Fahrbericht Aprilia mille R Edwards-Replika Auf Colins Spuren

Haga hatte eine, Bostrom hatte eine, und nun hat auch der amtierende Superbike-Weltmeister eine Replika. Schon kurz nach Amtsantritt bei seinem neuen Arbeitgeber bringt Aprilia eine Mille R Edwards-Replika auf den Markt.

Endlos lang erscheint die Parabolica-Kurve in Monza. Im vierten Gang, noch immer das Knie über den Asphalt schleifend, folge ich Colin Edwards’ Spuren. Völlig ungeniert hämmert der V2 der Edwards-Replika aus den zwei offenen Titan-Schalldämpfern der Akrapovic-Anlage Richtung Start-Ziel-Gerade.
Das 200-Meter-Schild am Ende der Geraden, auf dessen Höhe der Tacho gute 260 Sachen anzeigt, signalisiert die letzte Chance, den Anker zu werfen, um den Einlenkpunkt in diese kniffelige, im ersten Gang zu fahrende Schikane nicht zu verpassen. Brutal packen die je vier einzelnen Beläge in den radial verschraubten Bremszangen zu und stauchen die Aprilia auf zirka 60 km/h zusammen.
Obwohl die Öhlins-Federelemte sehr sensibel ansprechen und die Mille mit dem gewohnt spielerischen Handling glänzt, macht diese Schikane ihrem Namen alle Ehre. Solche Haken schlägt höchstens ein Feldhase auf der Flucht, aber kein Motorrad, das mit Besatzung gut sechs Zentner auf die Waage bringt.
Ein breites Grinsen unter dem Helm überkommt den Fahrer am Schikanenausgang. Mit einem 16er- statt des serienmäßigen 17er-Ritzels bestückt spurtet die Edwards-Replika derart aggressiv Richtung Curva-grande, dass das Vorderrad im ersten und zweiten Gang nur gen Himmel zeigt. Schnell noch zwei Gänge hochschalten, und dann geht es dank des stabilen Fahrwerks mit Vollgas durch die Kurve. Dass auch Schikanen Spaß machen können, zeigt die folgende, viel flüssiger zu fahrende Links-Rechts-Kombination. Die mit einigen Bodenwellen gespickte Anbremszone lässt die Mille hinten wild schlingern und suggeriert dem Fahrer das Gefühl, gerade Edwards Trainingszeit zu toppen.
Ausgangs der Schikane wieder das gleiche Bild. Die aufgezogenen Pirelli Supercorsa verwöhnen mit ausgezeichnetem Grip und lassen die Mille noch halb in Schräglage das Vorderrad lupfen. Die beiden Lesmo-Kurven danach meistern Bike und Fahrer ohne Probleme, und in der anschließenden Links-Rechts–Links-Kombination, die zur Parabolica führt, brilliert die Mille – dem 180er-Hinterreifen sei Dank - mit ihrem spielerischen Handling.
Auf den langen Geraden von Monza spielt die Edwards-Replika ihre Mehrleistung gegenüber dem Serienmodell aus. Etwa 133 PS stehen nun durch die größeren 57er-Drosselklappen und ein geändertes Eprom für den Straßeneinsatz zur Verfügung. Wer sich auf abgesperrten Terrain bewegt und der offenen Akrapovic-Anlage lauschen darf, der kann noch mit drei bis vier zusätzlichen Pferdestärken rechnen.
Unterm Strich hat die Edwards-Replika natürlich nur das Design mit der von Edwards bei den MotoGP eingesetzten RS Cube gemein. Ein interessantes Angebot ist sie trotzdem. Mit Eprom und 16-Ritzel kostet die Edwards-Replika 16999 Euro. Nur 1000 Euro mehr als die Mille R. Dabei schlägt allein die Akrapovic-Anlage, die leider keine ABE hat und zusätzlich für die Rennstrecke mitgeliefert wird, mit über 2100 Euro zu Buche. Ein fairer Preis für eine optisch und technisch aufgepeppte Mille R, um einmal auf Colins Spuren zu wandeln. Leider ist die Streckenmiete in Monza nicht inklusive.

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