Ducati Monster 797 im Fahrbericht Die neue Einstiegs-Monster

Die Anfänge von Ducatis Monster-Baureihe prägten luftgekühlte Motoren. Die wurden zwischenzeitlich aussortiert. Nun ist der Luftikus-L-Twin wieder da – in der neuen Einstiegs-Monster: die Ducati Monster 797.

Alles begann 1992. Zu diesem Zeitpunkt präsentierte Ducati die erste Monster, die M900. Was danach folgte, war eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte. Mit einem kleinen Einschnitt: Seit Ende 2013 hatte der luftgekühlte L-Twin in der Baureihe ausgedient. Schon ab 2001 mit dem auf der Superbike-Ikone 916 basierenden Antrieb in der Monster S4 bekam er Konkurrenz aus dem Lager der flüssigkeitsgekühlten Motoren, bevor vor vier Jahren der Schlussstrich unter das Kapitel Luftkühlung gezogen wurde. Mit der neuen Ducati Monster 797 als Einstiegsmodell in die Familie von Ducatis Naked Bikes erlebt der luftgekühlte Antrieb sein Revival.

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Motor der neuen Ducati Monster 797 kein Unbekannter

Dabei folgt er einer Vorgabe, die schon die ersten Monster-Typen geprägt hat: das Baukasten-System. Der Motor der neuen Ducati Monster 797 ist kein Unbekannter. Er werkelt in fast exakt der gleichen Konfiguration (88 mm Bohrung, 66 mm Hub) in den Scrambler-Modellen. Leichte Anpassungen gab’s nur beim Mapping, der Benzinpumpe sowie beim Endtopf. Das heißt: Aus 803 Kubikzentimetern entwickelt er 73 muntere Pferde, die bei 8.250/min für den forschen Trab bereit stehen, abgerundet durch ein maximales Drehmoment von 69 Newtonmetern, das bei 5.750 Umdrehungen anliegt. Gestandene Naked Bike-Treiber und Stammtisch-Haudegen unken wahrscheinlich schon jetzt, dass sich mit dem Hobel kein Stich beim abendlichen Quartett-Duell gewinnen lässt. Doch nur mal kurz als Erinnerung: Suzukis SV 650, Yamahas MT-07 oder Kawasakis Z 650 mobilisieren ähnliche Leistungen und sind nicht als Anti-Spaß-Mobile bekannt. Von daher ist die Leistungsangabe der Ducati Monster 797 durchaus angemessen – trotz leichtem Hubraumplus gegenüber den genannten dreien.

Video zum Fahrbericht der Ducati Monster 797

MOTORRAD-Testredakteur Jens Möller-Töllner ist in Nizza die neue Ducati Monster 797 gefahren.

Die Austattungsfeatures

Dass Einstiegs-Monster nicht Billig-Monster bedeutet, beweist Ducati an allen Ecken und Enden. Elegant umschließt der Rohrrahmen mit fein ausgeführten Schweißnähten den nach Euro 4 homologierten Motor der Ducati Monster 797. Auf Freude am Angucken setzt auch der bullige, von der 1200er Schwester übernommene Tank. Mit 16,5 Litern bunkert er reichlich Sprit. Sein optisches Highlight ist aber zweifellos der Befestigungsclip an der Front. Ein funktionales Zitat der Monster-Urahnen. An der Front führt eine 43er-Kayaba-Upside-down-Gabel mit 130 Millimetern Federweg, aber ohne Einstellmöglichkeiten das 3,5-Zoll-Rad mit 120er-Reifen. Hinten kommt ein 180er-Pneu zum Einsatz, ein Sachs-Federbein (150 Millimeter Federweg) wird direkt von der Schwinge beaufschlagt. Es lässt sich in der Feder-Vorspannung sowie in der Zugstufe an individuelle Vorlieben anpassen. Und auch beim Rest ist der Rotstift der Controller nicht zu erkennen. Brembo-Monoblock-Zangen beißen in zwei 320 Millimeter messende Scheiben vorne, überwacht von einem Bosch-ABS. Einzig das LCD-Display gibt sich spartanisch. Die wesentlichen Infos wie Tempo, Drehzahl, Tripzähler und Uhrzeit sind vorhanden, Angaben zum Verbrauch oder eine Ganganzeige fehlen aber. Zu den ebenfalls nicht vorhanden Ausstattungsfeatures gehört eine Traktionskontrolle, die bei Mittelklasse- und Einstiegsbikes immer mehr Verbreitung findet.

Platzangebot auf der kleinen Monster komfortabel

Den Fahrspaß mit der Ducati Monster 797 schränkt das nicht ein, wie die mit Kurven nur so gespickte Testrunde rund um den Mont Vinaigre im Hinterland von Fréjus zeigt. Ausgewogen komfortabel fällt das Platzangebot auf der kleinen Monster aus. Die Rasten liegen im Gegensatz zur Monster 821 etwas tiefer und weiter vorne. Ein bequemes Arrangement. Schön schmal fällt der Knieschluss am Tank aus, gut liegt der breite Lenker in der Hand. Egal, ob Zwerg oder Riese, mit dieser Fahrerpositionierung auf dem Motorrad kommen alle zurecht. Wer dennoch etwas ändern möchte, findet im Ducati-Zubehörprogramm zwei Sitzbank-Alternativen – einmal mit einem Plus von 25 Millimetern, einmal mit einem Minus von 20 Millimetern im Vergleich zur 805 Millimeter hohen Standardausführung.

