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Elektro-Motorrad Zero FX ZF 5.7 im Test Dynamischer Fahrspaß mit 126-kg-Enduro

Bisher definierten sich E-Bikes meist über rationale Argumente: Umweltschutz, geringen Energieverbrauch, niedrige Unterhaltskosten. Bei der 126 Kilogramm leichten Enduro Zero FX ZF 5.7 gesellt sich noch höchstdynamischer Fahrspaß hinzu.

Ein warmer Oktobermorgen in Süddeutschland mit einer Elektro-Enduro von der US-Westküste, von Zero aus Kalifornien. Erst mal entern: 91 Zentimeter Sitzhöhe bei 30 Zentimetern Bodenfreiheit sprechen für sich. Das gilt auch für ellenlange Federwege: 24 Zentimeter vorn und fast 23 hinten. Ein waschechter Geländegänger also, doch auch ein Leisetreter. Ältere Spaziergänger grüßen freundlich, wenn man auf dem Feldweg dezent surrend mit der Zero FX ZF 5.7 an ihnen vorbeirollt. Elektrisch finden sie als Pedelec-Besitzer per se gut.

Auf Schotter lässt sich die 126 Kilogramm leichte Zero FX ZF 5.7 sicher beherrschen und feinfühlig steuern. Der Schub des permanent erregten bürstenlosen Motors setzt beim Anfahren schön weich und berechenbar ein. Japanische Stollenreifen von IRC auf schmalen Speichenrädern bieten reichlich Traktion. Fein dosierbar packt die Hinterradbremse zu. Selbst beim Wenden aus dem Stand oder beim Stehen in den Rasten auf trialartigen Passagen vermittelt das E-Bike volles Vertrauen – nicht selbstverständlich, wenn man keine Kupplung ziehen und keine Gänge wechseln kann. Kompliment, die „Stromannahme“ hat die seit 2006 existierende US-Firma also bestens im Griff. Alles so schön einfach hier.

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Fotograf bittet um Drifts und Wheelies...

Bis der Fotograf ganz harmlos um Drifts beim Losfahren bittet. Und du als Fotofahrer daher vom energiesparenden Eco-Modus ins entfesselte Sport-Programm wechselst. Nun gibt die Bordelektronik früher volle Leistung frei, 33 Kilowatt, also 45 PS. Was das heißt, erwischt dich kalt: Den Gas-, pardon: Stromgriff abrupt voll öffnen, es sollen ja Steine schleudern fürs Foto. Du hörst keinen Motor aufheulen, merkst nur, wie der Hinterreifen der Zero FX ZF 5.7 versucht, sich schlingernd irgendwo festzukrallen. Mit Erfolg, nach gefühlten fünf Metern steigt das Vorderrad dermaßen hoch, dass es dich beinahe hinten vom Sitz zieht.

Konstant 95 Newtonmeter praktisch ab der ersten Umdrehung des Motors können auch böse sein. Auf jeden Fall nichts für Grobmotoriker. Oder würde jemand seine doppelt so schwere 1000er etwa freiwillig mit 7000 bis 10.000 Touren losjagen? Echte 45 PS kommen nach steilem Leistungsanstieg tatsächlich am Hinterrad an – im letzten Gang etwa so viel wie bei einer Honda NC 700, die jedoch auch schneller läuft. Nur dass die Zero FX ZF 5.7 Zwischenspurts viel dynamischer angeht: Den Durchzug von Tempo 60 auf 100 km/h schüttelt die FX in famosen zwei Sekunden aus dem Ärmel. Respekt.

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Der Elektro-Fahrspaß steht und fällt mit der Reichweite

Da hat sich ein Big Bike-Fahrer gerade mal überlegt, in den fünften oder vierten Gang runterzuschalten, um an der Ami-Schleuder dranzubleiben. Sicher, obenraus ändert sich das Bild gewaltig, schon bei Tempo 133, Tachoanzeige 145 km/h, riegelt die Elektronik der Zero FX ZF 5.7 ab. Andernfalls wären die 5,7 Kilowattstunden Batteriekapazität blitzschnell aufgesaugt. Denn der Elektro-Fahrspaß steht und fällt mit der Reichweite.

Das ist auch den Schaulustigen am Motorradtreff Löwensteiner Platte klar. In Zweierreihen umringen sie das Wesen vom anderen Antriebsstern, wollen alles über das mittlerweile recht ordentlich verarbeitete Ami-Bike mit Alu-Rahmen und Alu-Schwinge wissen. Das modulare Akkusystem der Zero FX ZF 5.7 koppelt zwei je 19 Kilogramm schwere Batterieblöcke mit zusammen 5,7 Kilowattstunden. Sie sind herausnehmbar und lassen sich in knapp acht Stunden aufladen. Dank integrierten Ladegeräts geht das auch im eingebauten Zustand. Stromkosten: etwa 1,50 bis zwei Euro auf hundert Kilometer.

Dahinter steckt ein simpler Zusammenhang. Man könnte mit konstanten 5,7 Kilowatt Leistung genau eine Stunde lang fahren. Mit vollen 33 Kilowatt demzufolge theoretisch nur zehn Minuten. In der Praxis kommt man jedoch auf deutlich mehr: 71 Kilometer Reichweite gibt Zero bei konstant 88 km/h an. MOTORRAD ermittelte 70 bis 80 Kilometer im vorsichtigen Rollmodus auf der Landstraße. Darin enthalten waren mehrere Spurts beim Ermitteln der Fahrleistungen. 60 Kilometer sind mit der Zero FX ZF 5.7 wohl immer drin.

