Fahrbericht: Aprilia RS4 125 Aprilias neue Viertakt-125er

Nach 36 WM-Titeln, 282 WM-Siegen und über 100000 verkauften Exemplaren der RS 125 ist jetzt Schluss mit Zweitakt-Duft. Die neue RS4 tritt nicht weniger sportlich, aber im Viertakt an.

Foto: Aprilia

Ohne den Zweitakt-Renner Aprilia RS 125 wären die Karrieren von Vollgashelden wie Marco Melandri, Jorge Lorenzo, Casey Stoner, vom Multi-Weltmeister Valentino Rossi oder dem amtierenden Superbike-Champion Max Biaggi - im Übrigen auf Aprilia RSV4 - kaum denkbar gewesen. Sie und etliche mehr haben auf ihr den Grundstein für ihre Karrieren gelegt. So ist es nur konsequent, dass die Präsentation der komplett neu entwickelten RS4 125 auch auf einer Rennstrecke stattfindet, in diesem Fall ein kleiner, aber moderner Kurs in der Nähe von Mailand.

Und wie im echten Leben zieht man zum Sporteln die richtigen Schuhe an. In diesem Fall sind es Pirelli Diabolo Supercorsa in SC1 Mischung. In der Serie werden es wohl Gummis von Schwalbe werden.

Doch genug des Geplänkels, der Vorstart ruft. Auf den ersten Blick ist RS4, besonders schräg von vorne, von der RSV4 kaum zu unterscheiden. Das Dreigestirn der Lampen, die Tank/Sitzbank-Linie, das kurze, knackige Heck - alles wirkt identisch, ist aber noch einen Tick kompakter.

Kompakt, gleichwohl nicht zollstockmäßig zusammengefaltet, nimmt man Platz, die Lenkerstummel sind nicht zu tief, die Rasten nicht zu hoch. Tief im Bauch der Verkleidung bollert der DOHC-gesteuerte Einzylinder. 15 PS leistet er bei 10 500 Touren, mehr darf er nicht. Das (Führerschein-)Reglement will es so.

Grün! Die Meute hetzt los. Wer unter 7000 einkuppelt, wird sofort nach hinten durchgereicht. Mist! Hinterher! Attacke!Mit leichten Vibrationen und linearer Leistungsabgabe hetzt der Single durchs Drehzahlband, bei 11 000 setzt der Begrenzer den letzten Moment zum Schalten. Die Präsentationsbikes sind teilweise mit dem als Extra (ca. 100 Euro) erhältlichen Schaltautomat ausgerüstet. Ohne Kuppeln, ohne Gaslupfen und vor allem ohne Zeitverlust lassen sich die sechs Gänge durchsteppen. Geil! Das Schaltschema ist konventionell, lässt sich aber blitzschnell umdrehen.

Da mit 15 PS der Vorwärtsdrang überschaubar ist, heißt es rund fahren, um ja keinen Schwung zu verlieren. Präzise und neutral folgt die RS 4 der angepeilten Linie, die sich bei Bedarf auch locker korrigieren lässt. Schräglagenfreiheit ist kein Thema. Bremspunkte sind zwar selten, aber es gibt sie. Zweifingrig bedienbar, mit sauberem Druckpunkt und kräftiger Verzögerung fangen die 300er-Scheibe und ihr stahlflexbewehrter Radialsattel das Rennerle wieder ein, die hintere Scheibe hat frei.

Viel zu schnell sind die Turns vorbei, Zeit für ein Resümee: Mit 4195 Euro ist die RS4 ein sehr reelles Angebot. Und wenn sie im Rennsport nur ansatzweise so erfolgreich ist wie ihre Vorgängerin, werden noch einige Siege und Titel dazukommen.

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Foto: Aprilia

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, zwei obenliegende, zahnradgetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 32 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 330 W, Batterie 12 V/6 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kette, Sekundärübersetzung 60:13.
Bohrung x Hub 58,0 x 47,0 mm
Hubraum 124 cm³
Nennleistung 11,0 kW (15 PS) bei 10 500/min
Max. Drehmoment 11 Nm bei 8250/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Ø 41 mm, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Federbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Zweikolben-Festsattel.
Alu-Gussräder 2.75 x 17; 3.50 x 17
Reifen 110/80 ZR 17; 130/70 ZR 17

Maße+Gewichte
Radstand 1350 mm, Lenkkopfwinkel 65,0 Grad, Nachlauf 94 mm, Federweg v/h 110/130 mm, Trockengewicht 135 kg, Tankinhalt/Reserve 14,5/3,3 Liter.
Gewährleistung zwei Jahre
Farben Schwarz, Weiß, SBK Replica
Preis 4021 Euro
Nebenkosten 174 Euro

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