Fahrbericht Arnimot-Honda Arnimot-Honda VTR 1000 F

Nein, es ist keine Honda CBR 600 RR, die da so verwegen ums Eck biegt. Kann nicht sein, bei diesem fett grummelnden V2-Beat. Erst der Blick von der Seite offenbart charakteristische seitliche Kühler und Motordeckel. Dieses Motorrad ist, oder besser war, eine VTR 1000 F. Die an deren Zweizylinder und Rahmen angepasste CBR-Verkleidung sitzt wie ein Maßanzug. Dazu stiftete eine Fireblade SC 28 die Upside-down-Gabel, eine 1998er-VFR die Einarmschwinge. Und eine MV Agusta F4 das elegante Heck. Stämmig und stimmig wirkt er, der edle Umbau.

Ihn hat Arnold Zentek, Kopf der Firma Arnimot aus Velbert, in vier Jahren des Tüftelns kreiert und mit feinster Ware
gespickt. Schon die Lenkerlandschaft ist ein Traum, mit 25 Millimeter höheren Stummeln und der aus dem Vollen gefrästen oberen Gabelbrücke von BKG. Per Einstellsternen kann die Federbasis von Hand eingestellt werden. Aufwendig sind auch die Spiegler-Armaturen, Radialpumpen für Kupplung und Vorderbremse mit drehbaren Ausgleichsbehältern. Kunst in Metall, das Stück zu 569 Euro. Butterweich lässt sich der Kupplungsgriff ziehen, schön transparent die Bremse vorn dosieren.
Gut so, denn ansonsten könnten die Achtkolbenzangen, ebenfalls von Spiegler, leicht zu viel des Guten sein. So ankern sie wenigstens nicht allzu brachial. Die teuren Bremsen bekommen genug zu tun, denn diese VTR atmet freier ein und aus. Dem HRC-Düsennadelkit mit fetterer Bedüsung und K&N-Luftfilter im modifizierten Gehäuse stehen eine verschlungene, selbst gefertigte Krümmeranlage und zwei sportlich hochgelegte Akrapovic-Schalldämpfer gegenüber.

109 PS und deutlich mehr Drehmoment als die Serie mobilisiert der V2 damit, wurde jedoch auch durstiger. Dank einer kürzeren Übersetzung rennt die Arnimot-VTR wie der Teufel. Einen Zahn mehr hat das 16er-Ritzel, sieben Zähne plus das 47er-Kettenrad. Ruck, zuck stehen 260 Sachen auf der Uhr. Aber Obacht beim »Hoch«-Schalten, das Schaltschema ist umgedreht, der erste Gang liegt oben... Und nicht den Halt verlieren auf den schmalen Fußrasten oder die Fassung beim Wenden mit 7,80 Meter großem Wendekreis.

Allzeit straff agiert das Federbein, eine Einzelanfertigung von Wilbers, haut auf Buckelpisten mitunter den Fahrer aus dem Sattel – trotz einstellbarer High- und Lowspeed-Dämpfung. Feinstes Ansprechen kennzeichnet dagegen die von Wilbers modifizierte Upside-down-Gabel, die sich in Lenkkopflagern von Emil Schwarz dreht. Und als i-Tüpfelchen offerieren Continental Road Attack beachtlichen Grip. Schnell und präzise pfeilt die Arnimot-VTR ums Eck, lenkt trotz 2,5 Zentimeter längeren Radstands sehr leicht ein. Man verschmilzt förmlich mit dem 216 Kilogramm wiegenden Motorrad, fühlt sich perfekt integriert. 19990 Euro sind für das Einzelstück fällig. Was angesichts der Güte der Komponenten und höchster Verarbeitungsqualität, bis hin zur aufwendigen Mehrschichtlackierung, gerechtfertigt erscheint.

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