Fahrbericht: ClearLine Black Sword 125 Ganz großes China

Wie macht man aus einem schnöden 125er-China-Cruiser einen echten Hingucker? Die Firma ClearLine sorgt mit ihrem 15000 Euro teuren Edelumbau für die große Show.

Foto: Bilski

Eine chromglänzende Harley fährt heutzutage fast jeder, nicht mehr nur betuchte Anwälte oder Zahnärzte. Mit einem 125er-Cruiser ist also kein Staat zu machen. Oder doch? Autoführerscheinbesitzer, die nur 125er fahren dürfen, oder Wiedereinsteiger, denen eine fette Harley zu schwer ist, wollen ebenfalls stilvoll cruisen und neidische Blicke ernten, so der Ansatz von Hartmut Schlechtweg, Chef der Firma ClearLine Automobildesign GmbH. Auf der Basis einer WMI Dragtail 125 (vormals auch als Regal Raptor DD125E Spyder vertrieben) begann der passionierte Tüftler sich über ein neues Gesamt-Design Gedanken zu machen und fing an, ab- und umzubauen. Design ist schließlich sein Geschäft, veredelt er doch im Alltag teure Limousinen und Sportwagen mittels individuellen Autozubehörs.

Rund ein Jahr hat die Konzeption und Umsetzung des Projekts Black Sword gedauert, etwa 300 Arbeitsstunden stecken im "schwarzen Schwert". Die langjährige Erfahrung in Sachen Formenbau und Herstellung von GFK-Teilen zahlte sich hier klar aus, zu den rund 50 geänderten Details gehören schließlich auch neu modellierte Seitendeckel und -schweller und die Hinterradabdeckung. Die Sitzbank ist mit einer fein verarbeiteten Kombination aus Nappa- und Lachsleder bezogen, Letzteres prägt das Aussehen, ist in vielen Farbvarianten zu haben und kostet rund 300 Euro pro Quadratmeter. So fein vernäht das Leder sich erweist, so sauber und hochwertig geriet auch die Verarbeitung der GFK-Teile. Beim Lackieren wurde ebenfalls geklotzt statt gekleckert, über das per Airbrush aufgebrachte Schuppendesign kamen wie bei allen Lackteilen mehrere Schichten Klarlack, um dem Bike den richtigen Hochglanz zu verleihen.

Der Scheinwerfer wanderte weiter nach oben "das sieht harmonischer aus", die Fußrasten nach hinten, die Gabel erhielt eine verchromte Abdeckung mit eingraviertem Schwert, dem Logo von CLC (ClearLine Chopperdesign). Um die abfallende Tank-Sitzbank-Linie zu betonen drehte Schlechtweg die Führung der Krümmer (Eigenbau mit mehr Durchsatz) um und lässt sie in die neu ausgerichteten Original-Endtöpfe münden. "Die Töpfe sind wichtig für die TÜV-Abnahme, alle Umbauten sind zulassungsfähig." Mit kernig grummelndem Standgeräusch verspricht die CLC mehr, als das dezente Fahrgeräusch und die Fahrleis-tungen halten können. Das teure Edelstück fährt sich kaum anders als das Basis-Gerät, bietet also selbst für 125er-Verhältnisse nur bescheidenes Temperament, bremst mäßig und umrundet enge Kurven, also mit weniger als 300 Metern Radius, recht kippelig. Staunende Blicke sind der Black Sword jedoch stets sicher. Ob dies reicht, um zahlungskräftige Käufer für das mit rund 15000 Euro kalkulierte Bike ("eine Kleinserie ist bei Interesse denkbar") zu gewinnen? Die günstigste Harley kostet nur die Hälfte. Doch Ami-Kultbikes sieht man ja auch an jeder Straßenecke, eine CLC sicher nicht.

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Foto: Bilski

Technische Daten

Motor:
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, eine obenliegende Nockenwelle, zwei Ventile pro Zylinder, zwei Vergaser, Ø 18,5 mm, U-Kat, Fünfganggetriebe, Kette.
Bohrung x Hub 44,0 x 41,0 mm
Hubraum 124 cm³
Nennleistung 7,8 kW (10,6 PS) bei 9500/min
Max. Drehmoment 8,4 Nm bei 7500/min

Fahrwerk:
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 240 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm
Reifen 80/90-21; 160/80-16

Maße und Gewichte:
Radstand 1860 mm, Sitzhöhe ca. 660 mm, Gewicht vollgetankt ca. 190 kg, Tankinhalt 13,5 Liter

Preis inkl. Nebenkosten ca. 15000 Euro

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