Erfolgsspur oder Abseitsfalle?

Konzepte kann man kopieren. Image dagegen nicht. In diesem Punkt legt BMW mit der 1200er-GS die Latte gewaltig hoch. Was das Konzept angeht: Für den Top-Test der Stelvio ließ MOTORRAD im direkten Vergleich eine Boxer-GS mitfahren. In der Punktewertung kann die Guzzi der BMW zwar nicht das Wasser reichen, liegt 84 Punkte zurück, doch in einigen Disziplinen ist die Italienerin nahe an der Bayerin dran. Vor allem das ausgewogene Lenkverhalten, die Leichtigkeit, mit der die Stelvio in Schräglage geht und der Ideallinie folgt – das kann die GS nicht besser. Und auch die Rückmeldung – immerwährender Kritikpunkt an der GS – ist beim Fahrwerk der Stelvio ausgeprägter, da die Italiener auf eine konventionelle Telegabel anstatt eines recht starren Telelevers setzen.

Weniger gelungen ist bei der Stelvio die Abstimmung des Motors. Denn ein touristisch ausgelegtes Bike braucht seine Leistung nicht erst im oberen Drehzahlbereich. Die GS machts vor: Druck im Drehzahlkeller und ausgewogene Power in der Mitte. Erst oberhalb von 160 km/h – sprich ab 5500/min – wirkt die Stelvio motivierter und agiler als ihr bayerisches Vorbild. Das liegt zum einen an der Drehfreude des V2, zum anderen an einer kurzen Übersetzung. Wer zügig auf der Autobahn unterwegs sein möchte, ist mit der Guzzi besser bedient. Insbesondere, weil sich die beiden auch in puncto Windschutz kaum unterscheiden.

Ob das Gepäcksystem auch derart ausgeklügelt ausfällt wie das der GS, bleibt abzuwarten. In der Summe der Tugenden bleibt die GS der Meilenstein. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie sich auch offroad sehr gut und sicher bewegen lässt.

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