Getribe etwas ruppig-hart

Überraschend leise, fast schon zurückhaltend, sendet der L-Twin nach dem Druck auf den Starter erste Lebensäußerungen in die Umwelt. Auch wenn der typische Klang des Motors noch gut zu hören ist, ein kleines Mehr an Bass dürfte es dann schon sein. Ist aber egal, denn die Biegungen locken. Nach dem leichten Zug am nicht einstellbaren Kupplungshebel drückt der Fuß die erste Gangstufe rein, was Nachdruck erfordert. Auch im weiteren Verlauf gibt sich das Getriebe der Ducati Monster 797 immer etwas ruppig-hart, verlangt nach präzisen Befehlen, sonst ist schon mal ein Zwischengang drin. Da die Testmotorräder aber erst 200 Kilometer auf der Uhr hatten, legt sich das eventuell noch. Wir werden es beim nächsten Test beobachten.

Lenkkopf der neuen Monster 797 ziemlich steil

Fast keinen Widerstand setzt der Gasgriff dem Verlangen nach einer größeren Öffnung der einzelnen, 50 Millimeter messenden Drosselklappe entgegen. Ohne Lastwechsel hängt der Motor am Gas, läuft selbst in Gangstufe sechs unter 3.000 Umdrehungen rund und verschluckt sich nicht beim nächsten Beschleunigungswunsch. Wobei der L-Twin schnell klar macht, dass er kein großer Dreher ist. Rund um seinen Drehmoment-Peak, so zwischen 3.000 und 6.500 Umdrehungen, ist er zu Hause. Hier fühlt er sich wohl, hier liefert er ordentlichen Vortrieb. Ganz oben raus geht ihm leicht die Luft aus. Die Pirelli Diablo Rosso II sind auf Temperatur, haben ihre Anfangs-Kippeligkeit abgelegt, die Ducati 797 gleitet wie von selbst in Schräglage, will immer tiefer abgewinkelt werden. Frappierend, diese Handlichkeit. Mit 66 Grad steht der Lenkkopf der Ducati Monster 797 ziemlich steil, auch die 90 Millimeter Nachlauf kommen dem Handling zugute. Da Ducati den Radstand mit 1.435 Millimetern aber nicht zu kurz gewählt hat, ist der kleinen Monster jeder Ansatz, der aus Handlichkeit Nervosität werden lässt, fremd. Vertrauensfördernd stabil umrundet der laut Ducati vollgetankt 193 Kilogramm wiegende Zweizylinder alle Bögen, gibt sich zudem beim Geradeauslauf keine Blöße. Verantwortlich hierfür ist neben dem Fahrwerkslayout vor allem die gelungene Grundabstimmung der Federelemente. Die Gabel tastet sich sensibel über Verwerfungen und Unebenheiten hinweg – ohne Rückmeldung vermissen zu lassen.

Grundabstimmung der Testmotorräder überzeugt

Der direkt angelenkte Dämpfer erledigt seinen Job ebenfalls auf hohem Niveau, spricht allerdings ein klein wenig ruppiger an als die Gabel. Dennoch: Die Grundabstimmung der Testmotorräder überzeugt. Hoffen wir, dass diese auch bei den ab etwa Mitte April erhältlichen Serien-797 so gut ausfällt. Erst wenn sich flottes Tempo zum sportlichen Kurvenwetz entwickelt, verlangt die Ducati Monster 797 kräftige Lenkimpulse, will mit festem Griff am Lenker um Kurven geführt werden. Die Brembo-Monoblocks beeindruckt das nicht. Sie beißen bei Bedarf mit Vehemenz in die Scheiben, gepaart mit guter Dosierbarkeit. Nur aufs Aufstellmoment der satt haftenden Pirellis muss man sich einstellen. Spontan im Scheitelpunkt den Anker gezogen, und die Monster 797 will sofort in den Geradeauslauf übergehen. Nichts, woran man sich nicht gewöhnen könnte. Das trifft ebenso auf den Verbrauch zu, der bei der Testfahrt knapp unter fünf Litern lag und damit ziemlich genau auf dem Niveau der Scrambler-Modelle.

Und der Preis?

Auch preislich bewegt sich die Ducati Monster 797 in deren Nähe. Ab 8.990 Euro ist sie in der roten Farbvariante zu haben. Weiß oder schwarz lackiert wechselt sie für 9.090 Euro und damit für exakt 100 Euro mehr den Besitzer. In Anbetracht der guten Verarbeitung und der für ein Mittelklasse-Einstiegsmotorrad hochwertigen Komponenten ein angemessener Betrag. Beste Voraussetzungen also, um die Erfolgsgeschichte der luftgekühlten Monster-Reihe in Zukunft fortzuschreiben.

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