Fahrbericht Beta Alp 4.0/Motard 4.0 Beta-Locker

Keine Staus, keine Termine. Die neuen Beta-Schwestern sind das richtige Mittel, um einfach abzuhängen. Fast umsonst, dafür gern weit draußen.

Foto: Jahn
Beta Alp4.0/Motard 4.0
Beta Alp4.0/Motard 4.0
Es ist die bedingungslose Leichtigkeit des Seins, mit der die Alp 4.0 lockt. Nicht mehr und nicht weniger. Zwingendes Resultat aus 145 Kilogramm Gewicht vollgetankt, einem Schwerpunkt knapp über der Grasnarbe und der konsequenten Beschränkung auf das Notwendige. Mit diesem rar gewordenen Konzept will Beta Einsteiger und Umsteiger in den moderate 86 Zentimeter tiefen, schlanken Sattel hieven. Die Alp 4.0 verbindet die Lässigkeit von Badeschlappen mit der Ernsthaftigkeit stabiler Wanderstiefel. Selbst wenn auf dem Weg mal loses Geröll oder Wackersteine lauern, die Alp schlappt nach Belieben drum herum
oder klettert drüberweg. Ja, ja, die Gene, bauen die Florentiner doch seit geschlagenen 99 Jahren famose Geländegänger, darunter hoch dekorierte Trialmotorräder, deren Spirit bereits bei der hubraumschwächeren Alp 200 aufblitzte.

Und die »große« Beta Alp setzt noch
einen drauf, denn bei ihr sorgt der aus der Suzuki DR 350 bekannte Single für Beschleunigung. Wem die 15 PS der kleinen Alp lendenlahm erschienen, der kann sich nun mit den 27 Pferden des 4.0-Modells sportiver austoben – und trotzdem das tolle Gefühl angstfreien Vollgasens genießen. Nach Druck auf den Starterknopf – einen Kickstarter gibt es nicht – legt der Einzylinder kultiviert und drehfreudig los und lässt sich flott durch seine sechs Gänge treiben.

Beim Testmotorrad in der recht freizügig ansaugenden und auspuffenden Vorserien-Variante bollert’s dazu fröhlich aus dem langen Schalldämpfer. Keine Sorge, in der homologierten Version wird noch genug Qualm stecken – immerhin mischte der Vierventiler an Bord
der Suzuki DR 350 das Segment der kleinen Sportenduros einstmals tüchtig auf. Womit klar ist, dass die gebotene Leistung für spaßiges Wandern, Kraxeln und Wühlen langt. Nur an ganz langsamen, kniffligen Passagen ist ab und zu Kupplungshilfe nötig, sonst stirbt der heiß gefahrene Single ab.

Davon abgesehen verweigert die gerade mal 5350 Euro teure Alp 4.0 vor nix und niemand. Zur Not wendet sie auf der Stelle, und wenn wirklich mal Ende Gelände ist, helfen stabile Griffe beim Herumlupfen sowie nicht vorhandene Teile wie Wasserkühler oder opulente Plastik-Couture bei der Schadensbegrenzung. Die selten nötig ist, denn gutmütiger Charakter plus soft abgestimmte 46er-Gabel und Federbein legen von vornherein eine geschmeidige Fahrweise nahe. Ignoranten, die mit zu viel Schmackes über fiese Wellen brettern, zeigt die Beta sowieso prompt die gelbe Karte in Form trockenen Durchschlagens, zudem setzt die Bremsanlage mehr auf einsteigerfreundliche Überbremssicherheit denn messerscharfe Punktstopps. Also: Den rabiaten Auftritt als martialische Schotterkanone überlassen clevere Alpinisten besser anderen und verabschieden sich fröhlich pfeifend durch den City-Stau wuselnd Richtung Feld, Wald und Wiese.

Damit hat das auf Supermoto getrimmte Schwestermodell Motard 4.0 weni-
ger am Hut, die rasiert dafür auf Asphalt deutlich schärfere Linien. Statt auf grobstolligen Metzeler Karoo wie die Alp rollt sie auf Pirelli Dragon Evo im 17-Zoll-Format. Die Sportpneus gestatten onroad
radikales Abbiegen und herzhaftes Rausbeschleunigen. Etwas straffer abgestimmt als ihre Enduro-Schwester und mit einer kräftigeren Vorderbremse ausgestattet, kommt die Motard mit Straßenetappen besser zurecht. Logisch, dass der brave 350er keine Autogramme in den Asphalt brennt, aber für einen locker-flockigen Schnupperkurs in Sachen Supermoto-Style langt’s – für den Weg zu Uni, Freibad oder Arbeit ohnehin. Und auf langen Strecken reisen die beiden leichten Beta sowieso lieber auf den Transportschienen von Wohnmobil oder Anhänger.

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