Erschienen in: 01/ 2016 PS

Ducati 959 Panigale im PS-Fahrbericht

Supersportler mit brillantem Handling

Ducati stockt nun auch bei der kleineren Panigale den Hubraum auf, muss allerdings den Lautstärkeregler deutlich herunterdrehen. Eine erste Testfahrt mit der neuen Ducati 959 Panigale auf dem Circuit Ricardo Tormo in Valencia.

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Der Superquadro der Ducati 959 Panigale stemmt 158 PS bei 10.750/min und drückt 106 Nm bei 9000/min.

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Im Herbst und Winter zieht es Vertreter des zweirädrigen Volks aus Industrie und Presse gerne nach Spanien. So wie heute. Zwanzig Grad und Sonnenschein in Valencia, besser geht es gar nicht. Ducati präsentiert hier auf dem Circuit Ricardo Tormo die neue „kleine“ 959 Panigale. In der MotoGP gilt die Strecke als Mickymaus-Kurs, denn es geht dauernd fies links herum ums Eck. Hier kommt es auf Handling und ein ausgewogenes Fahrverhalten an, weniger auf Spitzenleistung. Eventuell genau das Richtige für die Ducati 959 Panigale? Wir werden sehen.

Wenig später steckt der PS-Mann im Leder und macht sich in der Box auf die Suche nach seinem Gefährt. Erstkontakt mit der neuen Panigale. Weiß wie die pure Unschuld steht sie da. Dann Probe sitzen. Schlanke Linie, breite Lenkerstummel. Typische Panigale-Ergonomie, alles passt wie angegossen. Sogar die neuen, extra griffigen Fußrasten von den größeren Panigale-Modellen sind dran. Die Optik der Ducati 959 Panigale wurde an die 1299 angelehnt, sprich Front und Seitenverkleidung sind gleich.

Underengine-Auspuff ade

Genau wie ihre Vorgängerin 899 besitzt die Ducati 959 Panigale eine Zweiarmschwinge und...was ist das? An der rechten Seite der Duc hängt eine recht voluminöse Abgasanlage. Underengine-Auspuff ade. Euro 4 und neue Lautstärkegrenzen fordern ihren Tribut. Bevor jetzt Panik in der Fangemeinde ausbricht: Vorerst bleiben die größeren Panigale-Modelle von dieser Maßnahme verschont. „Für 2017 werden wir uns schon etwas einfallen lassen“, sagt Massimo Davoli, Ducatis internationaler Pressemanager, zuversichtlich.

Doch zurück zur 959. Wir starten den ersten Turn zum Kennenlernen der Strecke im Sport-Modus. Das bedeutet DTC auf Stufe fünf und ABS auf Stufe zwei. Wenige Supersportler machen einem das Erkunden einer unbekannten Piste so leicht wie die Ducati 959 Panigale. Sie fährt wie von selbst genau dorthin, wo man möchte. Heute ist es außerdem gar nicht schlimm, dass der PSler seine Ohrenstöpsel in der Redaktion vergessen hat. Bei diesem Motorrad handelt es sich nämlich um die gehörschonendste Panigale, die es bisher gab. Soweit bestätigt sich die Unschuldsvermutung auf der ganzen Linie.

Wie sieht es mit der Leistung aus?

Durch die Aufstockung des Hubraums (Kolbenhub 60,8 mm anstatt 57,2 mm) auf 955 Kubik stemmt der Superquadro in dieser Version nun 158 PS bei 10.750/min und drückt 106 Nm bei 9000/min. Außerdem besitzt der Motor eine überarbeitete Kurbelwelle samt Schmiersystem, angepasste Pleuel, Kolbenböden und Kolbenbolzen mit DLC-Beschichtung. Zur Reduzierung mechanischer Geräusche bekamen die Zylinderköpfe und Motordeckel eine geänderte Struktur, und es kommt eine andere Steuerkette zum Einsatz. Das Leistungsgewicht von 158 PS zu 200 Kilogramm kann sich auf dem Datenblatt auf jeden Fall sehen lassen. In der Praxis nimmt der Twin das Gas sauber an, dreht linear hoch und gibt seine Power äußerst berechenbar ab. Bei 8000/min kommt noch mal ein ordentlicher Schub, bevor die Ducati 959 Panigale bei etwas über 11.000/min in den Begrenzer rennt.

Für den nächsten Turn verabschieden wir uns vom Sport und schalten in den Race-Modus. Das Ansprechverhalten soll jetzt zackiger sein, die Traktionskontrolle steht auf drei und das ABS auf eins. In dieser Einstellung ist der Blockierverhinderer am Hinterrad deaktiviert. Man könnte also fette Anbremsdrifts ziehen, wenn man es denn könnte. Trotz den Voreinstellungen sind sämtliche elektronischen Parameter frei miteinander kombinierbar. Es gibt aber leider keinen Schalter am Lenkerende, mit dem man beispielsweise die Traktionskontrolle während der Fahrt regulieren könnte. So konfiguriert nimmt die Ducati 959 Panigale das Gas spürbar direkter an, dreht aggressiver hoch und macht gleich viel mehr Spaß.

In jeder Situation dein Freund

Am Ende der Gegengeraden steht der Fotograf. Gas auf, Kupplung sanft raus und Vorderrad nach oben. Wheelies gehen locker. Peng, das Aufmacherfoto wäre damit im Kasten. Zwanzigminütige Turns können ganz schön anstrengend sein, aber mit der 959er ballert man locker durch. Der Supersportler lässt sich präzise fahren und ist ungeheuer agil, sodass man sich erst darauf einschießen muss. Man lenkt sonst gerne mal zu früh ein. Trotzdem ist die Ducati 959 Panigale in jeder Situation dein Freund. Schnelle Fahrer sind damit schnell, Gelegenheitsracer nicht gleich überfordert. Vor brutalen Schräglagen in Rechtskurven muss man übrigens keine Angst haben. Wenn der Auspuff aufsetzt, ist es wahrscheinlich eh zu spät.

Ordentlich funktioniert außerdem die aus der 1299 Panigale adaptierte Anti-Hopping-Kupplung. Es gibt in Valencia Passagen, die man in Schräglage anbremst und vor dem Abwinkeln noch einen Gang herunterschaltet. In solchen Situationen bleibt das Heck ziemlich stabil und die Fuhre weiter auf Kurs. Anlass zu leichter Kritik gibt die Bremse. Nach einigen harten Manövern würde man sich schon einen etwas knackigeren Druckpunkt wünschen. Die recht spitze Leistungscharakteristik der Ducati 959 Panigale kann bestimmt nicht alle begeistern. Vor allem diejenigen nicht, die vom Mörderpunch der 1299 Panigale infiziert sind. Alle anderen sollten dem Unschuldsengel ruhig mal eine Chance geben.

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08.12.2015 |  Artikel drucken | Senden | Kommentar

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