Die Zukunft: neuer V2-Motor Moto Guzzi California Special und Quota 1100 ES

Eine gelungene Überraschung: Da reist man nach Italien, um erste Fahreindrücke von zwei vordergründig neuen, im Grunde aber altbekannten Motorrädern zu sammeln und bekommt unvermittelt einen taufrischen Motor unter die Nase gehalten, den die Welt noch nicht gesehen hat.Ein V2, mit in Fahrtrichtung liegender Kurbelwelle, insoweit alles wie gehabt. Aber klein, sehr klein sogar im Vergleich mit der aktuellen, seit mehr als 30 Jahren amtierenden Konstruktion.Eine eingehendere Betrachtung, unterstützt von spärlichen offiziellen Informationen zum Innenleben des neuen Triebwerks, läßt weitere Charakteristika zu Tage treten. So bilden die beiden jeweils 500 Kubikzentimeter fassenden Zylinder, deren Laufflächen Nikasil-beschichtet sind, einen Winkel von 75 Grad. Das ist in Sachen Massenausgleich ein Rückschritt im Vergleich zum traditionellen 90-Grad-Layout, sorgt dafür auf der anderen Seite für kompaktere Abmessungen. Die Kurbelwelle, die beide Pleuel auf einem Hubzapfen führt, ist extrem kurzhubig ausgelegt - hinter vorgehaltener Hand ist von 61,5 Millimetern die Rede, was einer Bohrung von knapp 102 Millimetern entspräche. Sie dreht sich in einem horizontal geteilten Gehäuse, dessen Oberteil die Zylinder integriert. Über einen Stirnradsatz an der Vorderseite des Motors kommuniziert die Kurbelwelle mit einer zwischen den Zylindern liegenden Zwischenwelle, die den Antrieb der Steuerketten und der Wasserpumpe (auf der Rückseite) besorgt. Unterhalb der Kurbelwelle ist - ebenfalls Stirnrad-getrieben - die Ölpumpe angeordnet, die als Zentralorgan einer Trockensumpf-Schmierung fungiert.Die Zylinderköpfe beherbergen je zwei parallel hängende Ein- und Auslaßventile, die im Interesse eines kompakten Brennraums in sehr engem Winkel zu einander angeordnet sind. Von jedem Ventil führt ein separater Kanal nach außen. Die Gemischaufbereitung besorgt eine Saugrohreinspritzung mit zwei Düsen pro Zylinder.Einen radikalen Bruch mit der Tradition markiert die Kraftübertragung. Da sich der betont sportliche Anspruch des neuen Motors nicht mit einem Sekundärantrieb via Kardanwelle verträgt, beherbergt das Getriebegehäuse (das auf den Fotos fehlt) ein Kegelrad-Vorgelege, das den Kraftfluß zwischen Kurbelwelle und Kupplung um 90 Grad umlenkt. Letztere läuft trocken und ist in Lamellenbauweise ausgeführt. Das eigentliche Schaltgetriebe mit sechs Gängen ist eine Kassettenkonstruktion mit quer übereinanderliegenden Getriebewellen. Das Kettenritzel sitzt (in Fahrtrichtung) auf der rechten Seite.Erste Prüfstandsläufe soll das neue Triebwerk noch in diesem Sommer absolvieren. Bei ansprechenden Ergebnissen ist geplant, den V2 im Superbike-Rennsport einzusetzen: schon 1999 bei vereinzelten nationalen Rennen, im Jahr 2000 in der Weltmeisterschaft. Ambitionierte Pläne, die den baldigen Bau eines Serien-Sportlers bedingen. Der existiert auch schon - kompakt, vollverkleidet, rot lackiert. Vorerst leider freilich nur auf dem Papier.

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