Ducati Monster EVO 1100 Ducatis Naked-Bike im Test

Die Monster-Familie ist wieder komplett. Mit der 1100 Evo hat Ducati die Renovierungsarbeiten an der Naked-Bike-Baureihe abgeschlossen und ein astreines Landstraßen-Spielzeug aufgelegt.

Foto: Ducati

Mit dem Begriff "Kult" sollte man echt vorsichtig sein. Was war nicht schon alles Kult. Doch kaum wurde eine Sache zum Kult ausgerufen, war es oft genug auch schon wieder out. Kult-Bands, die keiner mehr kennt, Kult-Filme, die keiner gesehen hat, Kult-Drinks, von denen allen beim ersten Mal gleich schlecht wurde. Die Ducati Monster aber ist in der Tat Kult. Denn seit 1993 verkaufte sie sich weltweit knappe 250000-mal. Sie war die Cash-Cow der Roten aus Borgo Panigale, dank der Ducati überhaupt an Grand-Prix-Sport denken durfte. Und diese Zweizylinder-Naked-Bikes rekrutierten über die Jahre haufenweise frische Fans für die Marke.

Daran dürfte auch die jüngste Monster nichts ändern. Ganz im Gegenteil. Denn hatte PS über die Jahre so seine Schwierigkeiten, besonders mit der Ergonomie, die den Fahrer weit über den Tank zog, dem unten herum ruppigen Motor, der schwergängigen Kupplung, der brachialen, schwer dosierbaren Bremse und anderen Nickeligkeiten, dann ist die 1100 Evo genau die richtige Antwort auf all unsere Kritik.

Die neue Ergonomie, die letztes Jahr mit der kleineren Monster 796 aufkam, bettet jetzt auch den 1100er-Ducatista fahraktiv, sportlich und doch ausreichend bequem. So ließ es sich formidabel auf wunderbar gezwirbelten Straßen am sizilianischen Ätna-Vulkan hinauf und wieder hinab bügeln. Die Monster begeisterte in langen und schnellen Bögen mit ihrer Zielgenauigkeit, ließ sich in engen Wechselkurven locker flockig von einer in die andere Schräglage werfen und zeichnete sich auch sonst durch ihr spielerisches Handling aus. Sicher mit ein Verdienst der Pirelli Diablo Rosso II.

Dass das Fahrwerk mit der neuen 43er-Marzocchi-Gabel und dem Sachs-Federbein hätte etwas knackiger sein können, lässt sich mit Zeitmangel entschuldigen. Denn um die beiden voll einstellbaren Teile entsprechend abzustimmen, war der Zeitplan einfach zu straff.

Auch für tiefere Einblicke in die vierstufige, serienmäßige Traktionskontrolle hätte es ruhig noch ein oder zwei Turns zum Gipfel geben dürfen. Aber hier und da etwas provoziert, griff die Elektronik sehr sanft ein. Ebenfalls zum so genannten Ducati Safety Pack gehört bei der großen Monster serienmäßig ein ABS, das ganz nach unserem Gusto sportlich spät regelt. Allerdings war die Bremse insgesamt etwas stumpf - für unseren Geschmack hat Ducati damit etwas zu viel wettgemacht von der brachialen Gewalt der alten Monster-Bremse.

Großartig leicht lässt sich jedenfalls jetzt die Nasssumpf-Kupplung bedienen und das Getriebe flutscht. Das ist allerdings auch nötig, denn der Twin mit jetzt nominell 100 PS macht durch seine Charakteristik für einen 1100er Motor erstaunlich viele Schaltvorgänge nötig. Erst ab 5000/min legt er sich richtig ins Zeug und riegelt dann schon bei 8000/min ab. Das ist aus manchen Ecken heraus ein recht knappes nutzbares Leistungsband. Da hätte man sich von unten heraus etwas mehr Schmalz gewünscht. Dafür verwöhnt der V2 mit guten

Manieren und besonders im Schiebebetrieb mit wunderbarem Auspuff-Spratzeln. Schlicht kultverdächtig.


PS-Urteil

Die Monster 1100 Evo ist ein wirklich gutes Landstraßenmotorrad geworden, das zügige wie eng gewundene Straßen gierig angeht. Zwei Dinge sollte sich der sportbeseelte Ducati-Monster-Fan nach dem Kauf noch überlegen: Vielleicht mal ein paar andere Bremsbeläge auszuprobieren und dem Monster per Powercommander feisten Druck machen.

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Foto: Hersteller

Technische Daten

Antrieb 
Zweizylinder-V-Motor, 2 Ventile/Zylinder, 73,5 kW (100PS) bei 7500/min*, 76 Nm bei 6000/min*, 1079 cm3, Bohrung/Hub: 98,0/71,5 mm, Verdichtung: 11,3:1, Zünd-/ Einspritzanlage, 45-mm-Drosselklappen, hydraulische Mehrscheiben-Ölbad-Kupplung, Sechsgang-Getriebe, Kette

Fahrwerk 
Gitterrohr-Stahlrahmen, Lenkkopf-winkel: 64 Grad, Nachlauf: 94 mm, Radstand: 1450 mm, Ø Gabelinnenrohr: 43 mm, Federweg v./h.: 130/148 mm

Räder und Bremsen 

Leichtmetall-Gussräder, 3,50 x 17“/5,50 x 17“, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17, 320-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Schwimmsätteln vorn, 245-mm-Einzelscheibe mit Zweikolben-Schwimmsattel hinten, ABS

Gewicht (trocken) 
169 kg*
Tankinhalt: 13,5 Liter Super

Grundpreis 
11 390 Euro (zzgl. NK)*

*Herstellerangabe

Änderungen im Detail
- neuer Zylinderkopf (längere Ventilhübe, Einzelzündung, verbesserte Ölkühlung)
- neue Kolben, höhere Verdichtung 11,3:1
- Kurbelwelle ähnlich 848, neues Gehäuse
- Nasssumpf-Kupplung mit leichteren Federn
- neuer Auspuff
- neues Heck
- ABS und TC serienmäßig
- neue Ergonomie
- neue 10-Speichen-Räder
- neue Gabel

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