Fahrbericht BMW F650 rallye by Schalber Scharf im Wolfspelz

Mit der »rallye« haben Richard Schalber und Touratech eine richtig scharfe Replika auf die Stollen gestellt – inklusive der gloriös-staubigen Aura zweier Dakarsiege.

In luftiger Höhe sucht die Crosshose Kontakt zum wildledernen Sitzbankbezug, die Beine fest an die ausladenden Tankhälften gepresst, den Helm hinter das kleine Plastikschild geduckt, sucht der Blick die Strecke nach tückischen Überraschungen ab und streift über das Roadbook im Carbongehäuse, GPS-Display,Tripmaster und den Navigations-assistant.
Nein, wir sind nicht auf dem Weg nach Dakar oder Kairo, sondern beim ersten Rollout der lang ersehnten BMW-Einzylinder-Rallye-Replika in Niedereschach. Hier im Badischen transferiert die Touratech-Mannschaft rund um Herbert Schwarz und Jochen Schanz das Konzept der lorbeerumkränzten BMW-Rallyewerksrenner, die immerhin bei drei Dakar-Starts zweimal als Erste einliefen, ins richtige Leben. Optisch nah dran an den pfeilschnellen Exoten, greift das von Rallyefuchs und BMW-Sportpräparator Richard Schalber entwickelte Konzept im Kern jedoch auf die Serie zurück. Kaum zu glauben, aber Motor, Hauptrahmen und Schwinge der von MOTORRAD gefahrenen Replika entsprechen der normalen F 650 GS, beziehungsweise dem Dakar-Modell. In puncto Reichweite werden diese von der Hardcore-Schwester jedoch gnadenlos getoppt: 51 Liter Benzinvorrat sorgen für einen marathonmäßigen Aktionsradius.
Aber das ist noch lange nicht das Ende der blau-weißen - oder in diesem Fall schwarz-weißen Fahnenstange, denn in einer weiteren, reinrassigen Sport-Ausbaustufe lockt neben einer leichteren Aluminiumschwinge, die den Radstand um 30 Millimeter verlängert, vor allem sattes Motortuning. Mehr Hubraum, Umrüstung auf Vergaser und ein lediglich 1,8 Kilogramm schwerer Titanschalldämpfer ergeben gut 70 PS und unter 170 Kilogramm Kampfgewicht fahrfertig. Spätestens dann dürfte die GS nicht nur für Aufsehen, sondern auch Aufhorchen sorgen.
Ganz so wild treibt’s die – fahrfertig ohne Benzin - 175 Kilogramm schwere, zulassungsfähige Version nicht. Ihr serienmäßiger, 50 PS starker Vierventiler glänzt wie gehabt eher durch geschmeidig kalkulierbare Kraftentfaltung denn raubautzige Hardcore-Attitüde und kann das üppig dimensionierte Fahrwerk kaum an seine Grenzen bringen. An die gelangt höchstens der Rallye-Novize, denn 97 Zentimeter Sitzhöhe erfordern eine gewisse Eingewöhnungsphase, zumindest bei prall gefüllten Sprittanks. Sobald der Knoten geplatzt ist, lässt sich mit der Sechsfuffziger richtig Staub aufwirbeln. Dabei bleibt das katalysatorgereinigte Aggregat schön leise und dürfte selbst vor den Augen Ökobewegter Gnade finden. Und das, obwohl der 17 Liter fassende, hintere Tank neben einem geänderten Rahmenheck einen – von Touratech entwickelten – Einzelschalldämpfer nötig machte. Da dessen Innereien aber im wesentlichen der Serienanlage entsprechen, je nach Wunsch mit oder ohne Kat, blubbert die »rallye« genauso unauffällig vor sich hin wie die zahmen Schwestern.
Im Gegensatz dazu geriet die Optik richtig wild: Front-, Haupt- und Hecktanks, Verkleidung, Sitzbank sowie Anbauteile entsprechen weitgehend den sportlichen Vorbildern, weiß-blaue Markentreue inklusive. Stolz prangt auf den Tankhälften die BMW-Plakette neben den angedeuteten Lufteinlässen, Erkennungsmerkmal der kleinen GS-Baureihe.
Gedämpft und gefedert wird vorn und hinten mit voll einstellbaren White-Power-Komponenten, deren 250 Millimetern Arbeitsweg selbst massiven Unebenheiten Paroli bieten, egal, wieviel Treibstoff in den Bunkern schwappt.
F 650-Eigner, die nicht gleich die volle Folklore wollen, können ihre Enduro auch sukzessive zum Rallye-Boliden aufrüsten: Sämtliche Anbauteile sind einzeln oder in Kombination erhältlich. Von breiteren Fußrasten über stabile Excel-Felgen, einen stabilen Kevlar/Carbon-Motorschutz bis hin zum professionellen Navigationsequipement reicht die Palette, um aus der zahmen Einsteiger-Enduro eine scharfe Rallye-Rakete zu machen.

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