Am Motorradtreff Löwensteiner Platte erstaunt die gebotene Fahrdynamik alle Fahrer vor Ort: so viel Qualm – ganz ohne Verbrennung und ohne akustisches Spektakel. In nur 4,5 Sekunden katapultiert sich die kleine Zero FX ZF 5.7 elektrisch von 0 auf 100 km/h. Praktisch wartungsfrei sollen Motor (kein Öl, keine Zündkerzen, keine Ventile) und Antriebsstrang inklusive Zahnriemen sein. Ambitionierte Offroader können wahlweise auch auf Kettenantrieb umrüsten.

Foto: Bilski
Digital-Cockpit mit Basis-Infos und wichtiger Anzeige der Akkuladung als „Tankanzeige“.
Digital-Cockpit mit Basis-Infos und wichtiger Anzeige der Akkuladung als „Tankanzeige“.

Zero FX ZF 5.7 handlich und zielgenau

Kurven auf Asphalt umrundet die Zero FX ZF 5.7 auf ihren schmalen Reifen ziemlich zielgenau. Dazu dank breiten Lenkers, kurzen Radstands und recht steilen Lenkkopfs (64 Grad) auch handlich. Die Upside-down-Gabel des US-Herstellers Fastace zeigt im Stand zwar eine hohe Losbrechkraft, spricht aber im Fahrbetrieb passabel an und bügelt selbst grobe, tiefe Schlaglöcher glatt. Etwas rumpeliger arbeitet hingegen das direkt angelenkte Federbein des Einsitzers.

Die Zero FX ZF 5.7 macht mächtig Laune beim Fahren. Bis die Balken der „Saft-Anzeige“ allmählich verglimmen: nur noch zwei, einer, ein halber… Nun regelt die Elektronik energisch die Energieabgabe runter. Nachdem der Motor zum ersten Mal stehen bleibt, fängt er sich noch einmal für ein, zwei Kilometer. Die teuren Akkus sollte man besser nicht ganz leer fahren, denn durch Tiefent­ladung leidet deren Haltbarkeit. Pfleglich behandelt, verspricht Zero 2500 Ladezyklen und gibt zwei Jahre Garantie. MOTORRAD würde dies gerne mal mit einer Dauertestmaschine überprüfen. Volle Lotte!

Foto: MRD

Technische Daten

Motor
Luftgekühlter bürstenloser Permanentmagnetmotor mit Energierückgewinnung am Hinterrad, integriertes Ladegerät 650 W, Batterie: Lithium-Ionen-Batterie, 56 Zellen, maximale Akkukapazität 5,7 kWh, kupplungsfreier Direktantrieb, Zahnriemen.
Nennleistung: 33,0 kW (45 PS) bei 3700/min
Max. Drehmoment: 95 Nm
Max. Drehzahl: 6300/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Ø 38 mm, verstellbare Zugstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Alu, Zentralfederbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Scheibenbremse vorn, Ø 221 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 221 mm, Einkolben-Schwimmsattel.
Speichenräder mit Alu-Felgen: 1.60 x 21; 2.15 x 18
Reifen: 3.00 x 21; 4.10 x 18
Bereifung im Test: IRC Trail Winner GP 110

Maße und Gewichte
Radstand 1438 mm, Lenkkopfwinkel 63,9 Grad, Nachlauf 112 mm, Federweg v/h 240/227 mm, Gewicht fahrfertig 126 kg, Zuladung 137 kg, Sitzhöhe 910 mm, Ladezeit 8,0 Stunden, Schnellladezyklus (CHAdeMO) 1,5 Stun­den (95 %).

Farben: Schwarz
Preis: 11995 Euro
Kontakt:www.zeromotorcycles.de

Messwerte
Fahrleistungen Höchstgeschwindigkeit: 133 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h: 4,5 sek
Durchzug
60–100 km/h: 2,0 sek
Tachometerabweichung
effektiv (Anzeige 50/100): 46/93 km/h

 

Verbrauch
Landstraße*: 6,6 kWh/100 km
theor. Reichweite Landstraße: 80 km

*bei einer maximal nutzbaren Akkukapazität von 5,275 kWh auf 80 km maximale Reichweite.

Foto: TSR

Alternativen von Zero

Von der Zero FX ZF 5.7 existieren zwei Varianten: ZF 2.8 und ZF 5.7. Mit nur einem Akku bestückt, kostet die Enduro 9495 statt 11995 Euro. Macht 19 Kilogramm Gewichts- und 2500 Euro Preisersparnis zur getes­teten Version. Allerdings ist die Reichweite dann halbiert. Das 107-Kilo-Federgewicht FX ZF 2.8 leis­tet maximal nur 27 statt 44 PS.

Mehr Reichweite und Power bieten die Straßenmodelle S und DS. Sie sind 40 Kilowatt (54 PS) stark, dürfen aber wie ­alle aktuellen Zeros mit Führerscheinklasse A2 gefahren werden: Ihre zulassungsrelevante Dauerleistung beträgt nur 22 PS. S und DS haben abhängig vom Akkupack 8,5 oder 11,4 Kilowattstunden Batteriekapazität. Dies soll im Stadtverkehr etwa 200 Kilometer Aktionsradius ermöglichen. Je nach Batterien wiegen S und DS zwischen 161 und 179 Kilogramm und kosten 13.395 oder 15.995 Euro.

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