BMW R 1200 GS Modell 2017.

Fahrbericht BMW R 1200 GS Modell 2017 Deutschlands Topseller mit verbessertem Getriebe

Mit dem Torsionsdämpfer aus dem Adventure-Modell, überarbeiteter Schaltkinematik und neuen Getriebewellen samt Lagern will die neue BMW R 1200 GS des Modelljahrs 2017 bessere Schaltmanieren zeigen. Herrscht nun Ruhe im bayerischen Antriebsstrang?

Foto: Peter Mayer
Vorher-nachher: MOTORRAD-Leser Werner Schüber (rechts) und Redakteur Peter Mayer beim Tête-à-tête mit der 2015er- und der 2017er-GS.
Vorher-nachher: MOTORRAD-Leser Werner Schüber (rechts) und Redakteur Peter Mayer beim Tête-à-tête mit der 2015er- und der 2017er-GS.

Die Umfrage von MOTORRAD im Sommer 2013 (Heft 21/2013) brachte ein niederschmetterndes Ergebnis: 39 Prozent der teilnehmenden Besitzer der damals neuenund 2013 präsentierten BMW R 1200 GS attestierten der Neuerscheinung „inakzeptable Probleme“ oder hielten „Feinschliff für dringend nötig“. Die größten Steine des Anstoßes: lautstarke Schaltgeräusche und Dröhnen im Schiebebetrieb. Für das kapriziöse Schaltverhalten ortete BMW die Ursache an der Kupplung. Ungenau gefertigte Kupplungsdruckstücke ließen zu viel Öl in die Kupplung einströmen. Das unter diesen Umständen hohe Restschleppmoment der Kupplung verursache die ruppige Schaltbarkeit. Der Austausch auf maßhaltige Druckstifte brachte jedoch nicht in allen Fällen Erfolg. Krachende Schaltungen gehören bis heute zum Dauerthema an den Boxer-Stammtischen.

Dem Dröhnen im Antriebsstrang, das BMW mit der Drehungleichförmigkeit des Kardans erklärt, kamen die Bayern dagegen bereits im Folgejahr bei. Im Adventure-Modell 2014, durch dessen längere Federwege die Knickwinkel der Kardangelenke größer als bei der Basis-GS ausgefallen, kam ein Torsionsdämpfer zum Einsatz. Im direkten Vergleich (MOTORRAD 14/2014) arbeitete der Antrieb damit geschmeidiger, reduzierte das Dröhnen im Kardantunnel auf ein erträgliches Minimum.

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Foto: bilski-fotografie.de
MOTORRAD-Redakteur Peter Mayer auf Testfahrt mit der neuen BMW R 1200 GS 2017.
MOTORRAD-Redakteur Peter Mayer auf Testfahrt mit der neuen BMW R 1200 GS 2017.

2015er-GS und 2017er-GS im Vergleich

Und nun? Erhält ab dem Modelljahr 2017 auch die Basisversion BMW R 1200 GS nicht nur den Ruckdämpfer, sondern obendrein eine überarbeitete Schaltwalzenbetätigung samt modifizierten Getriebewellen und Lagern. Wird nun alles gut? Werner Schüber, Besitzer einer 2015er-GS, hofft es. Der in der Nähe von Freiburg wohnende Südbadener hatte ob der unschönen akustischen Schaltuntermalung bei MOTORRAD um Rat gefragt. Genau an jenem Tag, an dem die überarbeitete GS in die Redaktions-Tiefgarage rollte. Perfektes Timing, um die private GS auf einer gemeinsamen Ausfahrt als Vorher-Modell zu rekrutieren.

Beim Kaltstart flutschen die Räder des ersten Gangs bei beiden Bikes völlig geräuschlos ineinander. Neu ist das nicht. Die nach dem Anlassen wahrscheinlich noch ölarme Kupplung trennte auch bei allen bisherigen Modellen problemfrei. Auf der verwinkelten Berg- und Talbahn des Kaiserstuhls, der Heimatrunde des 55-jährigen Nutzfahrzeug-Kaufmanns, kommen die beiden Boxer auf Temperatur. Alle paar Kilometer Fahrzeugtausch. Und immer mit dem gleichen Ergebnis. Zwei Fahrer, eine Meinung. Knochig schaltet sich das Getriebe der 2015er-GS. Vor allem in den unteren drei Gängen begleitet ein metallisch harter Schlag den Gangwechsel. Allerdings nicht durchweg. Wird das Motorrad zügig und auf höherem Drehzahlniveau bewegt, steppt es sich akustisch nahezu unauffällig durchs Getriebe. Zum „King Klonk“ wird die Schaltung vor allem beim moderat gefahrenen Alltagseinsatz mit einem hohem Konstantfahrtanteil oder sanften Beschleunigungen. Diese Erfahrung machte MOTORRAD auch bei vielen Testmaschinen und der Dauertest-BMW R 1200 GS.

Schaltschläge auf erträgliches Maß reduziert

Und die neue BMW R 1200 GS fürs Modelljahr 2017? Die von BMW technisch nicht näher spezifizierte Überarbeitung der Schaltwalzenbetätigung trägt spürbare Früchte. Das beim bisherigen Modell vergleichsweise harte Schaltgefühl fällt in der 2017er-Variante spürbar weicher aus. Die Schaltschläge sind zwar nicht vollständig verschwunden, wurden aber auf ein erträgliches, unauffälliges Maß reduziert. Dass die Schaltkinematik für die Verbesserung verantwortlich sein dürfte, lässt der Start bei warmem Motor vermuten. Das Einlegen des ersten Gangs begleitet immer noch ein hör- und spürbarer Schlag. Dieses wahrscheinlich nach wie vor durch Kupplung verursachte Phänomen veränderte sich gegenüber dem Vorgängermodell nur geringfügig. Aber immerhin so viel, dass der Tritt auf den Schalthebel künftig nicht mehr die Passanten an der Fußgängerampel erschrecken dürfte.

Die Befriedung dürfte auch dem Torsionsdämpfer zuzuschreiben sein. Das federbelastete Teil verrichtet nun auch in der Basisversion der BMW R1200 GS Modell 2017 gute Arbeit, eliminiert auch dort das Dröhnen auf ein ebenfalls tolerierbares Maß. Selbst bei hochgestelltem ESA (Zwei-Personen-Einstellung), bei dem der Kardan bislang vernehmlich klackerte, herrscht nun Ruhe im Antriebsstrang. Insofern: Zur Perfektion ist es für die GS-Schaltzentrale immer noch ein weiter Weg. Doch die Verbesserungen greifen und sind deutlich spürbar. Die kritischen 39 Prozent dürfte die neue GS wohl überzeugen. Werner Schüber auch. Und noch was Gutes: Die Neue gibt’s zum gleichen Tarif (Grundpreis: 14.950 Euro) wie bisher.

Das ist neu

BMW R 1200 GS, Modelljahr 2017

  • Ruckdämpfer auf der Getriebeausgangswelle
  • Schaltwalzenbetätigung überarbeitet
  • Getriebewellen und Lager modifiziert
  • Euro 4-Anpassung (Onboard-Diagnose-Stecker, Aktivkohlefilter für die Tankentlüftung, neues Motormapping, geänderte Katalysatorbeschichtung)

BMW-Neuheiten auf der INTERMOT 2016

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