Harley-Davidson Street Glide Special im Kompakttest

Don Performance-Harley-Davidson Street Glide Special im Test Die getunte Harley

Leistung macht lässig und gelassen. Deswegen macht ein Bremer Tuner dem neuen Achtventil-Motor der Harley-Davidson Street Glide Beine. Da geht was: bis zu 50 Prozent Mehrleistung!

Andreas Taphorn, genannt Don, repariert in seinem Betrieb elektronische Bauteile von Autos. Nun hilft der Bremer mit seinem Tuning-Label Don Perfor­mance Harleys auf die Sprünge, mit eigenem Leistungsprüfstand für Feinabstimmung vor Ort. Innovativ ist Dons ­„Mapping Manipulator“: Er lässt sich kinderleicht anstöpseln und bedienen, verändert im Nu die Werte von Einspritzung und Zündung. Dons private Harley-Davidson Street Glide Special ist ein Statement auf Rädern: In den USA ist dieses stilvolle luftgekühlte Modell traditionell die bestverkaufte Harley. Zu neuer Software von Don Performance für den aktuellen „Milwaukee Eight“ addiert sich geänderte Hardware. Nämlich der „Stage 3 Kit“ von Harleys eigener Tu­ning-Division Screamin’ Eagle. Vom Bremer Vertragshändler Harley Container verbaute Zylinder pumpen den Achtventil-V2 auf volle 114 statt 107 Kubik-Inch auf. Macht im metrischen System satte 1.868 statt auch nicht eben schmächtiger 1.745 Kubik! Hinzu kommen noch eine neue Nockenwelle mit „Mitte/Oben-Plus“-Abstimmung sowie die höhere Verdichtung von 11,0 statt 10,0 zu 1.

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Das ist pures Donnergrollen

Doch den schreienden Adler (das heißt Screamin’ Eagle übersetzt) komplettieren erst der offene Power-Luftfilter, der dem rechten Unterschenkel im Weg ist, und vor allem offenherzige Akrapovic-Auspuffe (mit ECE-Typ-Genehmigung nur für Euro 3-Modelle) auf dicken Krümmern von Crusher: freier ein- und ausatmen. Stellt man die Klappen in den Auspuffen per Drehknauf und Seilzügen auf Durchzug, blasen bereits beim Start die Trompeten von Jericho zum Sturm. Dies ist pures Donnergrollen plus grummelndem Gewitter im Schiebebetrieb. Gefühlt hüpfen die Plomben aus den Zähnen. Schnell das Handrad „zu“ gestellt, ist besser für die Nachbarn. An dieser extrem relaxed machenden ­Harley-Davidson Street Glide Special mit der charakteristischen, riesigen Batwing-Verkleidung sind die sechs Lautsprecher pure Verschwendung: Musik kommt von unten. Und, hat das Macho-Bike wirklich so viel mehr Dampf und Qualm, Bums und Schub? Beim Rollen durch die Stadt gefühlt erst mal noch nicht. Kein Wunder: Bis 3.000 Touren drücken Tu­ning- und Serienmotor nahezu gleich, mit sehr ähnlichen Leistungskurven. Erst darüber legt der Black Bomber so richtig los.

Oben heraus 50 Prozent mehr Leistung!

Ab der 4.000er-Marke, sie entspricht im sechsten Gang über Tempo 160, im fünften 140, erkennt man den Stoßstangen-V2 nicht wieder! Wie er nun, auf Landstraßen und der Autobahn, anschiebt und abdrückt, ist der Hammer. Hat man jemals ­einen so drehfreudigen Ultra-Langhuber erlebt – 102er-Bohrung trifft auf 114,3 Millimeter Hub! Die aktuelle serienmäßige Harley-Davidson Street-­Glide Special drückte in MOTORRAD 23/2016 echte 80 PS und 134 Newtonmeter – Harley verspricht 90 und 150. Diese Diskrepanz belegten mehrere Nachmessungen. Aber Leistung ist nun kein Thema mehr: Lässig stemmt der fett abgestimmte ­Tu­ning-V2 mal eben 119 PS und 159 ­Newtonmeter – brüllend laut mit „Performance-Mapping“ und offener Auspuffklappe. Hey, das ist oben heraus 50 Prozent mehr Leistung! Selbst wenn der 403-Kilo-Koffer (!) im TÜV-konformen Street-Modus die Klappe zuhält, stürmen 109 Pferde und 155 Newtonmeter voran – sogar mitsamt fülligerem Drehmomentverlauf untenherum. Da nimmt einem auf feuchter Fahrbahn der zusätzliche Regen-Modus die Angst davor, dass einem beim Gasgeben gleich das Hinterrad überholt.

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