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Wer nicht aufpasst, dem reißt es nach Kehren in den ersten beiden Gängen das Vorderrad nach oben.

Ducati XDiavel im PS-Fahrbericht Ducatis erster Cruiser

Lang, stark, schwarz. Keine Zigarillos, kein Kaffee und doch aus Italien. Mit der Ducati XDiavel wagt sich Ducati zum ersten Mal ins Cruiser-Segment vor.

Die blitzsauber abgefrästen Rippen der Abdeckungen des Ventiltriebs setzen sich optisch in den mächtigen Gussrädern fort, die gebürstete Aluschwinge korrespondiert mit den filigranen Blenden des Wasserkühlers, die 240er-Walze im Heck hypnotisiert den Blick. Geschmack hin oder her, der Cruiser von Ducati sieht rattenscharf aus. Ein Cruiser? Von Ducati? Korrekt. Nach dem Muscle-Bike Diavel und dem Retro-Konzept Scrambler attackieren die Italiener mit der Ducati XDiavel nun das nächste Segment.

Logisch, dass sich auch bei der Ducati XDiavel das Erbgut aus Bologna wiederfindet. Aus der Multistrada stammt der 156 PS starke Motor. Der soll mit 1,6 Millimeter längerem Hub und damit auf 1262 cm³ vergrößertem Hubraum bereits bei 5000/min auf sein 129 Nm hohes Drehmomentplateau klettern. In Sachen Fahrwerk übernimmt die Neue das Konzept der Monster-Familie. Der kurze Gitterrohrrahmen ist mit den Zylinderköpfen verschraubt, Schwinge und Federbein stützen sich an einer ebenfalls am Motorgehäuse ansetzenden Alubrücke ab.

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Wer nicht aufpasst, dem reißt es das Vorderrad hoch

Trotz Euro 4 bollert der Vau-Zwo bassig-sonor vor sich hin. Wie war das? Cruiser. Tiefer Sitz, hoher Lenker, nach vorn gestreckte Beine. Sieht oft locker aus – und ist es selten. Doch die Mannen aus der Emilia Romagna haben es nicht übertrieben. Es sitzt sich gut ausbalanciert, der Bizeps hat Pause. Noch. Denn gibt sich der Motor der Ducati XDiavel bis 3000/min ganz nach Art des Hauses und stolpert noch ungelenk die Drehzahlleiter hoch, geht danach die Post ab. Wer nicht aufpasst, dem reißt es nach Kehren in den ersten beiden Gängen das Vorderrad nach oben. Und das bei einem Cruiser!

Doch keine Angst. Erstens, weil die Duc-Entwickler der XDiavel mit drei Fahrmodi, Kurven-ABS und eben auch Traktionskontrolle die volle Elektronik-Packung spendierten. Und zweitens, weil sich der V2 mit seiner variablen Ventilsteuerung letztlich bestens erzogen gibt, übers gesamte Drehzahlband sauber am Gas hängt und Souveränität ausstrahlt. Cruisen oder rasen, der Antrieb der Ducati XDiavel kann beides.

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Nicht gerade ein Schnäppchen

Was auch für das Fahrwerk der Ducati XDiavel gilt – trotz 1615 Millimeter langem Radstand, 60 Grad flachem Lenkwinkel und der imposanten 240er-Walze auf dem Hinterrad. Erstaunlich, wie mühelos die Maschine in die Kurven fällt und sauber die Spur hält. Erst auf Verwerfungen zerrt der Macho-Schlappen an der Linie. Klasse: der Zahnriemen. Das karbonverstärkte Gummiband schluckt den Lastwechselschlag am Kurvenscheitelpunkt nahezu restlos weg.

Und tröstet damit vielleicht auch ein wenig über die etwas schwer zu ziehende Kupplung oder das straff abgestimmte Sachs-Federbein der Ducati XDiavel hinweg – und den Preis. Denn mit 19.890 Euro für die Basisversion und 22.890 Euro für die S-Ausgabe, die optisch gepimpt und mit einem hochwertigeren Bremssattel sowie DLC (Diamond Like Carbon)-beschichteten Standrohren der Marzocchi-Gabel technisch aufgerüstet ist, wandert ein dickes Säckchen Kohle über den Ladentresen. Aber mal ehrlich: Sieht er nicht rattenscharf aus, Ducatis erster Cruiser?

Foto: Ducati
Die Duc-Entwickler spendierten der Ducati XDiavel drei Fahrmodi, Kurven-ABS und auch Traktionskontrolle. Also die volle Elektronik-Packung.
Die Duc-Entwickler spendierten der Ducati XDiavel drei Fahrmodi, Kurven-ABS und auch Traktionskontrolle. Also die volle Elektronik-Packung.

Technische Daten Ducati XDiavel

Ducati XDiavel

Antrieb

Zweizylinder-90-Grad-V-Motor, vier Ventile/Zylinder, 115 kW (156 PS) bei 9500/min, 129 Nm bei 5000/min, 1262 cm3, Bohrung/Hub: 106,0/71,5 mm, Verdichtung: 13:1, Zünd-/Einspritzanlage, 56-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbad-Anti-Hopping-Kupplung, Sechsganggetriebe, Zahnriemen

Fahrwerk

Gitterrohrrahmen, Lenkkopfwinkel: 60 Grad, Nachlauf: 130 mm, Radstand: 1615 mm, Ø Gabel­innenrohr: 50 mm, Federweg v./h.: 120/120 mm

Räder und Bremsen

Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17/8.00 x 17, Reifen vorn: 120/70 ZR 17/, hinten: 240/45 ZR 17, 320-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 265-mm-Einzelscheibe mit Zweikolben-Festsattel hinten, ABS

Gewicht

(vollgetankt) 247 kg, Tankinhalt: 18,0 Liter Super

Grundpreis

19.890 Euro (S-Version: 22.890 Euro) (zzgl. NK)

Herstellerangaben

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