ansaugschnorchel aus dem Tank – die untere Nüster in der schlanken Verkleidungsnase lenkt dagegen Fahrtwind zu den beiden Kühlern.Um es vorweg zu nehmen: ein dussliger Batteriedefekt – als Sprinter ohne Lichtmaschine bezieht die HERU ihren Betriebsstrom aus einer Batterie – beschränkte den Fahrspass auf wenige, wenngleich eindrucksvolle Runden. Obwohl hinten ähnlich hoch wie die Mende-VTR angehoben, bleibt die HERU-Kreation frei von nervösem Fahrverhalten, lenkt leichtfüßig ein und vermittelt stets gute Rückmeldung und Linientreue. Auch die Lenkpräzision überzeugt – wohl dank der wesentlich strafferen Gabel, der via Oberzug versteiften Schwinge, der frontlastigen Gewichtsverteilung sowie der steifen Karkasse der Bridgestone-Slicks. Außerdem dürften die Fußrastenplatten helfen, versteifen sie doch das Fahrwerk, indem sie eine Brücke zwischen Rahmen und Schwingenlagerung herstellen. Dies bringt laut Ruroth besonders beim Herausbeschleunigen spürbare Vorteile, wo die HERU in der Tat keinen unerwünschten Mux macht. Interessant, dass die Showa-Renngabel Betriebstemperatur braucht. Kalt dämpft sie nämlich am Rande des Steckens, um nach ein, zwei Runden tadellos anzusprechen und zu dämpfen – Qualitäten, die das hintere Technoflex-Federbein stets offeriert.Angesichts der üppigen Motorleistung und des geringen Gewichts (vollgetankt nur 180 Kilogramm) empfiehlt sich ein steifes, präzises Fahrwerk. Mehrmals ließ die »995« die Tester verblüfft gen Himmel blicken – und mit angepasster Bedüsung wären wohl noch ein paar Pferde mehr drin. Beim Beschleunigen dieser Brachial-VTR – nicht einfach, wie die Zeit bis 100 km/h verrät - hilft dieselbe Kupplungsmechanik wie bei der Mende-VTR. Dafür bremst die HERU vorn mit Serien-Bremszangen, allerdings mit umgerüsteten Verbindungsschrauben an den Bremssätteln (von Achter auf Zehner-Gewinde). Zusammen mit Kevlar-ummantelten Bremsleitungen entsteht so ein knackiger Druckpunkt, Lucas-Rennbeläge liefern die passende Bremswirkung. Hätte nur die Batterie funktioniert, wir hätten nicht mehr aufgehört, damit zu fahren. Wirklich ein Spaß, allerdings kein ganz billiger.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote