Die Vergangenheit

Es gibt Momente, die vergisst man nicht. Zum Beispiel den, als ich 1976 eine der ersten Guzzi Le Mans aus ihrer hölzernen Transportkiste schälte. Feuerrot und gertenschlank, mit knubliger Lenkerverkleidung und schwarzer Stufensitzbank - das Sportgerät schlechthin. Der Motor schlürfte durch offene Ansaugtrichter die Luft zum Atmen, schier ungedämpfte Lafranconi-Tüten entsorgten die Abgase melodiös aber lautstark. Der 850er Twin hing im eng geschlungenen und stabilen Doppelschleifen-Rahmen, vorn federte eine Telegabel mit - damals eine Sensation - geschlossenen Dämpferkartuschen, hinten machten ein paar Konis die Sache perfekt. In Sachen Stabilität und Kurvenverhalten hatten die Nippon-Bikes keine Chance und auch die Motorleistung war der Konkurrenz nahezu ebenbürtig. Der Le Mans folgte die Le Mans II und III mit etwas mehr Plastikverschalung. Mitte der 80er Jahre erschien die Le Mans IV, bei der die runden Zylinder gegen die kantigen Bauteile mit dem vollen Liter Hubraum und Nikasilbeschichtung getauscht wurden. Dem Trend angepasst, rollte sie vorn auf einem 16-Zoll-Rad, womit leider die vorzüglichen Fahreigenschaften verschwunden waren. Qualitätsprobleme wie undichte Simmerringe, Ärger mit der Elektrik und andere Kleinigkeiten machten den Guzzis schwer zu schaffen und vergraulten die Kundschaft. Erst jetzt sieht man wieder Licht am Ende des Tunnels.
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