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Ducati Scrambler.

Ducati Scrambler im PS-Fahrbericht Geht mehr als Bummeln?

Wer hätte das gedacht? Abseits jeglicher Höchstleistung kommt mit der Ducati Scrambler endlich wieder eine Maschine zum Bummeln. Oder kann die Neue vielleicht mehr?

Man will es irgendwie nicht glauben: Ducati baut angeblich wieder ein Motorrad zum Langsamfahren. Man glaubt es deshalb erst mal nicht, weil die Monster-Modelle irgendwie immer sportlicher wurden, und selbst als die Jungs aus Bologna mit der Diavel einen „Cruiser“ auf die Reise schickten, brachte der alle Anlagen mit, um alles auszubeschleunigen, was an der Ampel stand, und auf der Straße fast jedem das Rücklicht zu zeigen. Nun also soll es so weit sein: Die Ducati Scrambler knüpft an die gute alte Zeit der Sechziger und Siebziger Jahre an, will ihre 75 PS lässig servieren, den Fahrer entstressen und die Mitmenschen ins Staunen versetzen. Machen wir‘s kurz: Es gelingt. Perfekt sogar. 

Mitmenschen bleiben gaffend stehen, denn die Ducati Scrambler wirkt lieblich, freundlich, gefällig. Und ehrlich: Man findet viel Metall und wenig Plastik. Allein schon das stilsicher gestaltete Alu-Gasgriffgehäuse oder der Alu-Scheinwerferring sind eine gelungene Zeitreise in die Siebziger. Dinge wie diese wecken Sympathien. Und zwar ohne zu fahren. Nimm deinen Lebenspartner mit zum Händler. Er oder sie wird mit dem Finger auf die Scrambler zeigen, verliebt, da ungefährlich und nett. Ändert sich das beim Fahren?

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Lässiger hat man selten Wheelies gefahren

Nein. 75 Pferde aus 803 Kubik sind ausreichend für jedwedes Surfen über die Landstraße. Lässiger als auf der Ducati Scrambler hat man selten gesessen. Und, Überraschung: Lässiger hat man auch selten Wheelies gefahren. Denn der füllige Drehmomentverlauf gepaart mit aufrechter Sitzposition und niedrigem Gewicht (186 Kilo vollgetankt) macht vorderradschonendes Fahren super easy. Überhaupt hätte man dieser Ducati, die ja im Grunde keine sein möchte, den Namen Super Easy geben können. Denn alles geht beinahe wie von selbst: Einlenken? Federleicht. Bremsen? Gut dosierbar, ABS effektiv. Sitzen? Nur auf Mokicks saß man früher entspannter. Fahren? Beschwingt. Handling? Locker. Also eine Suppe ohne Haar drin?

Nein. Zum einen schaltet sich das Getriebe etwas hakig, zum anderen dürften die Federelemente etwas sensibler ansprechen. Vor allem das Federbein gibt sich leicht bockig. Doch das ist Klagen auf hohem Niveau. Ducati Scrambler fahren ist mehr als nur das Bewegen einer Maschine. Es ist eine Lebenseinstellung, die nicht nur alte Motorrad-Hasen fesseln, sondern auch junge ins Boot ziehen könnte. 

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Foto: Ducati
... und nochmals in gelb.
... und nochmals in gelb.

Fazit Ducati Scrambler

Alles richtig gemacht. Die neue Ducati Scrambler trifft den Zeitgeist und will vor allem eins: eine  positive Grundstimmung zum Thema Motorrad vermitteln. Die Maschine ist überaus wertig verarbeitet und cool. Alle, die schon eine Gixxer, R1 oder Super Duke & Co. in der Garage stehen haben, sollten sich diesen Gegenpol gönnen. Selten hat man genussvoller und entspannter Zeit verbrannt.

Technische Daten Ducati Scrambler

Antrieb

Zweizylinder-90-Grad-V-Motor, zwei Ventile/Zylinder, 55 kW (75 PS) bei 8250/min*, 68 Nm bei 5750/min*, 803 cm³, Bohrung/Hub: 88/66 mm, Verdichtung: 11,0:1, Zünd-/Einspritzanlage, 50-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsgang-getriebe, Antrieb über O-Ring-Kette

Fahrwerk

Stahl-Gitterrohrrahmen, Lenkkopfwinkel: 66,0 Grad, Nachlauf: 112 mm, Radstand: 1445 mm, Ø Gabel­innenrohr: 41 mm, Federweg v./h.: 150/150 mm

Räder und Bremsen

Leichtmetall-Gussräder, 3.00 x 18/5.50 x 17, Reifen vorn: 110/80 R 18, hinten: 180/55 R 17, 330-mm-Scheibenbremse mit Vierkolben-Festsattel vorn, 245-mm-Scheibenbremse mit Einkolben-Schwimmsattel hinten, ABS

Gewicht

(vollgetankt) 186 kg
Tankinhalt: 13,5 Liter Super

Grundpreis 8390 Euro (Icon) bis 9790 Euro (Classic, Urban Enduro, Full Throttle), zzgl. NK

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